Allergischen Schock: Große Anteilnahme an August Dierkes in Hohenwepel Familienvater liegt nach Insektenstich im Wachkoma

Warburg (WB). August Dierkes ist in Hohenwepel bekannt wie ein bunter Hund. Er ist Schütze, Fußballer und immer dabei, wenn irgendwo angepackt werden muss. Aber seit Ende August haben den 37-jährigen Familienvater nur wenige gesehen. Nach einem allergischen Schock liegt er im Wachkoma. Jetzt will das Dorf seiner Familie helfen. »Augy« soll wieder nach Hause.

Von Jürgen Vahle
Ein Bild aus glücklichen Tagen: August und Jennifer Dierkes zu Besuch in Hamburg. Jetzt liegt der 37-Jährige im Wachkoma. Seine Frau hat nur ein Ziel: Er soll wieder nach Hause kommen und dort gepflegt werden, bis es ihm womöglich irgendwann besser geht.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: August und Jennifer Dierkes zu Besuch in Hamburg. Jetzt liegt der 37-Jährige im Wachkoma. Seine Frau hat nur ein Ziel: Er soll wieder nach Hause kommen und dort gepflegt werden, bis es ihm womöglich irgendwann besser geht.

An die Stunden, die ihr Leben für immer verändert haben, kann sich Jennifer Dierkes noch genau erinnern. Es war der 29. August dieses Jahres. Am nächsten Tag sollte ihre Tochter Julie in Daseburg eingeschult werden. Alle waren mit den Vorbereitungen für die kleine Feier beschäftigt.

Allergischer Schock nach Insektenstich

Jennifer Dierkes fuhr mit Julie und dem kleinen Collin (2) nach Paderborn, um letzte Besorgungen zu machen. Papa August, genannt »Augy«, richtete derweil den Garten für die Feier her. »Er hat wohl Rasen gemäht und Fallobst unter einem Birnbaum entfernt. Aber genau weiß das niemand«, berichtet sie.

Plötzlich sei er bei seiner Mutter aufgetaucht, die im Untergeschoss ihres Hauses an der Northeimer Straße wohnt. »Mich hat etwas gestochen«, habe er noch gesagt. Kurz darauf sei er bewusstlos am Küchentisch zusammengebrochen. Ein allergischer Schock.

Lebensbedrohliche Situation

Seine Mutter reagierte schnell, eine Nachbarin, die vor ihrem Eintritt in den Ruhestand als Krankenschwester gearbeitet hat, und der Rettungsdienst wurden gerufen. August Dierkes wurde in die stabile Seitenlage gebracht, bis der Notarzt vor Ort war. Doch die Situation war bereits lebensbedrohlich. Der Maurer der Firma Nolte atmete nicht mehr, der Herzschlag war nur noch schwach. Mit Elektroschocks wurde er zurück ins Leben geholt. Aber die Minuten ohne Sauerstoff hatten Folgen.

Verlegung in die Neurologie nach Kassel

Zunächst wurde August Dierkes im Warburger Krankenhaus behandelt. Dort hofften die Ärzte, ihn nach zwei Tagen wieder aufwecken zu können. Doch das funktionierte nicht. Jennifer Dierkes schaltete vor lauter Not ihren Chef ein. Die 36-Jährige arbeitet als Sprechstundenhilfe bei Dr. Gerhard Wölfle in Borgentreich. Der riet, August Dierkes schnell in die Neurologie nach Kassel zu verlegen.

Nach drei Wochen dort wurde er schließlich in eine Spezialklinik nach Bad Wildungen gebracht. Erwacht ist er bis heute nicht. Er ist im so genannten Wachkoma, einem Zustand, bei dem niemand sagen kann, ob und was er an Reizen wahrnimmt. Und niemand weiß, wie groß seine Chancen sind. Auch die Ärzte nicht.

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»August reagiert, wenn man ihn anfasst. Wenn Freunde mit einer etwas lauteren Stimme am Krankenbett stehen, dann merkt er das auch.«

Jennifer Dierkes

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Für die junge Familie ist die Situation nahezu unerträglich, der blanke Horror. »Man funktioniert nur noch«. Aber die Familie gibt die Hoffnung nicht auf.

»August reagiert, wenn man ihn anfasst. Wenn Freunde mit einer etwas lauteren Stimme am Krankenbett stehen, dann merkt er das auch.«

Angst vor der Zukunft macht sich breit

Aber die Angst vor der Zukunft macht sich bei Jennifer Dierkes und den Kindern trotzdem breit: »Was soll aus uns werden? Wie geht es auch finanziell weiter?« Die Eheleute hatten noch so viel vor. Das Haus sollte umgebaut werden, die obere Etage für die Kinder und die untere für die Oma hergerichtet werden. All dies wird sich die Familie wohl nicht mehr leisten können. Jennifer Dierkes hofft nur, dass sie zumindest ein Stück des Mannes wiederbekommt, den sie liebt.

Ihr nächstes Ziel ist: »Er muss wieder nach Hause kommen.« Und dafür gibt es Pläne.

»Ich habe Anspruch darauf, dass mein Mann 24 Stunden gepflegt wird. Ins Heim geht er nicht«, gibt sich Jennifer Dierkes kämpferisch. Ein Zimmer im Erdgeschoss, derzeit ein geräumiger Abstellraum, soll für ihn als Krankenzimmer hergerichtet werden.

Familie gibt die Hoffnung nicht auf

»Dort könnte er in den Garten schauen und den Kindern beim Spielen zusehen«, sagt die 36-Jährige. Sie hofft, dass die Ruhe des eigenen Hauses und die positiven Reize der eigenen Familie dazu führen, dass sich sein Zustand bessert. »Ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Sonst wird man ja wahnsinnig«, sagt Jennifer Dierkes.

Weihnachtsmarkt und Spendenaktion

Das Schicksal der Familie Dierkes lässt in Hohenwepel niemanden kalt. Der Freundeskreis will etwas unternehmen, damit August Dierkes wieder nach Hause kann. Die Idee: Der Weihnachtsmarkt in Hohenwepel, der eigentlich in diesem Jahr ausfallen sollte, wird doch organisiert – und viele aus dem Dorf sind mit dabei. Am Sonntag, 8. Dezember, locken von 14.30 Uhr an verschiedene Stände in die Schützenhalle, es gibt eine Tombola, Weihnachtsbäume werden versteigert und der Nikolaus wird erwartet.

Der Erlös soll der Familie Dierkes zugute kommen, damit der kostspielige Umbau des Hauses bezahlt werden kann. All dies macht August Dierkes nicht gesund – aber es hilft der Familie, mit dem Schicksalsschlag besser umzugehen, hoffen die Freunde. Weitere Informationen zu den Aktionen gibt Nicole Ulrich unter der E-Mail-Adresse nicole.ulrich2@aol.com . Ein Spendenkonto ist zudem bei der Sparkasse eingerichtet worden: DE 14472515500025710567.

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