Pianistin Elena Bashkirova gibt ein denkwürdiges Meisterkonzert
Herzen des Publikums im Sturm erobert

Warburg (WB). Manchmal sind es eben kleine Dinge und scheinbare Nebensächlichkeiten, die sich in den Vordergrund drängen und besonders in Erinnerung bleiben. Ein solches Phänomen ließ sich am vergangenen Sonntag beim Meisterkonzert von Elena Bashkirova zur Oktoberwoche beobachten.

Dienstag, 01.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 09:24 Uhr
Ein denkwürdiges Meisterkonzert: Pianistin Elena Bashkirova hat das Publikum mit ihrer Musizierfreude begeistert. Foto: Peter Ernst

Da erlebte man beispielsweise die vermeintlich harmlose Klaviersonate KV 333 von Wolfgang Amadeus Mozart, die doch allzu oft lieb- und einfallslos heruntergespielt wird, in einer musizierfreudigen und fesselnden Version.

Elena Bashkirova nahm das klassische Meisterwerk nicht als Aufwärmübung, sondern brachte es mit dem Farben- und Ausdrucksreichtum einer Opernaufführung dar.

Tatsächlich seien es insbesondere die Bühnenwerke Mozarts gewesen, so erklärte die Pianistin nach ihrem Auftritt, die ihr einen besonderen Zugang zu dessen Klavierwerken ermöglicht hatten. Und so tanzte, sinnierte, sang, lachte und weinte Bashkirovas Mozart mit – im besten Sinne – theatralischer Expressivität.

Eine Rarität von Antonín Dvořák geriet zu einem zweiten Höhepunkt: Die ausgewählten »Poetischen Stimmungsbilder« sind selbst erfahrenen Klaviermusikfans unbekannt, und das, obwohl ihr Komponist zu den großen Romantikern zählt.

Ein Grund dafür mag sein, dass die Sätze in erster Linie nicht nach großer Form und Aussagekraft streben, sondern vielmehr das sind, was sie vorgeben zu sein: Es sind Stimmungsbilder, die sich selbst genug sind.

Pianistin wird zur Darstellerin

Doch Elena Bashkirova ist eben keine Pianistin, die sich mit einer schlichten Wiedergabe zufrieden geben würde: Mit aufrichtiger Hingabe ließ sie die dankbaren Kleinode tatsächlich wie große Meisterwerke erscheinen – keine geringe darstellerische Leistung!

Den großen Werken des Abends, der Humoreske op. 20 von Robert Schumann und Béla Bartóks Klaviersonate näherte sich Bashkirova mit kultiviertem Understatement.

Es waren die lyrischen Seiten dieser in der Tat sehr unterschiedlichen Werke, die sie hervorkehrte. Den raschen Stimmungsumschwüngen Schumanns oder den Anklängen an die barsche und archaisch anmutende Balkan-Folklore in Bartóks Sonate milderte sie zugunsten fein austarierter Klangfarben.

Elena Bashkirova hat in Warburg ihren Ruf als herausragende Gestalterin bestätigt.

Künstlerin spielt barfuß

Das sie auch als Konzertpianistin mit allen Wassern gewaschen ist, zeigt sich nicht zuletzt an so profanen Details wie den pfenniggroßen Absätzen ihrer Konzertschuhe, die sich auf dem Bühnenboden mit vernehmbarem Quietschen bemerkbar machten. Das Problem war schnell und unkonventionell gelöst, denn die Pianistin entledigte sich kurzerhand der hochhackigen Schuhe, um barfuß weiterzuspielen.

Mit ihrer pianistischen Klasse und ihrem Charme hat Elena Bashkirova die Herzen des Publikums erobert, und sie belohnte die nahezu dreihundert Zuhörer mit Zugaben von Mozart und Schumann.

Nach dem denkwürdigen Konzert bescheinigte die Solistin des Abends noch einem weiteren Nebendarsteller einen glänzenden Auftritt: Ganz hingerissen äußerte sich die Wahl-Berlinerin von dem erst kürzlich für die Aula-Bühne erworbenen Steinway-Flügel, dem sie eine tiefe Seele zusprach und der eine willkommene Entschädigung für die Strapazen ihrer Reisen zwischen Moskau, Warburg und Saragossa gewesen sei.

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