Anbindung an den Autobahnzubringer soll im Frühsommer 2020 fertig sein – mit Video
Neue Straße ist auf einem guten Weg

Warburg (WB). Eines der größten Warburger Straßenbauprojekte ist buchstäblich auf einem guten Weg. Die Anbindung des Industriegebiets Oberer Hilgenstock an die Ostwestfalenstraße wird – wenn alles läuft wie bisher – im Frühsommer 2020 abgeschlossen sein.

Freitag, 09.08.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 09:28 Uhr
Die neue Straße, mit welcher der obere Hilgenstock an die Ostwestfalenstraße angebunden wird, ist mittlerweile gut sichtbar. Foto: Jürgen Vahle

Derzeit schütten Mitarbeiter der Firma GfV (Gesellschaft für Verkehrswegebau aus Ossendorf) die Rampen auf, über welche die Autos und Lastwagen in Zukunft auf die B 252 einfahren. Mittlerweile ist die Trasse auch von der Ostwestfalenstraße aus gut zu erkennen, der grobe Asphalt ist aufgebracht. Die neue Straße verläuft zunächst entlang der Bahnschienen und dann in nordwestlicher Richtung auf die Ostwestfalenstraße zu.

Die Verkehrsführung

Eine bis ins Detail geplante ­Verkehrsführung sorgt in Zukunft dafür, dass die Fahrzeuge ähnlich wie an der Kreuzung B 7/B 252 ohne die Fahrbahnen zu kreuzen auf den Zubringer zur A 44 einbiegen können.

Die Auffahrten werden so gestaltet, dass ein mittelfristig geplanter Ausbau der B 252 nach dem »2+1«-Prinzip (die Straße ist dann wechselseitig zweispurig) problemlos realisiert werden kann, berichtet Warburgs Bauamtsleiter Rainer Ehle.

Ende des Nadelöhrs

Mit dem Bau der insgesamt 1,8 Kilometer langen Trasse sollen Probleme beseitigt werden, die seit Jahrzehnten bestehen und sich zuletzt immer weiter verschärft hatten. Schwere Lastwagen können nicht ohne weiteres vom Lütkefeld zum Oberen Hilgenstock fahren, weil sie dafür die Bahnschienen kreuzen müssen.

Bauamtsleiter Rainer Ehle (links) und Bürgermeister Michael ­Stickeln.

Bauamtsleiter Rainer Ehle (links) und Bürgermeister Michael ­Stickeln. Foto: Jürgen Vahle

Der schmale Tunnel am Großenederer Weg ist für den Schwerlastverkehr einfach zu klein. Solche Transporte fahren dann in aller Regel über die Landfurt und Bahnhofstraße oder nehmen gleich den Weg über Dössel.

Lastwagen an der Landfurt

Für Rainer Ehle steht fest, dass diese Strecken »weder von der Kapazität noch vom baulichen Zustand her als ordnungsgemäße Zufahrt zum Oberen Hilgenstock geeignet sind«. Diese Situation soll vom kommenden Sommer an deutlich entschärft werden. Der Bauamtsleiter verspricht sich von der neuen Anbindung »eine deutliche Entlastung des innerstädtischen Verkehrs«.

Es sei ohnehin ein Wunder, dass bei den vielen Lastwagen an der Landfurt noch nichts Schlimmeres passiert sei – zumal es dort auch einen Kindergarten, eine Schule und ein Seniorenheim gebe.

Jahrzehnte der Planung

Das Problem der Anbindung des Industriegebiets Oberer Hilgen­stock wird seit Jahrzehnten diskutiert. Immer wieder gab es Ideen. Ein neuer Tunnel unter oder eine Brücke über die Gleise waren im Gespräch – alles kaum realisierbar. 2006 dann der Durchbruch im Rat: Mehrheitlich wurde der Grundsatzbeschluss zur neuen Anbindung geschaffen.

2014 und 2016 wurde dieses Vorhaben vom Stadtrat noch einmal bestätigt. Letztlich wurde das Vorhaben auch von der Bezirksregierung getragen – was lange Zeit keineswegs sicher war. »Hier müssen wir uns auch bei Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl bedanken, die sich auch persönlich sehr für das Vorhaben eingesetzt hat«, macht Bürgermeister Michael Stickeln deutlich.

Die Kosten

Dass über den Bau der Anbindung in Warburg lange nachgedacht und auch trefflich gestritten wurde, liegt allein beim Blick auf die Kosten auf der Hand. 5,4 Millionen Euro teuer sind die reinen Baukosten. Hinzu kommen für die Stadt Warburg noch 1,4 Millionen Euro Unterhaltungskosten für die kommenden 25 Jahre, die nach Fertigstellung ans Land bezahlt werden müssen.

Trotz erheblicher Förderungen aus zwei Töpfen (Wirtschaftsförderung und Straßenbau) muss die Stadt insgesamt 3,25 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen. Hinzu kommt noch eine sechsstellige Summe für den Erwerb des Landes.

Flurbereinigung

Jahrelang hat Rainer Ehle mit 23 Grundstücksbesitzern, überwiegend Landwirte, verhandelt. »Wir sind den Besitzern der Flächen sehr dankbar, dass wir zu einvernehmlichen Lösungen gekommen sind, um das immens wichtige Projekt für Warburg realisieren zu können«, sagt Bürgermeister Michael Stickeln.

Um die 23.000 Quadratmeter befestige Straße bauen zu können, musste die Stadt 6,7 Hektar Land erwerben oder tauschen. All dies wurde mit Hilfe eines vereinfachten Flurbereinigungsverfahrens realisiert, damit Landwirte auch in Zukunft ungehindert Zugang zu ihren teils neuen Äckern bekommen.

Die Perspektive

Für Bürgermeister Stickeln ist die neue Anbindung »ein wirtschaftlicher Glücksfall«, schaffe es doch die Möglichkeit, Flächen für Industrie und Gewerbe zu schaffen, »die extrem verkehrsgünstig liegen«. Im Landesentwicklungsplan ist eine Großfläche an der Straße als Industriegebiet geplant.

Wenn alles so läuft, wie sich die Stadt das wünscht, könnten sich dort 2023 die ersten Unternehmen ansiedeln. »Dann wird sich die Investition in die Anbindung für Warburg um ein Vielfaches auszahlen«, sagt der Bürgermeister.

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