Beschicker des Warburger Wochenmarktes sehen Pläne für Café-Neubau kritisch
„Wir haben Angst um unsere Existenz“

Warburg (WB). Gegen den geplanten Bau eines Cafés auf dem Neustadtmarktplatz regt sich Kritik: Nachdem sich sechs Warburger und zwei ehemalige Bewohner der Hansestadt mit einer Petition an den Rat gegen die Pläne ausgesprochen haben, melden sich nun auch die Beschicker des Wochenmarktes zu Wort.

Samstag, 04.01.2020, 05:00 Uhr
Die Warburger Wochenmarktbeschicker um (von links) Alexa Brechtken, Mario Behrend und Sabrina Ellermann sehen die Pläne für einen Café-Neubau auf dem Neustadtmarktplatz kritisch. Sie sorgen sich um die Zukunft des Warburger Wochenmarktes. Foto: Daniel Lüns

„Wir haben Angst um unsere Existenz“, erklärt Sabrina Ellermann von der Landfleischerei Ellermann in Liebenau-Haueda. Mit ihrem Verkaufswagen fährt sie sieben Markttermine pro Woche an, zwei davon in Warburg. „Und das machen wir seit mehr als 40 Jahren“, sagt sie. Der Standort Warburg mache einen großen Teil des Geschäftes aus, „und das soll auch so bleiben. Wir wollen den Markt erhalten“.

Nicht mehr genug Fläche für den Wochenmarkt befürchtet

Sie befürchtet, dass die Beschicker durch den Neubau eines Cafés auf dem Neustadtmarktplatz nicht mehr genug Fläche für den Wochenmarkt haben werden. Ins selbe Horn stößt Fischhändler Markus Thöne. Sein Verkaufswagen sei etwa zehn Meter lang. Zudem müsse er auf Klötzen geparkt werden, damit er auch gerade stehe. „Auf dem Platz ist es jetzt schon so eng, dass wir kaum rangieren können“, sagt Thöne.

Er fürchte ebenfalls um den Wochenmarkt. „Zwölf Märkte besuchen wir pro Woche. Warburg ist einer unserer Besten. Wenn der Wochenmarkt wegfallen sollte, würde uns das unheimlich wehtun. Zumal meine Großeltern schon 1963 hier standen.“ Auch viele Kunden bangten um den Wochenmarkt. „So eine Veränderung ist auch oft der Todesstoß für so einen Markt.“ Das habe er etwa in seiner Heimatgemeinde Anröchte (Kreis Soest) erlebt.

Dort sei der Wochenmarkt jahrelang auf dem Marktplatz heimisch gewesen. „Das lief bombig“, erklärt Thöne. Mit 18 Beschickern habe sich dort auch eine große Veranstaltung etabliert. „Vor Jahren wurde der Platz dann mit Skulpturen bestückt. Der Wochenmarkt musste auf den Rathausvorplatz ausweichen, der etwa 100 Meter Luftlinie entfernt ist. Dort stehen wir mittlerweile alleine.“

Damit es in Warburg gar nicht erst so weit kommt, schlägt er vor, das Café auf dem Neustadtmarktplatz unterhalb der Treppen zu bauen. „Die Fläche hier sollte für den Markt erhalten bleiben“, findet auch Alexa Brechtken. Zur Standortfrage hat sie noch eine andere Idee: „In Warburg sind so viele Geschäftsräume frei, wieso kann man mit dem Café keinen Leerstand füllen?“

Informationspolitik von Stadt und Verwaltung beklagt

Die Pläne würden zudem keine großen Ketten treffen. „Wir sind alles Familienbetriebe“, sagt Brechtken. Seit etwa 30 Jahren sei die Warburger Bäckerei auf dem Wochenmarkt vertreten. „Vor allem der Kundenkontakt ist uns wichtig. Manche kommen vorbei und trinken nur einen Kaffee“, sagt sie. „Wir kämpfen eh schon mit Personalproblemen. Und nun kommt das auch noch dazu.“

Auch Mario Behrend sieht die Pläne kritisch. Unterhalb der Treppenstufen fände er den Neubau zwar in Ordnung. Aber nicht nur der geplante Standort des Cafés ärgert ihn. Generell beklagt er die Informationspolitik von Stadt und Verwaltung. „Mich regt auf, dass sich hier nie einer kümmert“, sagt er. Vom geplanten Neubau des Cafés hätten die Beschicker aus der Zeitung erfahren.

Auch im Vorfeld der Veranstaltung „Weyhnacht zu Warburgum“ habe er Verstimmungen gegeben. So wurden damals die Parkplätze am Neustadtmarktplatz vormittags gesperrt, die Beschicker hätten das jedoch erst vor Ort erfahren. „In Höxter ist das anders. Da kümmert man sich um uns.“

Acht Märkte fährt der Trendelburg-Langenthaler pro Woche an, davon hält er zwei Mal in Warburg. „Viele Kunden haben uns auch gesagt: ‚Lasst euch das nicht gefallen.‘ Darum gehen wir nun an die Öffentlichkeit.“

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