Städte im Kreis Höxter müssen neue Abnehmer finden – Entsorgung wird teurer
Wohin mit dem Klärschlamm?

Kreis Höxter (WB). Klärschlamm aus städtischen Anlagen wird im Kreis Höxter von der Landwirtschaft als Dünger verwendet. Aber wie lange noch? Verschiedene Verordnungen ziehen die Schlinge immer enger. Das könnte die Städte in Zukunft vor Probleme stellen – eine kreisweite Lösung für die Entsorgung von Klärschlämmen wird angestrebt.

Dienstag, 04.06.2019, 06:00 Uhr
Landwirte im Kreis Höxter bringen Gülle aus – angesichts verschiedener Verordnungen wird Klärschlamm auf den Feldern zum Auslaufmodell Foto: dpa

Abwasser enthält viele Stoffe, die im besten Fall in Kläranlagen herausgefiltert werden. Doch der Schlamm, der zum Schluss in den Klärwerken übrig bleibt, könnte Städte in ganz Deutschland vor Herausforderungen stellen. Das gilt wiederum auch für das Kulturland, wie Michael Werner (Leiter des Fachbereichs Umwelt, Planen, Bauen im Kreis Höxter) im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erläutert: »In der Region wird Klärschlamm überwiegend landwirtschaftlich verwertet. Es gibt jedoch verschärfte Anforderungen – unter anderem durch die Düngeverordnung, die das Düngen mit eben diesem Schlamm eingrenzen und perspektivisch noch weiter erschweren wird. Außerdem gibt es zu viele andere Düngeoptionen. Deshalb müssen sich die Städte bereits heute Gedanken machen, wie Klärschlamm zu entsorgen ist, wenn er in Zukunft vielleicht nicht mehr auf den Feldern verteilt wird.« Der Kohleausstieg verschärfe die Situation darüber hinaus – ein Teil der Klärschlämme wird nämlich in Braunkohlekraftwerken verfeuert. Laut Werner sei es in den verhältnismäßig kleinen Städten mit einer geringeren Belastung des Abwassers augenscheinlich auch in Zukunft durchaus möglich und erlaubt, Klärschlamm auf Feldern auszubringen – »das ist aber mit einem gewissen Risiko behaftet und wird perspektivisch nicht leichter«.

Kooperation ist eine Möglichkeit

Wohin also in Zukunft mit dem Klärschlamm? Angesichts der Vielzahl der sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen und anderer Düngemöglichkeiten machen sich die Städte auf den Weg, eine Lösung zu finden. Diese wiederum könnte eine thermische Entsorgung sein. Die Klärschlammkooperation OWL sei laut Werner ein Anbieter von mehreren, die diese ermöglichen. Jede Stadt müsse bestmöglich bis Herbst eine Entscheidung treffen, da die Anbieter von noch zu errichtenden Verbrennungsanlagen (Kostenpunkt 60 bis 65 Millionen Euro) Angaben zum anfallenden Klärschlamm benötigten. »Eine kreisweit einheitliche Lösung wäre optimal«, betont Werner: »Das wäre wirtschaftlicher.« Im Kreis Höxter fallen nach Angaben der Verwaltung jährlich 3000 Tonnen Klärschlamm in Trockenmasse an – das sind 12.000 bis 13.000 Tonnen Originalsubstanz.

Entsorgung könnte teurer werden

Werner sowie Michael Stickeln, Sprecher der Bürgermeister im Kreis aus Warburg, weisen aber auch darauf hin, dass die thermische Entsorgung teurer werde als die Verwertung in der Landwirtschaft. »Die Entsorgung ist gebührenwirksam. Ob das in den Städten Auswirkungen für die Bürger hat, würde mit dem jeweiligen Gebührenhaushalt zusammenhängen. Deshalb ist es allen Städten im Kreis Höxter wichtig, sowohl eine hohe Entsorgungssicherheit als auch eine größtmögliche Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten«, berichtet Stickeln von einer Bürgermeisterkonferenz.

Warburg lässt bereits verbrennen

Als einzige Stadt im Kreis lässt Warburg bereits jetzt angesichts einer verhältnismäßig großen Menge an Klärschlamm diesen in Bielefeld und Hameln verbrennen – auf den Feldern wird er in der Hansestadt nämlich bereits jetzt nicht mehr ausgebracht. Dafür ist im vergangenen Jahr eine eigene Trocknungsanlage errichtet worden. »Dies geschah in erster Linie aus einer Kooperation mit der Südzucker AG heraus. Doch auch nach der Entscheidung des Unternehmens, das Werk zu schließen, sehe ich den Bau als sinnvolle Investition an. Damit sind wir für die Zukunft bereits gut aufgestellt«, so Stickeln.

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