Erwin Dübbert (61) will die Lücke in der Warburg-Ossendorfer Ortschronik schließen
Geschichte zum Stöbern und Nachlesen

Warburg (WB). Um einen Blick in die Vergangenheit werfen zu können, taucht der Besucher zunächst tief ein in eine verschachtelte Welt: Um in das Dorfarchiv von Warburg-Ossendorf zu gelangen, muss er zunächst einen Klassenraum, einen dahinter liegenden PC-Raum und anschließend die alte Küche der Grundschule durchqueren, bis er dann vor der Tür des Archivs steht, die ihm Ortschronist Erwin Dübbert öffnet. Hier ist sein Reich.

Dienstag, 05.11.2019, 08:19 Uhr
Erst ab dem Jahr 1996 führt Erwin Dübbert die Ortschronik von Warburg-Ossendorf wieder weiter, welche inzwischen fast 50 Sammelbände umfasst. In der Grundschule wurde auf einer Fläche von 16 Quadratmetern das Dorfarchiv eingerichtet. Foto: Ralf Benner

Auf einer Fläche von etwa 16 Quadratmetern finden sich in dem kleinen Raum, sorgsam zwischen Aktendeckeln und in Schrankregalen verwahrt, die Zeugnisse der Ortsgeschichte: Fotoalben, Landkarten, Videofilme, Dias, Schautafeln, Fachbücher und alte Schulunterlagen. Seit 1996, mittlerweile also seit fast einem Vierteljahrhundert, ist Dübbert der Ortschronist und Geschichtsschreiber des Dorfes.

Zeugen der Vergangenheit sammeln

Der heute 61-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Zeugen der Vergangenheit zu sammeln, zu archivieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. »Ich mache das nicht für mich, sondern für die Nachwelt«, sagt Dübbert bescheiden. Er ist froh darüber, dass in der Schule das Dorfarchiv eingerichtet werden konnte.

Etwa fünf Stunden im Monat verbringt der Verwaltungsleiter des Erzbischöflichen Kinderheims in Paderborn in diesem Raum, um Unterlagen zu sichten und zu schreiben. »Ich komme aus dem Dorf, bin hier geboren. Diese Verbundenheit braucht man als Geschichtsschreiber«, sagt er.

Chronik wird seit 1996 weitergeführt

Erwin Dübbert ist Verfasser der Ossendorfer Schriftenreihe und der Heimatblätter, die in loser Folge erscheinen. Seit 1996 führt er auch die Ortschronik wieder weiter, welche halbjährlich erscheint und inzwischen fast 50 Sammelbände umfasst. Aktuell arbeitet Dübbert, der seit 2001 auch Ortsheimatpfleger ist, an Band 50.

Ein Thema darin wird auch die Schlacht am Heinberg sein, die am 31. Juli 1760 während des Siebenjährigen Krieges tobte. Deutsche und britische Truppen siegten damals vereint gegen ein französisches Heer. Vier Kanonenkugeln aus dieser Schlacht bewahrt Erwin Dübbert im Dorfarchiv auf.

Vor allem Geistliche hatten das Amt inne

Mit der Geschichte der Ortschronisten von Ossendorf hat sich Dübbert jetzt ebenfalls befasst und folgenden Artikel dazu verfasst: »Ein edles und aufgeklärtes Volk wird stets darauf halten, dass es den ihm zukommenden Platz in der Geschichte behaupte« – mit diesen Worten beginnt die Verordnung und Bekanntmachung zum Führen einer Ortschronik der königlich-preußischen Regierung in Minden im Dezember 1817.

In Ossendorf gab es schon lange vor der Verkündung dieser Verordnung Chronisten. In erster Linie waren es Geistliche, die neben den kirchlichen Geburts- und Sterberegiestern auch vielfach Ereignisse und Begebenheiten aus dem Dorfleben aufzeichneten.

Pfarrer war der erste Dorfchronist

Als erster Ossendorfer Chronist hat sich der von 1696 bis 1725 in Ossendorf wirkende Pfarrer Johannes Martinus Blömeken betätigt. Pfarrer Blömeken hat in einem »Lagerbuch« über Einkünfte der beiden Orte Ossendorf und Nörde zahlreiche historische Eintragungen gemacht.

Manchmal holten sich die Ossendorfer auch »ärztlichen Rat« von ihm. So stehen in seinem Lagerbuch auch Rezepte gegen Koliken, Podagra, Flechten und andere Krankheiten. Blömeken starb im Alter von 57 Jahren nach 29-jähriger seelsorgerischer Tätigkeit und wurde in der Sakristei der alten Ossendorfer Pfarrkirche beigesetzt.

Anton Wilhelm Plass wichtigster Heimatforscher

Als ein weiterer Chronist darf Pfarrer Anton Floren gelten. Er wurde geboren am 17. Januar 1871 in Ossendorf als Sohn des Landwirtes Floren, Nörderstraße. Zum Priester geweiht wurde er am 17. August 1894 in Paderborn. Er verstarb am 30. Januar 1933 als Pfarrer in Essentho. Er liegt begraben auf dem Ossendorfer Friedhof.

Der gewiss bedeutendste Chronist und Heimatforscher ist Anton Wilhelm Plass. Er wurde am 10. November 1899 in Paderborn geboren. Er begann, Lehramt zu studieren, musste das Studium jedoch wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. 1921 legte er die Lehrerprüfung ab. lm August 1931 kam Plass nach Ossendorf. Erneute unterbrach ein Krieg seine Tätigkeit als Lehrer.

Lücke von 1980 bis 1996 schließen

Vom 1. Oktober 1947 bis zur seiner Pensionierung am 31. Mai 1965 war Plass Hauptlehrer an der Volksschule. Er hat neben der Schulchronik auch das Ossendorfer Heimatbuch geschrieben und 1966 veröffentlicht. Mit dieser Veröffentlichung hat sich Plass ein Denkmal gesetzt; das Buch ist noch heute Grundlage vieler Veröffentlichungen.

Zwischen 1950 und 1978 war Kreisamtmann August Thonemann als Ortschronist tätig. Anfangs noch mit der Hand, danach mit der Schreibmaschine, hat er die Ereignisse des dörflichen Lebens aufgezeichnet. Für nahezu zwei Jahrzehnte brechen dann die schriftlichen Aufzeichnungen ab. Diese Jahrzehnte – von 1980 bis 1996 – will Dübbert nun in seinem Jubiläumsband zur Dorfchronik aufarbeiten, die Lücke schließen.

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