Ein Jahr »Zweite Heimat«: Vereinsvorstand zieht Bilanz und plant neue Projekte
Begegnungsstätte und Rückzugsort

Warburg (WB). Ein Jahr besteht der Verein »Zweite Heimat Warburg«. Seit vier Monaten ist die »Interkulturelle Begegnungsstätte« im Haus Nummer 45 an der Hauptstraße der Treffpunkt für Einheimische und Flüchtlinge. Ein guter Grund, eine erste positive Bilanz zu ziehen, dachten sich die Vorstandsmitglieder.

Samstag, 08.06.2019, 14:00 Uhr

Aus einer uneigennützigen Hilfe für Flüchtlinge entstand der Verein »Zweite Heimat« in Warburg. Nach der Gründungsversammlung im April 2018 folgte im Mai der Eintrag in das Vereinsregister, verbunden mit dem Status der Gemeinnützigkeit. Der Vorstand besteht aus Gertrud Flore, Katharina Linpinsel und Hilla Zavelberg-Simon, die Programmkoordination übernimmt Hedi Marquardt. Bald darauf wurde ein Ladenlokal angemietet, renoviert und im Februar dieses Jahres offiziell eröffnet. Inzwischen zählt der Verein 87 Mitglieder, wovon etwa ein Drittel in der »interkulturellen Begegnungsstätte« aktiv dabei sind.

Raum für Spontanität

Ein Ziel des Vereins, einen Ort zu schaffen, an dem sich Einheimische und Flüchtlinge treffen können, sei damit bereits erreicht, freuen sich die Vorstandsmitglieder. Das integrierte Café hat vier Mal in der Woche geöffnet, mittwochs, donnerstags und freitags am Nachmittag und samstags am Vormittag. Das ist ein fester Rahmen, ansonsten »gibt es bei uns viel Raum für Spontanität«, sagen die Vorstandsdamen.

Probleme gemeinsam lösen, sich einen Rat holen, einen Kaffee oder Tee trinken, am Computer arbeiten oder Spiele spielen – so geht ein Tag im Café rasch um. Inzwischen haben sich auch schon regelmäßige Angebote etabliert. »Etwa 20 Schüler des Gymnasiums Marianum geben bis zu 30 geflüchteten Kindern und Jugendlichen Nachhilfeunterricht«, berichtet Heidi Marquardt. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Young Caritas und somit des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und dem Marianum. Gearbeitet wird in kleinen Gruppe »und es funktioniert sehr gut«, weiß Heide Marquardt.

Nähgruppe und Frauencafé

Vierzehntägig im Wechsel findet dienstags für Frauen die Nähgruppe und das Frauencafé viel Aufmerksamkeit. Mittwochs gibt Gerhard Schäfer als erfahrener Schachspieler Tipps und Hilfe zum »Spiel der Könige«. Donnerstagnachmittags gibt es eine Lesestunde für Kinder und Jugendliche.

Einmal im Monat ist das internationale Frauenfrühstück. Ebenfalls einmal im Monat wird mit den Kindern ein Ausflug unternommen oder ein Film angeschaut. Im Kreativbereich gab es bereits Bastelangebote und einen Henna-Tattoo-Tag. In dieser Woche war die polnische Künstlerin Anna Rona in der Begegnungsstätte und bot einen Malkursus an.

So ergeben sich auch kleine Ausstellungen, wie derzeit die Bilder aus dem Malkursus. Außerdem hängen zwei Porträts des niederländischen Fotografen Ruben Timman im großen Schaufenster des Treffs. Diese gehören zur Freilichtausstellung »Museum der Menschheit« und passen perfekt an diesen Ort. Ebenfalls einmal im Monat bietet die Arbeiterwohlfahrt (AWO) einen Spielenachmittag an.

Alles wird ehrenamtlich geleistet

Das alles wird ehrenamtlich geleistet. »Deshalb brauchen wir noch viel mehr Menschen, die ihre Fähigkeiten mit einbringen«, sagt Gertrud Flore. Alle Helfer könnten sich dort einbringen, wo sie ihre Stärken am besten nutzen können. Das helfe allen und die Freude am Tun bleibe erhalten, wissen die engagierten Frauen. »Es gibt eine Frau, die bringt uns regelmäßig einen Kuchen für das Café, andere übernehmen eine Patenschaft oder unterstützen uns finanziell«, erzählt Gertrud Flore von den verschiedenen Möglichkeiten, sich mehr oder weniger intensiv zu beteiligen.

»Durch das Kennenlernen hier im Café werden viele wichtige Kontakte geknüpft, daraus ergeben sich viele hilfreiche Möglichkeiten«, sagt Katharina Linspinsel. Mit Daniela Dahlmann von der Diakonie findet ein reger Austausch mit den ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuern statt, so dass wirklich alles eine »runde Sache« ist. »Wir halten auch regelmäßig Mitgliederversammlungen ab, um den ganzen Betrieb zu regeln«, so Katharina Linpinsel.

Angebote für Kinder in Sommerferien geplant

Wie schön es ist, einen Ort wie diesen zu haben, weiß auch Alaa Alaya aus Syrien. Der 60-jährige war dort Anwalt und belegt derzeit in Warburg einen Sprachkursus, um bald wieder arbeiten zu können. Gern, so sagt er, kommt er ins Café und findet über sein Hobby, das Zeichnen, schnell Anschluss.

»Für die Sommerferien planen wir Angebote für Kinder und Familien. Dann wollen wir eine Veranstaltung zum Thema Flucht- und Ankommensgeschichten machen«, berichtet Heidi Marquardt. Am 26. Juni (19 Uhr) wird mit Lauftrainer Bernhard Eder eine Laufgruppe gebildet. Am 8. Juli findet der Projekttag »Schule ohne Rassismus« des Gymnasium Marianum statt.

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