ESV Warburg gehört zu den letzten Eisenbahner-Sportvereinen in der Region
Seit 60 Jahren den Breitensport im Blick

Warburg (WB/vah). Für den Eisenbahner-Sportverein Warburg (ESV) endet ein besonderes Jahr. Der Breitensportverein hat 2019 sein 60-jähriges Bestehen gefeiert. Er gehört zu den ganz wenigen Vereinen der Region, die noch dem Verband der Eisenbahner angehören. In der wechselvollen Geschichte, die eigentlich schon 1931 begann, gab es viele Probleme zu lösen und einen TV-Auftritt zu meistern.

Mittwoch, 01.01.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 09:54 Uhr
Die erste Turnhalle wurde 1931 an der Daseburger Straße eingeweiht. Einzelheiten sind aus dieser Zeit sind allerdings nicht mehr bekannt.

Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln lobte anlässlich der Feierstunden: „In dem Zeitraum der vergangenen 60 Jahre hat sich Ihr Verein ganz dem Breitensport im besten Sinne verschrieben und sich hierbei prächtig entwickelt. Mit den Abteilungen Kegeln, Judo, Kinderturnen, Gymnastik, Step-Aerobic und Reha-Sport ist der ESV wahrlich breit aufgestellt.“

Zum 60-jährigen Vereinsbestehen richtete der ESV pünktlich zur Oktoberwoche die Kreismeisterschaften im Kegeln auf der neu renovierten Kegelbahn aus, die bereits zum 50. Mal stattfanden (wir berichteten ausführlich). Dazu war mit erheblichem finanziellem Aufwand die gesamte Technik der beiden Kegelbahnen auf den neuesten Stand gebracht worden.

Gemeinsam mit dem stellv. Kegelwart und Vereinschronisten Walter Waßmuth blickt das WESTFALEN-BLATT in die interessante Geschichte des Vereins.

1931 bis 1959

Der heutige Eisenbahner-Sportverein wurde als Turnverein gegründet. Die Übungsstunden wurden in der Turnhalle an der damaligen Daseburger Straße neben dem Übernachtungsgebäude der Eisenbahn abgehalten. Einzelheiten sind aus dieser Zeit nicht mehr bekannt. Durch die Kriegswirren wurde der Sportbetrieb eingestellt, die Turnhalle wurde zum Teil als Lazarett benutzt. Nach dem Krieg wurde der Sportbetrieb als Betriebssport der Eisenbahn wieder sporadisch aufgenommen.

Ab 1959

Auf Anregung aus dem Kreis der Bahn-Mitarbeiter wurde auf Betreiben von Wilhelm Brügger, Heinrich Lippe und Adolf Hartmann der Verein am 1. Juli 1959 von 22 Eisenbahnern neu gegründet. Als Sportarten wurden Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Wandern und Tischtennis vorgesehen. Die Zahl der Mitglieder stieg schnell auf 50 an, außerdem wurde der Jungwerkersport der DB in der Turnhalle des ESV abgehalten, sodass der Vorstand zunächst für eine neue Ausstattung der Turnhalle mit Turngeräten sorgen musste. Der Verein trat dem Turnerbund und dem Verband der Eisenbahn-Sportverein bei. 1961 erfolgte der Beitritt zum Fußball- und Leichathletikverband. Bis zum Frühjahr 1964 war die Mitgliederzahl auf rund 150 gestiegen.

In den Jahren 1965 bis 1967 stand die Renovierung der Turnhalle im Vordergrund. Es wurden eine Zwischendecke in die Turnhalle eingezogen und der Fußboden erneut. Investiert wurden insgesamt 77.000 Mark. Diese Renovierung war dringend erforderlich, da die Halle nicht nur vom Verein und den Mitarbeiter der DB, sondern auch von der Polizei, den Schülern der Landwirtschaftsschule, der Petrus-Damian-Schule und von Mitgliedern des Versehrtensportvereins, des Postsportvereins, des SV Wormeln, der ETSG Germete und des SV Dössel mitbenutzt wurde.

Im sportlichen Bereich waren inzwischen vier Kegelriegen aktiv, die Turnhalle nutzten fünf verschiedene Riegen bei den Mädchen, Jungen, Damen und Herren. Die Vereinsmitglieder beteiligten sich in den folgenden Jahren in der Leichtathletik regelmäßig an den Waldlauf- und sonstigen Kreismeisterschaften, bei den Turnern am Gauturnfest in den verschiedenen Orten des Bezirks.

Ein Höhepunkt in den folgenden Jahren war der Ausflug am Christi Himmelfahrtstag auf den Sportplatz in Nörde, wo sich die ESV-Vereine Nörde, Menne, Bonenburg, Ossendorf, Germete, Scherfede-Rimbeck und Warburg nach einem gemeinsamen Umzug aus dem Ort mit Musikkapelle zu Leichtathletikwettkämpfen, Waldlauf und Fußballturnieren trafen. Dieses Fest war über Jahre ein Höhepunkt im jährlichen Vereinsleben.

Die Kegelriegen begannen in dieser Zeit ebenfalls an sportlichen Wettkämpfen teilzunehmen und zwar zunächst an den Bezirks­meisterschaften des Bezirks Wuppertal und an den Stadtmeisterschaften, die die Kegelbrüder des ESV ausrichteten.

Ab 1969

Im Jahre 1969 gründete der Verein eine Judoabteilung, die nach einem Jahr bereits 80 Mitglieder stark war und sofort an Bezirksmeisterschaften mit großem Erfolg teilnahm. Im Jahre 1972 konnte bei den Deutschen Eisenbahner-Judomeisterschaften sogar einen 3. Platz erkämpft werden.

In Erinnerung bleibt die europaweite Fernsehshow „Spiel ohne Grenzen“. 1971 beteiligte sich auch Warburg an der nationalen Vorentschei­dung unter Mitwirkung einiger ESV-Sportler (leider trotzdem wenig erfolgreich). Die Vorbereitungen erfolgten zum Teil in der ESV-Turnhalle mit dem damaligen Leiter Kreisleichtathletikobmann Heinz Flach.

Im Jahre 1972/73 errichteten die Mitglieder des Vereins auf der ehemaligen Bundesbahnkippe am Ostausgang des Bahnhofs (später: Tennisanlage des TC 80 Warburg) einen vereinseigenen Sportplatz, auf dem die Leichtathletikabteilung trainieren konnte. Dazu gehörte auch ein Fußballfeld.

Ab 1978

Ende des Jahres 1977 fasste der Verein unter Führung von Wilhelm Rodermund den Entschluss, eine vereinseigene Kegelbahn zu bauen. Die Deutsche Bundesbahn überließ dem Verein die Erdgeschossräume des ehemaligen Übernachtungsgebäudes, sodass mit einem Anbau eine Doppelkegelbahn begonnen werden konnte. Die Mitglieder leisteten mehr als 4000 Stunden an Eigenleistungen, auch wurden Bausteine verkauft. Insgesamt wurden vom Verein rund 75.000 Mark investiert, wobei ein Teil der aktiven Eisenbahner auch gegenüber der Bank Bürgschaften übernahmen. Pünktlich zur Oktoberwoche 1978 waren die Bahnen fertiggestellt. Seither finden dort die Kegelkreismeisterschaften statt.

1983 war der Verein wieder schuldenfrei, somit konnte 1985 der Gaststättenbereich um den heutigen Gast- bzw.. Gesellschaftsraum erweitert werden. Die Vereinsmitglieder, insbesondere aber die jüngeren Kegler, leisteten erneut 2000 Stunden an Eigenleistung. Insgesamt wurde vom Verein erneut ein Betrag von 25.000 Mark investiert.

Ab 1988

In den Jahren 1988/89 gelang es dem ESV-Vorstand in langwierigen Verhandlungen mit der Bundesbahndirektion Hannover, das Gelände und die Gebäude zu kaufen. In die Verhandlungen waren auch das damalige Vorstandsmitglied der DB, Adolf Hartmann, und der damalige MdB Meinolf Michels eingeschaltete worden. Vorsitzender Wilhelm Rodermund und Reinhold Cöster setzten im August 1989 ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag. Das Vereinsgelände in einer Größe von 4343 Quadratmetern und die Gebäude waren nun im Eigentum des ESV. Ein Darlehen über 80.000 Mark wurde aufgenommen. In den Folgejahren stand die langsame Entschuldung und die Förderung des Breitensports im Mittelpunkt.

Ab 2000

Zu Beginn des neuen Jahrtausends konnte dank eines Zuschusses der Eisenbahn bzw. des VDES (Verband Deutscher Eisenbahner-Sportvereine) zunächst das Turnhallendach für über 10.000 Mark saniert werden. Sportlich zu erwähnen sind die Gründungen neuer Gruppen wie „Flotte Hummeln“ oder die Step-Aeorbic-Gruppe. Ein weiterer Meilenstein war die Sanierung des gesamten Daches des Hausgebäudes im Sommer 2006. Bei dem anschließenden Ausbau von zwei Wohnungen im Dachgeschoss leisteten die Mitglieder des Kegelclubs „ESV Holzfäller“ mehrere hundert Stunden an Eigenleistungen. Der gesamte Vorstand übernahm erneut eine Bürgschaft für den investierten Betrag von 110.000 Euro. Nach dem erfolgreichen Abschluss legte der langjährige Vorsitzende Wilhelm Rodermund nach mehr als 30 Jahren im Amt wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag sein Amt nieder. Er wurde 2008 einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Die neue und bis heute amtierende Vorsitzende ist Elke Brüggemann-Kohaupt.

Im Jahr 2008 wurde das Sportangebot um eine Reha-Gruppe erweitert, wobei der Verein auch dem Verband der Behinderten-Sportverbände NW beitrat. In 2009 feierte der Verein sein 50-jähriges Vereinsjubiläum nach Neugründung in 1959.

Es folgten noch weitere Renovierungsmaßnahmen an und in der vereinseigenen Turnhalle des ESV sowie in den Räumlichkeiten der Vereinsgaststätte „Zum Fässchen“.

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