Fachtagung am Hammerhof: Imker fordern schnellen Wandel zum Erhalt der Arten Bienen kämpfen ums Überleben

Warburg (WB). Dass es in Amerika überhaupt keine Bienen gibt und dass die einzigen Verwandten unserer heimischen Honigbringer in Afrika beheimatet sind, waren nur zwei Erkenntnisse der Info- und Fachtagung des Imkervereins Scherfede und Umgebung im Waldinformationszentrum Hammerhof in Warburg-Scherfede.

Die Akteure der Info- und Fachtagung im Waldinformationszentrum Hammerhof (von links): Dr. Winfried Michels, Jörg von der Reidt, Martina Varchmin, Rudolf Mönikes, Karolina Rupik und Podiumsmoderator Wolfgang Laudage.
Die Akteure der Info- und Fachtagung im Waldinformationszentrum Hammerhof (von links): Dr. Winfried Michels, Jörg von der Reidt, Martina Varchmin, Rudolf Mönikes, Karolina Rupik und Podiumsmoderator Wolfgang Laudage.

Vorsitzender Dr. Winfried Michels konnte im Auditorium des Zentrum nicht nur ein sachlich fundiertes Publikum begrüßen, sondern freute sich auch über ein volles Haus. Die Fragestellung der Veranstaltung lautete »Wildbiene vs. Honigbiene – Konkurrenz oder Koexistenz!?!«. Dabei stellte sich als Fazit heraus, dass beide Spezies das gleiche Problem haben: Sie kämpfen ums Überleben.

Martina Varchmin, Diplom-Biologin mit heimischen Wurzeln und Beauftragte des Umweltamtes Bielefeld als Beraterin für Hautflügler, spannte in ihrem Einführungsvortrag einen weiten Bogen und erläuterte, dass es weltweit neun Arten von Honigbienen gebe, davon acht allein in Asien. Honigbienen in der Obhut von Imkern gelten teils als domestiziert, teils als wild.

560 Wildbienen-Arten

Von der Spezies Wildbienen sind derzeit noch 560 Arten in Deutschland bekannt. Was die Imkerei in Deutschland betrifft, zeichnete die Expertin, die selbst als Hobbyimkerin tätig ist, ein durchaus positives Bild. Nach einer Hochzeit Mitte bis Ende der 90er Jahre und einem extremen Niedergang zwischen 2005 und 2013, versorgten heute wieder etwa 1,3 Millionen Imker insgesamt fast 900.000 Bienenvölker.

Dabei seien die Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung für Wild- und Honigbienen durchaus unterschiedlich. Beläuft sich das Sammelarsenal eines Honigbienenvolkes auf einen Flugradius von durchschnittlich 3,5 Kilometer, so sei für die Wildbienen eine Flugdistanz von 200 bis 300 Metern das äußerste der Möglichkeiten. »Ein großes Kornfeld«, so Martina Varchmin, »bedeutet für eine Wildbiene ein unüberwindliches Hindernis«. Überdies seien die Geschmäcker unterschiedlich. Wenn allerdings das Nahrungsangebot weiter stetig zurückgehe, werde der Kampf ums Überleben für beide Bienenarten existenziell.

Artgerechte Bepflanzung

Wenig Hoffnung auf kurzfristige Veränderung sahen auch die Experten des vom Scherfeder Journalisten Wolfgang Laudage moderierten Podiumsgesprächs. Jörg von der Reidt, Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung aus Aerzen bei Hameln, sieht kaum Möglichkeiten, seine Klientel bei der täglichen Gartengestaltung von den Belangen und Bedürfnissen der heimischen Bienen zu überzeugen. Der uniformierte Garten sei nach wie vor das angestrebte Ziel seiner Kundschaft. Der Wildbienenexperte aus Niedersachsen propagiert das System der kleinen Schritte, um eine lebenserforderliche Spezies zu erhalten. Er selbst sorgt natürlich für eine artgerechte Bepflanzung seines Gartens.

»In einer uniformierten Landschaft«, so machte Karolina Rupik, Doktorandin zum Thema »Ökologie der Wildbienen« an der Uni Bielefeld, deutlich, »werden allein rund 50 Prozent des vorhandenen Bodens von der Landwirtschaft genutzt«. Lediglich acht Prozent der Fläche stünden für Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt zur Verfügung. »Auch die so schön blühenden Feldränder, die die Landwirte so stolz daher zeigen«, so Jörg von der Reidt, »sind als Nahrung für unsere Bienen absolut ungeeignet.«

Kaum Futter für Wildbienen

Der Bienenexperte plädierte für die Ausbringung von Blumensorten, deren Samen zwar vielleicht etwas teurer seien, aber den Bienen dafür das Überleben sichere.

Und wenn man die Verfügbarkeit der vorhandenen Biomasse messe, so seien in der Landwirtschaft zwischenzeitlich etwa 50 Prozent auf Nimmerwiedersehen verschwunden, selbst in den heimischen Wäldern habe sich das Futter für Wildbienen um mehr als 40 Prozent verringert.

Hoffnung auf Fortbestand

Ein wenig Hoffnung verbreitete Rudolf Mönikes aus Brakel, Initiator und Betreiber des Projekts »Annenbiene der Nethestadt«. »Wir haben«, so Mönikes, »von einem Bauern 6000 Quadratmeter Ackerfläche gepachtet, diese parzelliert und dafür unter den Brakeler Bürgern Patenschaften eingeworben«. Im Frühjahr soll das dann eine bunte artgerechte Blumenwiese werden.

Vereinsvorsitzender Dr. Winfried Michels konnte die Zukunftsaussichten seiner Bienen nur mit Hoffnung sehen. Seine Bienenvölker, die er Sommer im neuen Bienenwagen am Hammerhof »geparkt« hatte, musste er trotz der extra angelegten Blumenwiese wieder nach Hause holen. »Sie wären sonst verhungert«, so der Hobbyimker aus Scherfede.

Unkraut anders bekämpfen

Die Bienenfreunde wollen ihre Hoffnung auf den Fortbestand der Bienen jedweder Spezies nicht aufgeben. Sie setzen dabei auf neue Methoden bei der Unkrautbekämpfung mit Pestiziden in der Landwirtschaft. Nur hier sei durch eine grundlegende Veränderung des Einsatzes auch eine nachhaltige Besserung der Situation zu erreichen.

»Eine Biene fliegt 60.000 Kilometer, um ein Kilo Honig zu erzeugen«, erläuterte Michels. Da bringe der Blumengarten seines Nachbarn übers Jahr gesehen vielleicht einen Teelöffel voll. Aber das sei doch besser als gar nichts.

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