WESTFALEN-BLATT beantwortet wichtigste Fragen zum Streitthema „Marktplatz-Café“
„Neue Platte“ in der Diskussion

Warburg (WB). Die Planungen für ein neues Café auf dem Warburger Neustadtmarktplatz, das den Namen „Neue Platte“ tragen soll, laufen. Am 21. Januar muss der Rat entscheiden, ob und in welcher Form es errichtet werden darf. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr in der Warburger Filiale der Vereinigten Volksbank. Mittlerweile gibt es viel Kritik , aber auch viel Zustimmung. Wir haben die wichtigsten Fragen zu dem Thema noch einmal zusammengefasst.

Donnerstag, 09.01.2020, 07:02 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 07:34 Uhr
Vor dem barrierefreien Umbau war das Café „La Vita“ vis-a-vis zum Info-Pavillon aufgebaut – und vor allem bei der WM 2006 der ­Anziehungspunkt für die Warburger. Um den Standort des neuen Cafés ist eine heftige Diskussion entbrannt. Foto: Ralf Benner/Archiv

 

Wer will das Café?

Die Warburger Hanse (Werbegemeinschaft) fordert ein solches Café schon lange. Die Geschäftsleute hoffen, dass es mehr Menschen in die Stadt und in ihre Geschäfte lockt. Nicht zuletzt hofft die Wirtschaftsförderung der Stadt, dass durch eine solche Belebung die Quote der leer stehenden Geschäfte verringert werden kann.

Auch Reisegruppen haben an Warburg immer wieder kritisiert, dass es im Zentrum kein (Freiluft-)Café gibt. Das berichten zumindest Stadtführer und die Tourismus-Experten.

 

Wer will das Café bauen und betreiben?

Tatjana und Hans-Stefan Lütkemeyer, amtierendes Warburger Schützenkönigspaar und Betreiber der „Tenne“ in der Altstadt, sind von Bürgermeister Michael Stickeln und Wirtschaftsförderer Sören Spönlein angesprochen worden und wollen das Café nun bauen und möglichst ganzjährig betreiben.

Mindestens 70.000 Euro eigenes Geld wollen sie investieren. Der erste Entwurf für den mittlerweile viel diskutierten Holzständerbau stammt von Architekt Karl-Heinz Cornelius, der seinerzeit auch den Info-Pavillon geplant hat.

Der Baukörper soll sich nach Auffassung der Verwaltung an die Architektur des Pavillons anlehnen. Das Café soll jederzeit problemlos wieder vom Pflaster entfernt werden können.

 

Sind der Entwurf und der Standort bereits fix?

Nein. Bei der viel diskutierten Animation handelt es sich lediglich um eine Planung. Die Warburger Stadtverwaltung wollte mit dem Investor sowie dem Denkmalschutz noch vor Weihnachten weitere Details besprechen. Abgeschlossen sind die Gespräche noch nicht. Auch ein anderer Standort auf dem Neustadtmarkt ist also noch denkbar.

 

Aber der Warburger Bezirksausschuss hat doch schon mehrheitlich grünes Licht gegeben...

Das ist richtig, allerdings hatte der Beschluss nur eine empfehlende Wirkung. Zudem ging es im Bezirksausschuss darum, die grundsätzliche Planung zu befürworten oder abzulegen.

Bürgermeister Michael Stickeln hatte schon im Dezember deutlich gemacht, dass es noch eine Feinabstimmung und die Rücksprache mit den Denkmalschützern geben müsse – auch über den Standort. Die Gestaltung des Cafés nach den Plänen von Karl-Heinz Cornelius hat der Bezirksausschuss allerdings befürwortet.

 

Warum wird das Café nicht in den bereits bestehenden Info-Pavillon integriert?

Das Gebäude ist nach Ansicht der Stadtverwaltung und vieler Gastronomie-Experten für eine weitere Nutzung zu klein, auch wenn stets anderes behauptet wird. Außerdem ist für den Bau des Pavillons Fördergeld geflossen.

Ändert sich die Nutzung und der Zweck des Gebäudes, muss dieses Fördergeld von der Stadt Warburg womöglich zurückgezahlt werden. 2024 läuft die Förderung aus. Erst dann könnte am Info-Pavillon neu geplant werden.

 

Was spricht eigentlich dagegen, das Café in einem leer stehenden Geschäft am Marktplatz unterzubringen?

Noch steht kein Ladenlokal direkt am Markt leer. Und auch wenn das Modefachgeschäft Wilke in Kürze schließt, ist das Gebäude derzeit nicht für eine gastronomische Nutzung vorgesehen. Gleiches gilt für andere Immobilien am Platz.

Ein Standort lediglich im Umfeld des Marktes entspricht auch nicht dem, was Gastronomie-Experten für eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung empfehlen. Gefordert ist ein Café, das seine Stühle direkt am Markt aufbaut und ganzjährig betrieben werden kann. Die Bedienung der Freiluftplätze von einem der Geschäfte aus gilt bei dem Verkehr in der Innenstadt gemeinhin als schwierig.

Wichtig ist vielen Gastronomen offenbar auch das Thema „Sehen und gesehen werden“. Daher sei es nicht sinnvoll, die Stühle beispielsweise hinter dem Info-Pavillon oder an anderer Stelle rund um den Markt aufzubauen.

 

Was spricht dagegen, das Tourismus-Büro in eines der leer stehenden Geschäfte zu verlegen und den Pavillon dann zu einem Café umzubauen?

Auch hier geht es natürlich um die Fördergelder, die womöglich zurückgezahlt werden müssen. Daneben gibt es auch rechtliche Schwierigkeiten. Der Info-Pavillon befindet sich im Besitz der Stadt, das Café würde von Privatleuten betrieben und auch gebaut.

Der Info-Pavillon ist zudem noch mehr als ein Café eine Anlaufstelle für Besucher und Bürger der Stadt. Die Verwaltung und die Tourismus-Experten sind der Meinung, dass dies auch so bleiben muss – auch unabhängig von Fördermitteln.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Gute Frage. Der Widerstand in der Stadt und in den Parteien ist mittlerweile so groß, dass es gut möglich ist, dass der vom Ehepaar Lütkemeyer und Architekt Cornelius vorgestellte Platz für das Café nicht genutzt werden darf.

Das könnte zur Folge haben, dass das ganze Projekt in Frage gestellt wird – und das Café gar nicht gebaut wird. Das wiederum will auch niemand. Die Situation ist verfahren. Es bleibt spannend.

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