Satirischer Jahresrückblick von Bernd Gieseking am 15. Dezember
»Sticheln ist ein Wesenszug«

Warburg/Wolfhagen (WB). Eine rasante Achterbahnfahrt durch Peinlichkeiten und Höhepunkte der vergangenen zwölf Monate präsentiert Bernd Gieseking in seinem satirischen Jahresrückblick »Ab dafür!«. Im Vorfeld seines Auftritts am Sonntag, 15. Dezember, um 19 Uhr im Kulturladen Wolfhagen sprach Alice Koch mit ihm über bedeutende Ereignisse und peinliche Momente.

Freitag, 08.11.2019, 14:01 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 14:10 Uhr
Bernd Gieseking ist mit seinem satirischen Jahresrückblick »Ab dafür!« am 15. Dezember, ab 19 Uhr im Kulturladen Wolfhagen zu Gast. Foto: Thomas Rosenthal

Welches waren aus Ihrer Sicht die drei satirisch bedeutendsten Ereignisse in diesem Jahr?

Ich habe da eher eine Top Ten. Daraus nehme ich drei, aber ohne Platzierungen: Die horrenden Verträge mit der Maut, die Verkehrsminister Scheuer abgeschlossen hast, der große Zapfenstreich für Frau von der Leyen, bei der Amtsnachfolgerin Kramp-Karrenbauer von der Nationalhymne so überrascht wurde, dass sie nicht mitsang. Überhaupt die CDU, die sich gerade selber zerlegt, wie die SPD es fast schon hinter sich hat. Friedrich Merz und Roland Koch als Walking Dead, Wiedergänger.

 

Wie heißt Ihr Gewinner des Jahres 2019 und warum?

Eindeutig Greta und die Bewegung Fridays for Future: Kinder, die uns endlich zum Denken und teils sogar zum Handeln gebracht haben

 

Zwölf Monate sind eine lange Zeit, in der viel passiert. Wie können Sie sich das alles merken?

Ich stapele Zeitungen um mich herum, die ich am Jahresende wieder hervorhole und durcharbeite. Dazu kommen jede Menge Notizen aus meinem kleinen Notizbuch, dass ich immer bei mir trage. Und auch aus meinen regelmäßigen Kolumnen für die TAZ und HR 1 kann ich immer wieder schöpfen.

 

Jedes Jahr ein neuer Jahresrückblick. Achten Sie darauf, dass nicht immer das gleiche »Personal« im Mittelpunkt des Programms steht?

 Der Kabarettist kann nur nehmen, was angeboten wird. Es macht natürlich Spaß, auch die verborgenen Schätze zu heben, aber am Grundpersonal kommt man nicht vorbei. Das wechselt zu wenig und bleibt meist sehr lange.

 

Was muss ein Mensch, ein Politiker tun, um es in Ihren Jahresrückblick zu schaffen?

 Er muss einfach nur etwas besonders Dummes, Peinliches, Verantwortungsloses oder Wahnsinniges tun, sagen, fordern oder verantworten. Schon ist er dabei! (lacht)

 

»Ab dafür!» ist eine rasante Achterbahnfahrt durch Peinlichkeiten und Höhepunkte der vergangenen zwölf Monate. Was war Ihre peinlichste Situation in diesem Jahr?

Meine persönliche? Die hab ich verdrängt. (lacht) Na gut, beim Waldspaziergang im Deister war ich absolut überzeugt davon, den richtigen Weg zu wissen, musste dann aber nach einigem Umweg der Meinen sagen: »Ja, du hattest recht!«

 

Und Ihr persönliches Highlight?

Meine fünf-wöchige Finnland-Reise bis hoch nach Lappland, mit intensiven Momenten, tollen Begegnungen und dieser fantastischen Natur. Und ich habe neue finnische Sportarten beobachten können: Hobby Horsing, Steckenpferd-Reiten und Watercross: mit Schneemobilen auf Flüssen fahren, aber im Sommer, auf dem Wasser!

 

Sie sind bekannt dafür, dass Sie die kleinen menschlichen Schwächen aufs Korn nehmen. Sticheln Sie privat auch gerne mal?

Klar! (lacht) Das ist ja eher ein Wesenszug. Aber meine Freunde sticheln zurück.

 

Sie sind als »Urvater des Jahresrückblicks« bekannt und damit seit mehr als 25 Jahren erfolgreich auf Tour. Haben Sie Tipps für Nachwuchs-Kabarettisten?

Viele Bühnenkünstlerinnen und -künstler live anschauen und sich begeistern und damit inspirieren lassen von dieser Kunstform! Dazu gehört für mich aber auch, sich mit dem Werk der längst nicht mehr aktiven oder auch verstorbenen Kollegen wie Dieter Hildebrandt, Hanns-Dieter Hüsch, Gert Fröbe oder Werner Finck zu befassen, also nach den Wurzeln zu schauen.

 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

(lacht) Ich mache ja keinen »Karriereplan«. In unserem Feld ist Erfolg nicht planbar, der wird entschieden vom Publikum. Ich würde gerne den aktuellen Status halten und weiter zwischen meinen Bühnenauftritten und dem Schreiben von Büchern, Kolumnen und Kindertexten wechseln, also wie bisher im Winter viel auf Tour sein und in den Sommermonaten eher schreiben. Und das auch noch in zehn oder mehr Jahren!

Karten für die Veranstaltung gibt es im Vorverkauf beim WESTFALEN-BLATT, Kalandstraße 17, am Warburger Neustadtmarkt.

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