Partner unterzeichnen in Höxter Kooperationsvertrag für Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin
Junge Landärzte für die Region gewinnen

Kreis Höxter (WB). Bis Hausarztpraxen leer stehen, will Landrat Friedhelm Spieker nicht warten. Deshalb ergreift der Kreis Höxter vorausschauend die Initiative und ruft mit dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin eine konzertierte Gemeinschaftsoffensive zur Gewinnung von Landärzten für die Region ins Leben. Das Projekt ist jetzt gestartet.

Donnerstag, 03.10.2019, 17:00 Uhr
Unterzeichnen im Kreishaus in Höxter den Kooperationsvertrag: Dr. Gerhard Wölfle (Hausarzt, Borgentreich, vorne von links), Dr. Markus Wrenger (Chefarzt Caspar-Heinrich-Klinik Bad Driburg), Dr. Regina Beverungen (Hausärztin, Lüchtringen), Caroline Fechner (hinten von links, Projektkoordinatorin Kreis Höxter), Christian Jostes (Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser Egge, KHWE), Christiane Kirchartz, Bettina Köhler (beide Ärztekammer Westfalen-Lippe), Landrat Friedhelm Spieker, Dr. Ute Happe (Brakel, Hausärztin), Dr. Volker Seifarth (Geschäftsführer des Helios-Klinikums Warburg) und Dr. Ludger Wesche (Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Helios-Klinikums). Foto: Sabine Robrecht

Hausärzte, Krankenhäuser, die Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kreis Höxter haben am Mittwoch mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags den Grundstein für den Weiterbildungsverbund gelegt. Gemeinsam stehen die Partner Studienabsolventen zur Seite, die die Approbation in der Tasche haben und Hausarzt werden wollen. Vor ihnen liegt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. »Diese jungen Menschen können sich an uns wenden. Sie bekommen von uns das Rüstzeug an die Hand, um ihre Karriere zu planen. Auch begleiten wir sie durch die fünf Jahre Weiterbildung«, signalisiert Dr. Regina Beverungen, Hausärztin in Lüchtringen und Mitglied des neuen Kooperationsnetzwerks.

Kliniken bieten breit gestaltete Ausbildung an

Die beteiligten Kliniken in der Region – die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE), das Helios-Klinikum Warburg und die Gräflichen Kliniken Bad Driburg – bieten für die angehenden Allgemeinmediziner eine qualifizierte und breit gestaltete Krankenhaus-Ausbildung an. Diese dauert mindestens drei Jahre. Nächste Station ist dann eine der Hausarztpraxen in der Region. Bei der Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner sind also zwei verschiedene Arbeitgeber beteiligt. »Trotzdem können junge Mediziner im Kreis Höxter von Anfang an ihre Karriere über beide Stationen planen. Das setzt bei den Weiterbildungspartnern ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft voraus«, erläutert Dr. Ronald Woltering, Leiter des Fachbereichs Gesundheits- und Veterinärwesen beim Kreis Höxter.

Beteiligte bringen Kooperationsbereitschaft ein

Diese Kooperationsbereitschaft bringen die Projektbeteiligten ein. Gewürdigt wird die Zusammenarbeit auch von der Ärztekammer, die den Weiterbildungsverbund nach Kräften unterstützt. »Die Allgemeinmedizin liegt uns am Herzen«, zeigt Bettina Köhler, Ressortleiterin Aus- und Weiterbildung, für das Netzwerk im Kreis Höxter Flagge.

Dass es insgesamt um den Hausärzte-Nachwuchs nicht unbedingt schlecht bestellt ist, untermauert sie mit Zahlen: In Westfalen-Lippe sei die Zahl der Allgemeinmediziner nach der Facharztprüfung von 80 auf 120 pro Jahr gestiegen.

Partner setzen auf den Klebe-Effekt

Dr. Regina Beverungen ist ebenfalls optimistisch. »30 Prozent aller Studierenden möchten freiwillig in die Allgemeinmedizin gehen.« Diesen »uns wohlgesonnenen Nachwuchs« gelte es nun für den Kreis Höxter zu gewinnen. Genau das möchte das Weiterbildungsnetzwerk erreichen.

Die Partner setzen hier, so die Lüchtringer Hausärztin, auf den so genannten Klebe-Effekt: »Die jungen Mediziner verbringen fünf Jahre Facharztausbildung im Kreis Höxter. Wir hoffen, dass sie dann bleiben, weil sie sehen, wie schön es hier ist.«

Die hausärztliche Versorgung ist für die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum elementar.

Landrat Friedhelm Spieker

Den Hebel angesetzt haben die Beteiligten nicht aus der Not heraus, sondern in weiser Voraussicht: In der Region ist jeder dritte Hausarzt derzeit über 60 Jahre alt. Wenn diese Landärzte dann 65 sind, »stehen hoffentlich die ersten jungen Allgemeinmediziner, die wir mit dem Weiterbildungsverbund gewonnen haben, in den Startlöchern«, schaut Landrat Friedhelm Spieker hoffnungsvoll nach vorne.

Ihm ist daran gelegen, für die ländlichen Regionen annähernd gleiche Lebensverhältnisse wie in den Städten zu schaffen. »Die hausärztliche Versorgung ist für die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum elementar.« Deshalb freut es ihn so, dass die Kooperationspartner aus Praxen und Kliniken und auch die Ärztekammer die Zukunftsinitiative unterstützen.

Schöner Beruf

Warum es sich lohnt, Hausarzt zu werden, beantwortet Regina Beverungen mit einem gewinnenden Lächeln: »Weil es der schönste Beruf ist, den es gibt. Man hat mit Menschen zu tun und kann helfen.« Dr. Gerhard Wölfle aus Borgentreich unterstützt dieses Plädoyer: »Man hat vom Säugling bis zum Greis ein breites Behandlungsspektrum. Es ein anstrengender, aber schöner Beruf. Man kommt mit den Patienten ins Gespräch und freut sich, wenn ein Patient ›Danke‹ sagt.«

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