IHK-Herbstumfrage: Lage im Kreis Höxter zeigt sich relativ robust
»Handel steckt tief im Strukturwandel«

Warburg (WB). Die Wirtschaft im Kreis Höxter befindet sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen in einer relativ guten Lage. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) in ihrer aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage.

Dienstag, 01.10.2019, 11:23 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 11:26 Uhr
Die Wirtschaft im Kreis Höxter zeigt sich krisenfester als in anderen Regionen. Entsprechende Zahlen haben IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke, IHK-Vizepräsident Frank Dierkes und die stv. IHK-Geschäftsführerin Dr. Claudia Auinger präsentiert. Foto: Jürgen Vahle

105 Firmen mit mehr als 8400 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistung haben sich daran beteiligten. Die Umfrage, die im August vorgenommen worden ist, ist ein Indikator für die zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung und zeigt zudem ein aktuelles Stimmungsbild aus den Firmen.

Sehr gute Ausgangslage

Der Stimmungs-Abwärtstrend, der bei den Unternehmen seit dem Frühjahr zu beobachten sei, habe sich auch zum Herbst fortgesetzt, »auch wenn die Wirtschaftslage im Kreisgebiet weiterhin auf einem relativ guten Niveau ist«, berichtet IHK-Vizepräsident Frank Dierkes bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Warburg. »Die meisten Firmen stehen noch ganz schön auf dem Gas«, berichtet der Chef von »PRG« (Anton-Böhlen-Straße). Die Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Lage und Zukunftsaussichten basiere also auf einer sehr guten Ausgangslage.

Krisenfester als andere

»Der Kreis Höxter ist in der Summe deutlich krisenfester als andere. Das liegt an der Struktur mit einem starken Branchenmix und der geringeren Abhängigkeit von Exporten«, analysiert auch IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke, den die Werte auch im Vergleich zum Nachbarkreis Paderborn schon etwas überrascht haben. An der Pader sehen die Erwartungen der Betriebe deutlich düsterer aus.

Fachkräfte fehlen

Einen Haupt-Risikofaktor für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sieht Frank Dierkes im Fachkräftemangel. Der führe im übrigen auch dazu, dass Unternehmen nur noch im äußersten Notfall qualifiziertes Personal abbauen. »Sind diese Mitarbeiter einmal weg und es läuft wieder besser, bekommt man sie womöglich so schnell nicht wieder«, berichtet Frank Dierkes. Daher werde oft das Mittel der Kurzarbeit gewählt – wie zuletzt bei Arntz Optibelt in Höxter.

Der Handel hat Probleme

Der so genannte »Konjunkturklimaindikator«, der die Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, liegt sowohl bei der Industrie, als auch im Handel und bei den Dienstleistern, erläuterte Dierkes. Der Wert für die Industrie und die Dienstleister sei annähernd gleich geblieben. Der Handel schätzt seine Situation allerdings ganz anders ein: Gegenüber hervorragenden 132 Punkten aus dem Herbst 2018 ist der »Konjunkturklimaindikator« auf aktuell nur noch 101 Punkte gefallen.

Starke Online-Konkurrenz

Die starke Online-Konkurrenz sehen viele Einzelhändler immer mehr als Gefahr für ihr Unternehmen an. »Das ist nicht sehr beruhigend für die Situation in den Innenstädten«, macht Jürgen Behlke deutlich. 80 Prozent der Käufe, die in den Innenstädten getätigt würden, seien im Internet vorbereitet worden, berichtet auch die stv. IHK-Geschäftsführerin Dr. Claudia Auinger. Der stationäre Einzelhandel habe das auch schon erkannt. Die IHK bietet Hilfe an und will auch im Kreis Höxter in Zukunft entsprechende Seminare organisieren.

Einkaufen als Erlebnis

Den Einzelhändlern rät Auinger, den Einkauf als Erlebnis zu bewerben, die Servicestärke zu zeigen und natürlich auch selbst digitaler zu werden. »Im stationären Einzelhandel erleben wir derzeit einen echten Strukturwandel. Und die Händler brauchen eine Strategie«, sagt Jürgen Behlke.

Auftragsbücher sind voll

Ein gutes Drittel der Industriefirmen im Kreis Höxter (36 Prozent) betrachtet ihre momentane Geschäftslage als gut, bei den Dienstleistern sind es 43 Prozent und beim Handel 24 Prozent. Die recht gute Einschätzung der Geschäftslage in der Industrie spiegele auch die momentane Produktionsauslastung wider: Fast die Hälfte der Firmen berichten über eine 95-Prozent-Auslastung. Trotz dieser positiven Situation gehen immerhin weitere 25 Prozent von einer nochmaligen Verbesserung ihrer Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten aus.

Mehr Beschäftigte

Der Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes im Kreis Höxter lag in der ersten Hälfte des Jahres 2019 nach IHK-Angaben mit 961 Millionen Euro um 1,9 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, berichtete IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke, und erläuterte: »Damit hat die Industrie im Kreis Höxter ihren Umsatzgewinn des Vorjahres wieder knapp verloren.« Im gesamten IHK-Bezirk blieb der Industrieumsatz mit knapp 26 Milliarden Euro nahezu konstant.

Bei den Beschäftigtenzahlen stehe der Kreis Höxter mit einem Anstieg von 1,3 Prozent gut da. Bei der Arbeitslosenquote von derzeit unter 4 Prozent sprechen die Volkswirtschaftler von einer Vollbeschäftigung.

Die Exporte der Industrieunternehmen im Kreis Höxter sanken allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um -2,6 Prozent (Ostwestfalen: +1,1 Prozent, NRW: -1,0 Prozent).

Bürokratie abbauen

»Die Wirtschaft im Kreis Höxter ist zwar gut aufgestellt, aber mit Blick auf die von den Unternehmen angeführten Risiken sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die deutsche und damit auch die ostwestfälische Wirtschaft zu unterstützen«, sagt Jürgen Behlke. Er fordert die Verminderung des bürokratischen Aufwands für die Unternehmen, aber auch eine weitsichtige Klima- und Energiepolitik, die die Unternehmen nicht über Gebühr belaste. »Zum Risiko Fachkräftemangel erwarte die Wirtschaft von Politik und Gesellschaft das klare Bekenntnis zur dualen Ausbildung«, berichtet Jürgen Behlke.

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