Dominik Menge (24) ist Azubi bei der Stadt Warburg
Berufsstart trotz Behinderung

Warburg (WB). Menschen mit Behinderung einzustellen, oder sogar auszubilden, davor scheuen sich viele Arbeitgeber. Oft liegt es nur an Unsicherheit: Was kommt auf einen zu? Als Arbeitgeber wünscht man sich Unterstützung. Diese gibt es von der Agentur für Arbeit – für Arbeitgeber und Auszubildende mit einer Behinderung. So auch für die Stadt Warburg und Azubi Dominik Menge.

Samstag, 08.06.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 08.06.2019, 16:20 Uhr
Dominik Menge (Mitte) startet als Azubi durch – als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Warburg. Klaus Weber, Fachbereichsleiter im Team von Menge, ist mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Darüber freut sich auch Ina Mischewski vom Arbeitgeber-Service.

Dominik Menge ist 24 Jahre alt und absolviert eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Hansestadt. Doch eines unterscheidet Dominik Menge von vielen anderen Azubis: Er hat eine Behinderung, sitzt im Rollstuhl. Das bringt Herausforderungen mit sich. Herausforderungen, die Arbeitgeber oft nicht kennen.

Stelle nach erfolgreichem Praktikum bekommen

»Man hat Sorge vor Situationen, von denen man nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Tatsächlich aber sind viele Einschränkungen so klein, dass man bis zu dem Moment des Eintretens gar nicht darüber nachdenkt. Wie zum Beispiel das Wegschieben eines Stuhls in einer Besprechung, damit ein Rollstuhl an den Tisch gefahren werden kann«, sagt Klaus Weber, Fachbereichsleiter im Team von Dominik Menge.

Menge hat die Stelle durch Eigeninitiative und Leistung bekommen: Ein Jahr vor der Ausbildung absolvierte er in seiner Freizeit ein Praktikum bei der Stadt Warburg. Dort war man mit seinen im Praktikum gezeigten Leistungen sehr zufrieden. Daher wies man Dominik auf die geplante Stellenausschreibung für die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten für das kommende Jahr (2016) und auf die Möglichkeit, sich bei Interesse auf diese Ausbildungsstelle zu bewerben, hin. »Die Arbeit liegt mir einfach und macht mir Spaß«, betont er. Die gute Leistung zieht sich auch weiter durch seine Ausbildung: Er hat gute Noten und wird die Ausbildung voraussichtlich im Sommer erfolgreich abschließen.

Digitalisierung soll Arbeit auch für Eingeschränkte erleichtern

Schwierigkeiten für ihn? »Das größte Problem ist logistischer Natur. Im Finanzbereich, wo ich tätig bin, arbeiten wir viel mit Akten. Die Ordner sind dann teilweise einfach zu hoch für mich gelagert. Aber die Kollegen achten darauf und wir koordinieren das jetzt so, dass die Schränke eine passende Höhe haben«, berichtet der Auszubildende. Die Stadtverwaltung ist auch auf dem besten Wege, diese Problematik zu beheben: »Im Rahmen der Digitalisierung wird das gesamte Haus, auch die Finanzabteilung, in Zukunft nur noch am Computer arbeiten. Das wird es für Herrn Menge um einiges einfacher machen. Die Umbauarbeiten laufen«, berichtet Stadtkämmerer Weber.

Es läuft also alles gut. Die Ausbildung wird von der Agentur für Arbeit Paderborn gefördert. »Wir bezuschussen diese Ausbildung im Rahmen des sogenannten Ausbildungszuschusses für Menschen mit Behinderung mit 80 Prozent des Ausbildungsgehalts. Das passiert in Form einer Erstattung an den Arbeitgeber«, sagt Ina Mischewski vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Höxter. »Natürlich liegt der Zuschuss nicht immer bei 80 Prozent, das ist individuell unterschiedlich. Dennoch bemühen wir uns, Menschen mit Behinderung so zu fördern, dass sie am Arbeitsmarkt keine Nachteile haben. Denn wir wollen so Arbeitgebern die Hemmungen nehmen, damit sie bereit sind, junge Menschen mit Behinderung auszubilden«, erklärt Mischewski.

Förderung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Weber betont: »Für uns war die Förderung nicht der ausschlaggebende Punkt. Aber da wir vor Herrn Menge noch keine Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit einer derartigen Behinderung hatten, können wir die Unsicherheit vieler Arbeitgeber nachvollziehen. Eine derartige Förderung ist dann vielleicht ein zusätzlicher Motivator – und ermöglicht es, mehr Bewerber als angedacht auszubilden, da die finanziellen Möglichkeiten gegeben sind.« Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Punkt, so Weber.

Neben dem Zuschuss an den Arbeitgeber wird Dominik auch direkt gefördert: Sein Auto wird gerade behindertengerecht umgebaut, auch die Option einer behindertengerechten Anpassung des Arbeitsplatzes wird derzeit geprüft. Es gibt sie also: Die Unterstützung, die dabei hilft, die Unsicherheit etwas zu beseitigen. Denn, wie Dominik Menge gezeigt hat: Meist sind Bedenken eher unbegründet. Arbeitgeber, die sich über den Ausbildungszuschuss und die damit verbundenen Möglichkeiten informieren möchten, können sich bei Ina Mischewski, Telefon 05271/972630 oder E-Mail hoexter.arbeitgeber@arbeitsagentur.de, melden.

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