Bürger in Ossendorf, Menne, Hohenwepel und Germete ärgern sich
Keine Chance gegen „Mautflüchtlinge“

Warburg (WB). Einwohner in Ossendorf, Menne, Hohenwepel und Germete ärgern sich über zunehmenden Schwerlastverkehr, der sich durch die Orte quält. Nach Meinung vieler Bewohner und der Stadtverwaltung nutzen eine Vielzahl der Brummifahrer Nebenstrecken, um die Maut, die seit Juli 2018 auch auf Bundesstraßen gilt, zu sparen. Machen kann man dagegen aber wohl wenig.

Donnerstag, 05.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 08:30 Uhr
Einwohner in Ossendorf, Menne und Hohenwepel beschweren sich über die vielen Lastwagen, die vor allem in den Morgenstunden über die Kreisstraße durch die Orte rauschen. Ein Mittel gegen die „Mautflüchtlinge“ gibt es derzeit aber nicht. Foto: Jürgen Vahle

Beschwerden über zunehmenden Schwerlastverkehr

Das Thema ist am vergangenen Dienstag im Rat der Stadt auf die Tagesordnung gekommen. FDP-Ratsfrau Melanie Eichert hatte Beschwerden über zunehmenden Schwerlastverkehr auf der Kreisstraße 38, die die B7 bei Ossendorf mit der Ostwestfalenstraße bei Hohenwepel verbindet, zum Anlass genommen, die Verwaltung nach dem Stand der Dinge zu fragen.

Auch die Warburger Stadtverwaltung geht nach den Worten von Bürgermeister Michael Stickeln davon aus, dass die als Bördestraße bezeichnete K38 von vielen Lkw-Fahrern als Abkürzung genutzt wird. „Wir haben das beim Kreis Höxter angemahnt, und der ist auch aktiv geworden“, berichtet Michael Stickeln.

2739 Autos pro Tag auf der Bördestraße

So habe es vom 7. bis 14 August 2019 an der Bördestraße eine Verkehrszählung gegeben. 2739 Autos seien dort pro Tag unterwegs, knapp zehn Prozent der Fahrzeuge seien Lastwagen gewesen. Die seien nach Untersuchungen des Kreises aber nicht zu schnell gewesen und die Belastung halte der Kreis Höxter auch für nicht auffällig, zitiert Stickeln aus einer Stellungnahme der Kreisverwaltung. Kreisstraßen seien von überregionaler Bedeutung, so dass der auch zunehmende Lkw-Verkehr hingenommen werden müsse.

Kampf für ein Durchfahrtverbot

Das sehen die Einwohner in den Orten natürlich ganz anders und wollen weiter um ein Durchfahrtverbot für den überörtlichen Schwerlastverkehr kämpfen. CDU-Ratsherr Michael Blome macht jedenfalls deutlich, dass seine Partei das Thema spätestens nach der Wahl wieder auf die Agenda setzen wolle. „Für uns ist die Entscheidung der Kreisverwaltung unbefriedigend. 280 Lastwagen pro Tag sind ein Wort – und viele haben ausländische Kennzeichen“, berichtet Blome.

Ähnlich gelagert ist das Problem in Wethen und im Luftkurort Germete. Viele Lkw-Fahrer nutzen den Warburger Weg zwischen Rhoden und Wethen und daran anschließend die Quellenstraße (K1) in Germete, um von der B252 im Kreis Waldeck-Frankenberg zur Ostwestfalenstraße (ebenfalls B252) abzukürzen und die A44 oft bis kurz vor Kassel zu meiden. Dem Germeter Bezirksausschuss ist in diese Situation schon lange ein Dorn im Auge. Bereits 2009 hat es einen Antrag auf ein Lkw-Durchfahrverbot für den Ort gegeben. Das Ergebnis entspricht dem in Ossendorf, Menne und Hohenwepel. „Trotz unsers Titels als Luftkurort können wir die Nutzung der K1 im Ort für Lastwagen über 7,5 Tonnen nicht verbieten“, berichtet Ortsvorsteher Willi Vonde. Kreisstraßen seien eben von überregionaler Bedeutung und könnten in der Nutzung nur schwerlich eingeschränkt werden.

Brummis zum langsamen Fahren anhalten

In Germete ist die Situation sogar noch etwas komplizierter, weil die Quellenstraße an einigen Stellen so schmal ist, dass zwei Lastwagen gar nicht aneinander vorbeifahren können. An der Kreuzung Quellenstraße, Albertus-Stephani-Straße und Rottheimer Straße hat es daher schon einige Male gekracht.

Mittlerweile sind die Germeter aber weiter aktiv geworden. Mit Mitteln des Aktionsbündnisses „Hand in Hand“ und mit Spenden sind zwei eigene Geschwindigkeitsmessanlagen angeschafft worden, die Brummis und natürlich auch Autos zumindest zum langsamen Fahren anhalten sollen. In weiten Teilen des Ortskerns gilt Tempo 30.

Gespräch mit Spediteuren suchen

Ortsvorsteher Willi Vonde will auch das Gespräch suchen. „Die Mehrzahl der Lastwagen stammt von Speditionen in Nordhessen. Wir wollen mit ihnen ins Gespräch kommen.“ Jeder Kilometer, den ein durchschnittlich großer Lkw nicht auf Autobahnen oder Bundesstraßen, sondern auf Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen fährt, spart dem Spediteur 19 Cent. Das hört sich nicht viel an, läppert sich aber für die Firmen.

„Etwas grundsätzlich ändern wird man wohl nur können, wenn die Landesregierung einlenkt“, berichtet Willi Vonde. Er schlägt vor, das Thema noch einmal in Gesprächen mit dem heimischen Landtagsabgeordneten Matthias Goeken (CDU) auf die Tagesordnung zu bringen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7310800?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Kritik an Antrag auf Kostenerstattung
Rheda-Wiedenbrück: Kritik an Antrag auf Kostenerstattung
Nachrichten-Ticker