Bundesweite Milchtagung in Hardehausen Zwischen Preiskampf und Klimaschutz

Hardehausen (WB). Derzeit diktiert der Handel den Milchpreis. Was können die Erzeuger selbst tun, um auskömmliche Milchpreise zu erzielen? Wie reagieren Molkereien auf den wachsenden Biomilch-Markt in Deutschland? Und was passiert eigentlich, wenn die Milchkuh weniger Kraftfutter und stattdessen mehr Gras frisst? Mit diesen und vielen anderen spannenden Fragen haben sich die Teilnehmer der bundesweiten Milchtagung in Hardehausen beschäftigt.

Von Silvia Schonheim
Welche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Höfe und die Artenvielfalt auf den Weiden hat es, wenn Milchkühe weniger Kraftfutter bekommen und stattdessen mehr Gras? Dies war nur eine Frage, mit der sich Landwirte in Hardehausen beschäftigt haben.
Welche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Höfe und die Artenvielfalt auf den Weiden hat es, wenn Milchkühe weniger Kraftfutter bekommen und stattdessen mehr Gras? Dies war nur eine Frage, mit der sich Landwirte in Hardehausen beschäftigt haben. Foto: dpa

Mehr als 40 Landwirte informierten sich am Montag bei der Tagung in der Landvolkshochschule unter dem Titel „Erzeugung zwischen Klimaschutz, Artenvielfalt und wirtschaftlicher Tragfähigkeit auf den Höfen“.

Moderatoren und Referenten der Milchtagung (von links): Frank Lenz, Randy Aller, Karin Jürgens, Josef Jacobi (Moderator, AbL), Bernhard Osterburg, Rudolf Leifert, Berit Thomsen (Moderatorin, AbL), Rüdiger Brügmann und Sarah Schulte-Döinghaus (KLJB-Bundesvorsitzende). Foto: Silvia Schonheim

Während die wirtschaftliche Situation der Milchviehbetriebe seit vielen Jahren schlecht ist, nehmen die gesellschaftlichen Anforderungen und damit mögliche weitere Kosten zu. Das Feld der Referenten machte den Grundgedanken der diesjährigen Milchtagung deutlich: Es ist notwendig und möglich, gesellschaftliche Anliegen mit einer gesunden wirtschaftlichen Tragfähigkeit auf den Höfen in Einklang zu bringen.

Dreijähriges Forschungsprojekt

So stellte Dr. Karin Jürgens vom Kasseler Institut die Zwischenergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojektes vor: „Für Milchviehhalter ist es durchaus wirtschaftlich attraktiv, das Kraftfutter zu reduzieren und mehr Gras zu füttern. Dadurch steige – insbesondere in konventionellen Betrieben – die Artenvielfalt auf den Grünlandflächen.“ Durch die Kraftfutterreduzierung falle etwa auch der Nährstoffaustrag geringer aus (Düngung). Die Lebensmittelqualität steige. Und es werde weniger Getreide als Futtermittel genutzt. „Zudem sinkt die durchschnittliche Milchleistung einer Kuh von 7800 auf etwa 6000 Liter pro Jahr. Das sorgt für eine Marktentlastung“, erläuterte Karin Jürgens.

Angebot der Nachfrage anpassen

Dieser Effekt kommt der Forderung von Frank Lenz entgegen: „Wir müssen das Angebot der Nachfrage anpassen, um faire Milchpreise zu erzielen.“ Frank Lenz, Milchbauer in Sachsen-Anhalt, ist seit Februar neuer MEG-Milch-Board-Vorsitzender. „Wir stellen deutschlandweit die Erzeugerkosten in Bio- wie auch in konventionellen Betrieben den Auszahlungen an die Milchviehbetriebe gegenüber. Die Unterdeckung liegt derzeit bei etwa 21 Prozent.“ Seine Idee: Die Milchviehhalter müssten sich stärker bündeln, die Milch so anonymisieren und in starker Gemeinschaft über Preise verhandeln.

„Bei Bio-Milch muss 60 Cent beim bauern ankommen“

„Für einen Liter Biomilch müssten 60 Cent beim Bauern ankommen, um kostendeckend zu arbeiten. Zieht man die 12 Cent Förderung ab, müssten es sogar 72 Cent sein. Derzeit sind es aber nur 40 Cent“, erläuterte Referent Randy Allert von der Milcherzeugergemeinschaft Rheinland-Pfalz und Saarland. Ähnlich sehe es bei konventioneller Milch aus: „33 Cent kommen beim Landwirt an. Die Kosten liegen durchschnittlich aber bei 44 Cent.“

Welche Rolle die Landwirtschaft und die Milchviehhaltung beim Klimaschutz spielen kann, beleuchtete Bernhard Osterburg vom Thünen-Institut. Eine Herausforderung sei dabei, „dass sich biologische Prozesse nicht auf Null reduzieren lassen.“

Die Milchtagung ist eine bundesweite Kooperationsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Domäne Frankenhausen/Versuchsbetrieb der Universität Kassel und der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB).

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