Radweg nach Dalheim: Herlinghausener Ortsbeirat ärgert sich über die Diskussion „Das lassen wir so nicht stehen“

Warburg-Herlinghausen (WB). Der Warburger Rat hat in seiner jüngsten Sitzung den Bau eines Radwegs zwischen Herlinghausen und Dalheim entlang des Baches im Rautental beschlossen. Gebaut wird aber nur, wenn Fördergelder in ausreichendem Maße fließen.

Sie setzten sich weiter mit Nachdruck für den Bau eines Radwegs zwischen Herlinghausen und Dalheim ein (von links) Michael Sauerland, Rainer Herwig, Ralf Hundertmark, Christian Meyer und Jürgen Koch. Und sie bleiben dabei: der Weg müsste entlang des Baches im Rautental (rechts im Bild) verlaufen. Neu asphaltiert werden müssten etwas 850 Meter der Strecke.
Sie setzten sich weiter mit Nachdruck für den Bau eines Radwegs zwischen Herlinghausen und Dalheim ein (von links) Michael Sauerland, Rainer Herwig, Ralf Hundertmark, Christian Meyer und Jürgen Koch. Und sie bleiben dabei: der Weg müsste entlang des Baches im Rautental (rechts im Bild) verlaufen. Neu asphaltiert werden müssten etwas 850 Meter der Strecke. Foto: Jürgen Vahle

Damit folgte der Rat dem Wunsch des Ortsbeirates Herlinghausen, der sich für diese Strecke ausgesprochen hatte. Das Verfahren und die Diskussionen um das Projekt hinterlassen bei dem Ortsgremium aber einen faden Beigeschmack. „Das wollen wir so nicht stehen lassen“, macht Ortsheimatpfleger Rainer Herwig deutlich.

Zeit spielt keine Rolle

Hintergrund: 350.000 Euro hat das Ingenieurbüro Volmer für Bau, Grunderwerb und Baunebenkosten der 1500 Meter langen Strecke zwischen Sportplatz Herlinghausen und Dalheim (Am Hohlweg) veranschlagt. Diese hohe Summe könne unmöglich allein aus dem Stadtetat bezahlt werden, waren sich alle Ratsfraktionen und der Ortsbeirat einig. Daher wurde zunächst eine Alternativstrecke geprüft, die entlang der K24 verläuft und dann über bestehende Wirtschaftswege einen steilen Berg hinab und vorbei am Hof Grote nach Dalheim geführt würde. Diese Alternativroute wurde aber wegen der vielen Steigungen (bis zu 15 Prozent) zu den Akten gelegt. Letztlich blieb es bei der Strecke durchs Rautental – trotz der immensen Kosten, den unsicheren Fördermöglichkeiten und dem damit weiter unbestimmten Baubeginn.

Das Dorfparlament ist mit dem Ergebnis einverstanden. „Wir hoffen seit 2001 auf den Bau des Weges. Wir warten gerne noch ein oder zwei Jahre, bis Fördergelder da sind“, sagt Michael Sauerland, Beisitzer im Ortsbeirat.

Dalheim bleibt skeptisch

Mit der Diskussion rund um diese Entscheidung ist der Ortsbeirat aber überhaupt nicht zufrieden. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Hubertus Kuhaupt hatte es als „Unverschämtheit“, bezeichnet, ein solch teures Projekt mit einem solchen Nachdruck durch einen Bürgerantrag zu fordern. Dalheims Ortsvorsteher André Flore und der Ortsbeirat des Nachbarortes hatten ebenfalls Bedenken. In Dalheim ärgert man sich darüber, dass der erneute Vorstoß aus Herlinghausen mit Dalheim nicht abgesprochen gewesen sei. Zudem seien in Dalheim Jugendliche von Tür zu Tür gelaufen, um Unterschriften für den neuen Radweg zu sammeln. „Auf Nachfrage konnten die Kinder nicht einmal sagen, worum es eigentlich geht“, wundert sich André Flore. Der Ortsvorsteher hält zudem die Alternativroute über bestehende Wirtschaftswege durchaus für realisierbar: „Auf dem Diemelradweg gibt es auch viele solche Steigungen.“ Für den kleinen Grenzverkehr gebe es einen Grasweg, der von Spaziergängern genutzt und der sicher auch mit Mountain- oder Trekkingrädern befahren werden könne. Flore bliebt dabei: „Eine dritte Verbindung zu bauen, ist sinnfrei.“

Von einer Unterschriftenaktion nichts gewusst

Das sehen die Nachbarn in Herlinghausen natürlich anders. Bereits 2001 habe der Ort das Vorhaben beim damaligen Bürgermeister Walter Hellmuth beantragt. Das sei an Grundstücksfragen gescheitert, berichtet Ortsheimatpfleger Rainer Herwig. Einen zweiten Antrag habe es 2006 gegeben, der aus dem gleichen Grund nicht weiter habe verfolgt werden können. Im Oktober 2018 sei nun der dritte Versuch gestartet und die Führung des geplanten Radwegs entlang des Baches verlegt worden. Rainer Herwig ist sich sicher, dass man bei dieser Route auch eine „Übereinstimmung mit den Grundstückseigentümern hinbekommt“.

Bürgermeister Michael Stickeln habe daher im Mai 2019 geraten, zügig einen Einzelantrag zu stellen und dies mit Unterschriften zu untermauern, um noch Zugriff auf auslaufende Förderprogramme für den Radwegebau zu wahren, berichten Vertreter des Ortsparlaments. Genau dieses empfohlene Vorgehen werde ihnen nun zum Vorwurf gemacht. Und von einer „Unverschämtheit“ könne bei einem derartig langen Vorlauf kaum die Rede sein. Eine Unterschriftenaktion in Dalheim habe der Ortsbeirat auch nicht initiiert.

Kein weiteres Porzellan zerschlagen

Weiteres Porzellan soll in der Sache aber nicht zerdeppert werden. Dem Herlinghausener Dorfrat geht es darum, noch einmal die Notwendigkeit des Weges zu betonen. Er verbinde Herlinghausen ohne größere Steigungen mit Dalheim und dem Diemelradweg, sei von Familien mit Kindern gut nutzbar und verlaufe entlang des Baches über eine Trasse, die ohnehin landwirtschaftlich nur eingeschränkt nutzbar sei. Von Herlinghausen aus gebe es für Radfahrer weitere Verbindungen nach Nordhessen und zu dem in der Planung befindlichen „Schmetterlingssteig“.

Auch die Baukosten sind nach Ansicht des Ortsparlaments relativ. Nach Abzug aller Fördermöglichkeiten blieben Kosten weit unter 100.000 Euro an der Stadt hängen, glaubt Ralf Hundertmark, Mitglied im Ortsbeirat. „Das müsste doch zu stemmen sein.“

Kommentar

Bei der Bundeswehr gibt es eine Regel: Bevor man sich über Kameraden beschwert, muss man 24 Stunden warten. Das hat die Dorfgemeinschaft Herlinghausen getan – und sich erst einige Tage nach der Ratssitzung zum Thema Radwegebau erklärt. Punkt für Punkt listet sie auf, wo sie wann mit wen und an welcher Stelle seit 2001 über den Radweg geredet hat. Es ist eine lange Liste. Aber vielleicht ist darauf noch Platz für eine letzte Zeile. Nach dem grundsätzlichen „Ja“ des Rates sieht es nämlich so aus, als müssten noch einige Gräben zugeworfen werden, die sich zwischen Herlinghausen, Dalheim, der CDU und der Spitze der Warburger Verwaltung aufgetan haben. Vielleicht treffen sich alle vor Ort zum Meinungsaustausch. Dann muss auch in Zukunft niemand zur Seite schauen, wenn man sich mal auf dem neuen Radweg beim Sonntagsausflug begegnet.Jürgen Vahle

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