Luchs steht bei Kreisjägertag in Brakel im Mittelpunkt – Veranstalter hoffen auch auf Gäste aus Nachbarkreisen
Jäger sprechen über Jäger

Brakel (WB). „Der Luchs im Dreiländereck“ ist das Thema des Kreisjägertages am kommenden Samstag, 14. März, in der Stadthalle Brakel. Von 11 Uhr an ist Einlass in die Stadthalle, das Programm beginnt um 12 Uhr.

Samstag, 07.03.2020, 01:00 Uhr aktualisiert: 07.03.2020, 05:02 Uhr
In freier Wildbahn bekommt man den Luchs eher selten zu sehen. Dieses Bild ist im Tierpark Olderdissen in Bielefeld entstanden. Der Jäger mit den Pinselohren steht im Mittelpunkt den kommenden Kreisjägertages. Foto: Bernhard Pierel
Christoph Heider (von links), Geschäftsführer der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, Dr. Christine Thiel-Bender, Freifrau Britta von Weichs und Achim Frohss haben das Programm des Kreisjägertages vorgestellt.

Christoph Heider (von links), Geschäftsführer der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, Dr. Christine Thiel-Bender, Freifrau Britta von Weichs und Achim Frohss haben das Programm des Kreisjägertages vorgestellt. Foto: Frank Spiegel

„Die Besucher erwartet ein abwechslungsreicher Tag mit Vorträgen von Michael Back, Luchs­projekt Pfälzer Wald, und Dr. Markus Port, Luchsforscher an der Universität Göttingen, sowie einer Podiumsdiskussion mit den Referenten und Frederike Wolff, Luchsbeauftragte Landesbetrieb Wald und Holz im Kreis Höxter, und Luisa Fischer, Veterinärin der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung. Moderator ist der bekannte Jagdschriftsteller Dr. Florian Asche“, gibt Britta Freifrau von Weichs, Vorsitzende der Kreisjägerschaft, einen Überblick über das Programm.

Zwei Populationen

Sie hofft auf zahlreiche interessierte Besucher. „Auch Gäste aus den Nachbarkreisen sind willkommen“, ergänzt Achim Frohss, stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft.

Unterstützt wird die Veranstaltung von der HIT-Stiftung, die sich unter anderem für die Wiederansiedlung des Luchses einsetzt.

„Deutschland spielt nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage in Europa für den Luchs in Mittel- und Westeuropa eine große Rolle. Schätzungen zufolge könnte es derzeit etwa 200 Luchse in Deutschland geben“, erläutert Dr. Christine Thiel-Bender, Fachfrau für Natur- und Artenschutzmanagement. Der Luchs komme derzeit in zwei Populationen in Deutschland vor: Eine Population in Ostbayern (Bayerischer und südlicher Oberpfälzer Wald) sowie eine Population, deren Quellgebiet im Harz (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) liege und die darüber hinaus die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen berühre. Eine dritte Population befinde sich im Pfälzerwald im Aufbau.

„In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit nur vereinzelt Luchse“, weiß Dr. Christine Thiel-Bender. Es sei auch fraglich, ob NRW für den Luchs geeignet sei. Das Land sei stark bevölkert und zersiedelt. Ähnliche wie beim Wolf müsse man hier sicher auch über „gewisse Sachen“ reden. „Das Thema sollte dort besprochen werden, wo der meiste Einfluss ist: bei Jägern, Förstern und Landwirten“, verweist sie darauf, dass der Kreisjägertag ein geeignetes Forum sei für das Thema.

Natürliche Dezimierung

Wie Achim Frohss erklärt, seien Luchs und Wolf Bestandteile unserer Wälder, „Der Luchs als Einzelgänger würde vermutlich Rehwild bejagen. So könnte es zu einer natürlichen Dezimierung dort kommen“, erläutert er.

Wie Dr. Christine Thiel-Bender berichtet, gibt es ein bis zwei vereinzelte Sichtungen, vor allem zwischen Beverungen und der Senne. Nah an NRW habe es 2016 im Solling die erste dokumentierte Luchs-Reproduktion gegeben. Die Fachfrau: „Im Jahr 2019 konnten nun erstmals auch im Reinhardswald vier Jungtiere nachgewiesen werden. Ein weiterer Verbreitungspunkt liegt im nordhessischen Kaufunger Wald, nördlich und östlich von Kassel, wo derzeit noch ein aus dem Harz eingewanderter Luchs – zeitweise waren es sogar sechs – dauerhaft lebt.“ Während der vergangenen fünf Jahre sei es zu regelmäßigen Wanderbewegungen von männlichen – jedoch nicht von weiblichen – Luchsen in dieses Gebiet gekommen. Die Weser stelle in diesem Zusammenhang kein Hindernis dar. „Der Luchs kann sehr gut schwimmen“, so Dr. Christine Thiel-Bender.

Weibchen gesucht

Ohne ein Weibchen werde sich der Luchsbestand in Nordhessen jedoch nicht erholen und etablieren können. Dort unterstütze die HIT Umweltstiftung bereits die wissenschaftliche Begleitung der Jäger, die sich für das Monitoring der Luchse tatkräftig einsetzen.

Eine Konkurrenz zwischen dem „Mitjäger“ und dem menschlichen Jäger sieht sie nicht: „Ein Luchs hat ein Streifgebiet von bis zu 40.000 Hektar, das er mit kurzfristigen und weiträumigen Ortswechseln nutzt – da sind wir mit unseren Jagdrevieren ganz andere Dimensionen gewohnt und werden den Luchs nur kurz im eigenen Revier haben – falls er denn kommt.“

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