Kommentar zur Rückkehr des WAR-Kennzeichens
Das WAR was

Die Autofahrer im Warburger Land können das WAR-Kennzeichen wieder an ihren Fahrzeugen anbringen lassen. Der Höxteraner Kreistag konnte nicht anders, als zur Freude vieler Menschen im Altkreis das Kennzeichen im dritten Anlauf nach 2012 und 2015 wieder einzuführen. Wer in der Oktoberwoche mit offenen Ohren durch die Stadt geht, gewinnt schnell den Eindruck, dass es hier eine Mehrheit für WAR gibt. Dem konnte sich der Kreistag nicht verschließen, ohne als bürgerfern wahrgenommen zu werden.

Mittwoch, 02.10.2019, 11:46 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 11:50 Uhr
Das WAR-Kennzeichen ist zurück. Jeder Bürger des Kreises Höxter kann es an sein Auto anbringen. Foto: Daniel Lüns

Die denkwürdige Entscheidung des Kreistages erfüllt die WAR-Befürworter mit großer Freude. Für sie geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Das WAR-Kennzeichen ist zudem das Tüpfelchen auf dem »i« dieser Oktoberwoche. Die Wiedereinführung des Nummernschildes dürfte technisch und organisatorisch sicherlich unproblematisch sein. Durch die Umkennzeichnungen wird es zwar zu einem erhöhten Arbeitsaufkommen in der Warburger Zulassungsstelle kommen. Dem steht aber ein erhöhtes Gebührenaufkommen gegenüber.

Der Grundsatz »Ein Kreis – ein Kennzeichen«, den Landrat Friedhelm Spieker und viele Kreispolitiker aus Angst, die filigrane Kreis-Höxter-Identität könnte möglicherweise beschädigt werden, immer vertreten haben, war schon vor dem Beschluss des Kreistages überholt. Wer zum Beispiel von Ibbenbüren im Kreis Steinfurt (Tecklenburger Land) nach Warburg zieht, darf ST, BF oder TE behalten. Insofern müssen in den Straßenverkehrsämtern bereits heute mehrere Kennzeichen verwaltet werden. Und die Warburger, Borgentreicher und Willebadessener fragten sich daher völlig zu recht: »Warum geht das mit den Altkennzeichen eigentlich anderswo – nur bei uns nicht?«

Als bei der Gebietsreform 1975 die Altkreise Höxter und Warburg zu einem Kreis verschmolzen wurden, beherrschten Animositäten zwischen Nord- und Südkreis viele Jahre das Geschehen auf Kreisebene. Das alles gehört zum Glück längst der Vergangenheit an. Heute kann festgestellt werden, dass der Kreis Höxter eine gut funktionierende Verwaltungseinheit ist. Eine Kreis-Höxter-Identität hat sich jedoch nicht eingestellt – so sehr sich Kreispolitiker und Landräte das auch gewünscht haben.

Es ging bei der Entscheidung des Kreistages nicht darum, den Kreis Warburg wieder auferstehen zu lassen. Vielmehr soll und kann es im Kreis Höxter nun zwei Kennzeichen geben: HX und WAR. So kann auch das Warburger Land als starke und durchaus sehr homogene Region für sich als Standort werben. Und davor braucht nun wirklich niemand Angst zu haben.

Als Schicksalsfrage für den Kreis Höxter wird das Thema im Kreistag längst nicht mehr gesehen. Mehr und mehr hat sich dagegen eine pragmatische Haltung breit gemacht, insbesondere innerhalb der CDU. Denn abseits jeder Überzeugung hatte so mancher Kreispolitiker vor allem die Sorge, dass ihn das leidige Kennzeichenthema vor der anstehenden Kommunalwahl im nächsten Jahr weiter verfolgen würde oder auch die Amtszeit eines neu gewählten Landrates belasten könnte – weil die aufmüpfigen Bürger aus dem »kleinen gallischen Dorf« im Südkreis eben keine Ruhe geben würden. Das strittige Thema sollte daher ganz bewusst aus dem Wahlkampf heraus gehalten werden.

Insofern ist die nun beschlossene Wiedereinführung des Altkennzeichens – ausgerechnet und sicherlich nicht zufällig während der Oktoberwoche – in gewisser Weise auch ein Vertrauensbeweis für Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln. Stickeln, den viele gern als zukünftigen Landrat im Höxteraner Kreishaus sehen würden, hatte sich – nach anfänglichem Zögern – ebenso wie der Warburger Rat klar für WAR ausgesprochen. Er könnte nun unbelastet von diesem Thema seinen Hut als Landratskandidat in den Ring werfen. Ob Amtsinhaber Friedhelm Spieker noch einmal antreten wird, ist allerdings derzeit noch offen.

Kommentare

Michael Deppe  wrote: 04.10.2019 15:25
Überflüssig
Eine überflüssige Entscheidung, die an Kleinststaaterei erinnert. Der nächste Schritt könnte sein, die Ortsteile, also ehemaligen eigenständigen Gemeinden, mit einem jewiligen Kennzeichen zu versehen. Ade, gemeinsames Kulturland Kreis Höxter. Da hätte ich von den Kreistagsmitgliedern mehr Weitblick erwartet.
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