180 Jahre Casino-Gesellschaft Warburg
Zwischen Wein und Genuss

Warburg (WB/sis). Roulette oder Black Jack? Wer den Begriff Casino-Gesellschaft hört, denkt zunächst ans Glückspiel. Doch davon sind die Mitglieder – 180 Jahre nach der Gründung ihres Vereins – weit entfernt. Den 44 Mitgliedern der Warburger Casino-Gesellschaft geht es eher darum, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen und Sehenswürdigkeiten oder auch bekannte betriebliche Einrichtungen kennen zu lernen.

Dienstag, 08.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 14:58 Uhr
Auch nach 180 Jahren bewegter Stadtgeschichte und dem Überstehen zweier Weltkriege ist die Casino-Gesellschaft noch lebendig. Viermal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu Ausflügen oder anderen Aktivitäten. Dieses Bild zeigt die Vorsitzende Helga Scheel (9. von links) und die zweite Vorsitzende Jeanette König-Abresch (11. von links) mit Mitgliedern und Gästen beim Ausflug zum Schloss Berlepsch.

Theologen, Juristen, Mediziner, Kaufleute, Gutsbesitzer und höhere Beamte – kurzum die oberen Zehntausend – gehörten im Jahr 1839 zu den anfangs 40 Mitgliedern der Gesellschaft. Allesamt Männer. Die Casino-Gesellschaft – entstanden aus dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstarkenden Bürgertum – wurde mit dem Daseinszweck gegründet, »ihren Mitgliedern im Kreise gleichgesinnter Personen Erholung durch den Genuss erlaubter Lebensfreude zu verschaffen«. Ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt, dass die Gesellschaft damit eine Marktlücke fand, denn das gesellschaftliche Leben Warburgs gab vor 180 Jahren ansonsten nicht viel her. Die Casino-Gesellschaft besaß zwar nie eigene Räumlichkeiten, mietete sich aber im Laufe der Jahre bei verschiedenen Gastwirten ein – zuletzt ab 1892 im Hotel »Zum Desenberg«. In diesen Räumen trafen sich die Mitglieder täglich.

Rauschende Bälle und Ausflüge

Mehrere überregionale Tageszeitungen waren abonniert. »Bereits 1842 verfügte die Gesellschaft über zwei eigene Kegelbahnen und ein Klavier. 1878 kam ein Billardtisch hinzu. Rauschende Bälle wechselten sich mit Ausflügen in die nähere Umgebung ab«, berichtet die Vorsitzende Helga Scheel. Es wurde musiziert, Theater gespielt und gesungen – zum Beispiel die beiden eigenen Casinolieder.

Das besondere Markenzeichen der Gesellschaft war ihr eigener Weinkeller. Aus den Schriftstücken aus der Vergangenheit wird deutlich, dass offenbar kein Wirt in Warburg in der Lage war, die edlen Tropfen für die verwöhnten Gaumen der Mitglieder herbeizuschaffen, oder sie waren ganz einfach zu teuer. Der Weinkeller umfasste exquisite Sorten aus dem In- und Ausland, die der Wirt gegen ein Korkengeld kredenzte.

1853 gründete sich ein Verein im Verein – ein Ordensverein. Wer mit einem Orden dekoriert wurde, war verpflichtet, so heißt es in den Vereinsprotokollen, »den übrigen Mitgliedern zwei Bowlen zu spendieren, von denen jede mindestens zwei Flaschen Champagner und zehn Flaschen Wein enthalten musste.«

1939 brachte für die Gesellschaft das vorläufige Aus

Die Jahre zwischen 1890 und 1914, als der Erste Weltkrieg die Welt verdüsterte, stellten die Glanzzeit des gesellschaftlichen Lebens der Warburger Casino-Gesellschaft dar. Der Erste Weltkrieg konnte das Casino-Leben nicht zum Erliegen bringen, es stagnierte nur etwas. 1929 wurde das 90-jährige Bestehen zünftig gefeiert. Erst das Jahr 1939 brachte für die Gesellschaft das vorläufige Aus. Das 100-jährige Bestehen wurde wegen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr feierlich begangen. Bis zum Jahr 1948 fanden auch keinerlei Veranstaltungen statt.

Erst ab diesem Zeitpunkt fanden sich einige Mitglieder wieder zusammen, um das Casino-Leben wieder aufzubauen. Doch das Vereinsleben war keinesfalls mit früheren Zeiten vergleichbar. Erst 1964 erreichte die Mitgliederzahl den Vorkriegsstand von 60 Personen.

Frauen sind seit 1994 vollwertige Mitglieder

Heute sind es 44 Mitglieder – Frauen sind seit 1994 vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Die Zahl der jährlichen Veranstaltungen ist auf vier reduziert worden. Im Anschluss an die Generalversammlung zu Beginn eines neuen Jahres folgt ein gemeinsames Grünkohlessen, zwei Ausflüge – darunter Betriebsbesichtigungen oder Museumsbesuche – zählen zum Jahresprogramm, das im November mit einem Gänseessen endet.

Die Vorsitzende Helga Scheel und die zweite Vorsitzende Jeanette König-Abresch führen die Casino-Gesellschaft heute und laden zu den Veranstaltungen ein. Nach Auskunft von König-Abresch seien Gäste und neue Mitglieder der Casino-Gesellschaft willkommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6985704?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Alm-Auftrieb nach klaren Regeln
Krisenstableiter Ingo Nürnberger (links) und Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek erläutern das Hygiene-Konzept. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker