Freiflächen-Solaranlage auf Acker an der A44 beantragt
Familie gibt Projekt nicht auf

Warburg (WB). Seit dem Jahr 2011 versuchen Landwirt Hans-Josef Tillmann aus Welda und sein Sohn Jan eine Genehmigung für eine Freiflächen-Fotovoltaik-Anlage entlang der A44 zu bekommen. Ohne Erfolg. Vor einigen Monaten haben sie einen neuen Versuch gestartet, der am Dienstag, 12. Februar, im Warburger Bauausschuss diskutiert wird – und zumindest dort gute Chancen auf Erfolg hat. Abschließend entscheiden müssen darüber aber die Kreisverwaltung und die Bezirksregierung.

Samstag, 08.02.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 07:10 Uhr
Dieses Foto, aufgenommen vom Wormelner Berg aus, zeigt die Fläche, auf der eine Solaranlage mit einer Leistung von drei Megawatt errichtet werden soll (markierte Fläche). Im Vordergrund ist der Pendlerparkplatz zu sehen, links die A44. Foto: Jürgen Vahle

Ursprünglich wollte die Familie auf ihren eigenen Flächen an der Autobahn eine Freiflächen-PV-Anlage mit einer Größe von 120.000 Quadratmetern errichten. Dazu hätten der Flächennutzungsplan geändert und ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden müssen. Doch dies lehnten sowohl der Kreis Höxter als auch die Bezirksregierung ab. Landschaftsschutz und der Schutz wertvoller Ackerflächen hätten Priorität, begründeten die Behörden damals.

Änderung der politischen Großwetterlage

Doch so schnell will die Familie Tillmann ihr Projekt nicht aufgeben, zumal sich die politische Großwetterlage in den vergangenen Jahren deutlich geändert hat. Großflächige PV-Anlagen an Autobahnen und Bahnstrecken sind vor dem Hintergrund des Klimawandels und der gewünschten Energiewende mittlerweile möglich und sind zuletzt im Warburger Land auch mehrfach beantragt und von den städtischen Gremien befürwortet worden.

Jan Tillmann

Jan Tillmann Foto: Jürgen Vahle

Grünes Licht gab es von den Stadtvätern zuletzt sogar für Anlagen, die auf eigentlich ausgeschlossenen landwirtschaftlichen Kernzonen errichtet werden sollen. Jan Tillmann hat daher erneut um die Genehmigung für den Bau einer PV-Anlage nördlich der A44 auf eigenem Grund und Boden gebeten.

Boden hat nur eine mindere Qualität

Er hat gute Argumente für eine Genehmigung gesammelt und die infrage kommende Fläche für die Solar-Anlage auf den Acker nördlich der Autobahn konzentriert. Die Parzelle hat eine Größe von 110 mal 900 Meter. Die Anlage, deren Baukosten deutlich über eine Million Euro liegen würden, hat eine Leistung von drei Megawatt. Diese Menge an Strom liefert auch eine Windkraftanlage.

Der Standort sei aber keinesfalls so wertvoll, wie das die derzeitige Einteilung als Landschaftsschutzgebiet Glauben machen könnte, berichtet Jan Tillmann. Auch die Qualität des Bodens werde mit 26 bis 40 Bodenpunkten bemessen. In der Börde haben die Äcker 80 Punkte und mehr. „Es ist steiniger Boden. Ein Teil der Fläche ist aufgrund der minderen Qualität auch schon stillgelegt worden“, berichtet Jan Tillmann weiter.

Stromtankstelle am Parkplatz denkbar

Ein Grund: Auf Teilen der Parzelle befand sich nach dem Krieg ein alter Steinbruch, der dann zugeschüttet worden ist und an der Oberfläche nur mit wenig Boden aufgefüllt wurde. Zudem liege das Feld weitab von jeder Bebauung. Das Landschaftsbild an dieser Stelle sei durch die Autobahn und einige Bauwerke ohnehin beeinträchtigt. Sie sei von der A44 und auf der anderen Seite von Hecken begrenzt und in Teilen überhaupt nicht zu sehen.

Und die Familie Tillmann macht weitere Angebote. Die Fläche werde nicht an einen großen Investor verpachtet, sondern von der Familie selbst betrieben. Die Wertschöpfung bleibe in der Region. Auch eine Bürgerbeteiligung sei denkbar. Selbst über eine neue Stromtankstelle am Pendlerparkplatz unterhalb der A44 könne man reden, die dann mit Strom aus der PV-Anlage gespeist würde.

Landwirte sind für eine Privilegierung

Die Familie Tillmann hat mittlerweile die beiden Ortsvorsteher aus Welda und Germete, Hubertus Kuhaupt und Willi Vonde, auf ihrer Seite. Auch Bürgermeister Michael Stickeln regt an, dass der Kreis und die Bezirksregierung eine „neue landschaftsrechtliche Beurteilung“ vornehmen sollten.

Für Jan Tillmann steht fest, dass solche Solaranlagen auch in landwirtschaftlichen Kernzonen und Schutzgebieten dringend eine Privilegierung erhalten müssen – besonders, wenn sie auch noch auf minderen Ackerböden errichtet werden.

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