Detlef Zielinsky will in Rente gehen und seine HNO-Praxis übergeben
Arzt sucht Nachfolger bei Ebay

Warburg (WB). Nach knapp 30 Jahren soll Schluss sein: Detlef Zielinsky, seit 1990 niedergelassener Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Warburg, will sich zur Ruhe setzen. »Ich möchte beruhigt in Rente gehen, das Geschäft abgeben und meine Praxis zum nächstmöglichen Zeitpunkt einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin übergeben«, sagt der 66-Jährige.

Samstag, 01.06.2019, 07:01 Uhr aktualisiert: 01.06.2019, 07:30 Uhr
Nach 30 Jahren als niedergelassener HNO-Arzt in Warburg möchte sich Detlef Zielinsky, hier mit seiner Arzthelferin Stefanie Tegethoff auf dem Behandlungsstuhl, nun zur Ruhe setzen. Für seine Praxis sucht er einen Nachfolger – sogar bei Ebay. Foto: Ralf Benner

Seit 1927 gibt es eine HNO-Abteilung in der Hansestadt. »Ich würde mich gemeinsam mit meinen Patienten und meinen sechs Angestellten freuen, wenn dies auch in Zukunft so sein wird«, hofft Zielinsky. Der Mediziner hat es sehr schwer, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden.

Er sucht sogar bei Ebay. Und das, obwohl er in einem relativ konkurrenzfreien Umfeld tätig ist. »Im Umkreis von etwa 20 Kilometern gibt es keinen HNO-Arzt im Warburger Land. Die nächsten Ärzte praktizieren in Hofgeismar, Wolfhagen, Bad Arolsen, Bad Driburg oder Höxter«, berichtet Zielinsky.

Landflucht der Mediziner ist ein Problem

Der Mediziner, dem der Erhalt der ärztlichen Nahversorgung in Warburg eine Herzensangelegenheit ist, nennt zwei Gründe für die derzeit schwierige Situation. Da sei zum einen die große Landflucht der Mediziner zu nennen. »Der Trend geht leider in die Großstadt. Dabei sind Kassel, Paderborn oder Bielefeld nicht weit und für Kinder ist es einfach das Beste, auf dem Land groß zu werden«, berichtet Zielinsky aus eigener Erfahrung.

Er selbst hat drei Kinder, einen Sohn und eine Tochter gemeinsam mit seiner Frau Ulrike, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist, und einen Sohn aus erster Ehe. Aus Nordenham bei Bremerhaven war der Mediziner damals nach Warburg gezogen.

Belegarzt-Abteilung im Klinikum möglich

Der zweite Grund sei ein strukturelles Problem: 70 Prozent der jungen Ärzte, nicht nur im Fachbereich HNO, seien heute weiblich. »Sie haben in der Regel kein Interesse an einer Praxisübernahme, ihnen schwebt eher eine Halbtagsstelle oder Teilzeitarbeit vor, weil sie eine Familie haben oder vielleicht eine gründen wollen«, erläutert der HNO-Arzt. Zudem sorgten sich diese Ärztinnen darum, ob ihre Lebenspartner auf dem Land, fern der Großstadt, eine Arbeitsstelle finden können.

Erst 2013 hatte Detlef Zie­linsky mit seiner Praxis Räume im Facharztzentrum des neuen Helios-Klinikums bezogen. Bis vor zwei Jahren führte er auch eine Belegarzt-Abteilung im Klinikum, deren Reaktivierung für einen Nachfolger jederzeit möglich sei, sofern gewünscht, sagt Zielinsky.

In der Praxis könnten zwei Ärzte praktizieren

Es handle sich um eine modern ausgestattete HNO-Praxis, die mit allen endoskopischen und diagnostischen Möglichkeiten auf dem neuesten Stand sei, wie der Mediziner erklärt. Die Praxis sei digitalisiert und verfüge seit kurzem über eine eigene Spracherkennung für die Software.

In der Praxis könnten bis zu zwei Ärzte praktizieren. Entsprechende Sitze sieht die Kassenärztliche Vereinigung vor. Es habe sich auch immer um eine Doppelpraxis gehandelt, berichtet der Mediziner. Zuletzt seit 2013 mit Dr. Uta Thale, die zum 1. Januar dieses Jahres in die Spezialklinik für Psychosomatik des Klinikums Weser-Egge in Brakel wechselte.

»Ich höre nicht zum 1. Januar 2020 auf.«

Es ist nicht nur die Bewahrung der ärztlichen Infrastruktur in Warburg, die Detlef Zielinsky umtreibt. Zielinsky sorgt sich auch um den Erhalt der Arbeitsplätze in seiner Praxis. Sechs Arzt- und Facharzthelferinnen sind dort beschäftigt. »Sie sind das Kapital der Praxis. Ein besseres Personal gibt es nicht«, sagt der Mediziner.

Zielinsky gibt die Hoffnung nicht auf, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. »Ich mache so lange weiter und höre nicht zum 1. Januar 2020 auf, aber mit 70 ist definitiv Schluss«, sagt er. Spätestens dann will sich der heute 66-Jährige einem neuen Hobby, der Imkerei, zuwenden. Warburg werde auch weiterhin sein Lebensmittelpunkt bleiben.

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