Pennig-Haus: Bürgermeister verärgert über Vorgehen der Warburger Denkmalstiftung
Stickeln schmeißt den Vorsitz hin

Warburg (WB). Der anhaltende Streit um die Denkmalwürdigkeit des Pennig-Hauses in der Marktstraße 18 hat jetzt personelle Konsequenzen: Mit sofortiger Wirkung tritt Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der Warburger Denkmalstiftung zurück. Stickeln sieht »keinerlei Fundament mehr für eine Zusammenarbeit«, spricht von »nachhaltigem Vertrauensbruch«.

Donnerstag, 02.05.2019, 18:04 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 18:04 Uhr
Mit sofortiger Wirkung tritt Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der Warburger Denkmalstiftung zurück. Hintergrund ist der anhaltende Streit um die Denkmalwürdigkeit des Pennig-Hauses. Foto: Ralf Benner

Zu Ostern habe er als Vorstandsvorsitzender der Warburger Denkmalstiftung, aber auch als Bürgermeister der Hansestadt eine Postkarte von Nadine Smukal, Vorstandsmitglied der Stiftung, erhalten. Sie habe dieser Postkarte einen Flyer und ein Aktionsplakat der Stiftung beigelegt und um Rückmeldung gebeten, wie die Stadt beabsichtige, diese zu verteilen, berichtet Stickeln in einer persönlichen Erklärung.

Das Aktionsplakat, welches unter dem Namen der Warburger Denkmalstiftung firmiert und bereits in der Stadt verteilt wurde, zeigt bebildert das Haus Pennig und postuliert »gegen den Abriss des Pennig-Hauses zugunsten vermeidbarer Neubauten. Für den Erhalt des historischen Stadtkerns und für ein authentisch erlebbares Warburg auch morgen noch.«

Streit um Werbemittel

In dem Flyer, der am vergangenen Wochenende als Beilage zur Tageszeitung auch an viele Warburger Haushalte verteilt wurde, werden Warburger Denkmäler und Stadtansichten gezeigt, ebenso wie das Wohn- und Geschäftshaus Marktstraße 18 mit dem Zusatz »erhaltenswert«. Darüber hinaus wird unter einem Foto der Südansicht Warburgs die Frage gestellt: »Wie geschützt ist diese einmalige Stadtkulisse wirklich?«

»Weder das Aktionsplakat noch der Flyer sind mit mir als Vorstandsvorsitzendem der Warburger Denkmalstiftung sowohl dem Grunde nach als auch inhaltlich abgestimmt worden. Diese Vorgehensweise und insbesondere die intensive Thematisierung des Hauses Pennig lässt jede Form von Anstand, Professionalität und Objektivität vermissen. Sie zeugt zudem von großer Arroganz, fehlendem Willen zu kooperativer Zusammenarbeit und muss als öffentliche Provokation gewertet werden«, schreibt Stickeln.

Während eines laufenden Verfahrens, bei dem mittlerweile der Petitionsausschuss des Landtages eingeschaltet worden sei, und bei dem es Rat und Verwaltung von Anfang an stets um ein objektives Urteil in dieser Sachfrage gegangen sei, brüskiere die Warburger Denkmalstiftung nicht nur den Bürgermeister als deren Vorsitzenden, sondern Rat, Verwaltung und damit letztendlich auch die Bürgerschaft der Hansestadt, so das Stadtoberhaupt weiter. Zudem suggeriere der Flyer, Rat und Verwaltung hätten sich in der Vergangenheit nicht ausreichend um den Denkmalbestand gekümmert, als sei dieser womöglich akut gefährdet: »Diese Vorgehensweise ist inakzeptabel und lässt die einfachsten Grundregeln jedweder Zusammenarbeit vermissen.«

Verwaltungsmitarbeiter wollen nicht mehr an Sitzungen teilnehmen

Die Hansestadt habe bewiesen, wie verantwortungsvoll sie mit ihrem Denkmalbestand umgeht. Das werde sie weiterhin tun. »Wir werden uns aber auch in Zukunft weder von irgendjemand instrumentalisieren, noch unter Druck setzen lassen«, erklärt Stickeln.

Laut Satzung ist der amtierende Bürgermeister der Stadt Warburg Mitglied des Vorstands der Warburger Denkmalstiftung. »Ich werde dieses Recht nicht wahrnehmen. Ich setze mich mit der Dame und den Herren nicht mehr an einen Tisch«, sagt Stickeln. Auf ausdrücklichen Wunsch des Fachbereichsleiters Rainer Ehle und der Mitarbeiterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt, Mirjam Altemeier, werden diese ebenfalls nicht mehr an Vorstandssitzungen teilnehmen.

Das sagt die Stiftung

Der Beschluss, Stiftungsmittel für Öffentlichkeitsmedien der Stiftung einzusetzen, etwa Flyer oder weitere Materialien, sei erst im Februar diesen Jahres einstimmig vom Vorstand gefasst worden, sagt Nadine Smukal von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Leitung Stifter-Service). »In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Pennig-Hauses bricht sich ein länger schwelender Konflikt im Vorstand der Stiftung Bahn. Dies haben wir als Deutsche Stiftung Denkmalschutz kommen sehen und eine Eskalation durchaus in Kauf genommen, um uns für die vorhandenen Denkmalfreunde der Stadt Warburg stark und unabhängig zu positionieren«, schreibt sie in einer Stellungnahme auf Anfrage.

»Auch wenn unsere Position, zum Beispiel was das Pennig-Haus betrifft, das für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) gemäß den Erkenntnissen des LWL ohne Zweifel denkmalwürdig ist, mit der Position Stickelns und der aktuellen Mehrheit des Stadtrats nicht vereinbar zu sein scheint, waren und sind wir stets an einem offenen, konstruktiven Dialog interessiert. Wir sehen es aber als gegeben an, dass Herr Stickeln diesen Dialog nicht wünschte«, erklärt Nadine Smukal.

»Dass wir nun über die Presse erfahren, dass Herr Stickeln sich von der Arbeit der Warburger Denkmalstiftung distanziert, ist ungehörig, aber hinnehmbar – es war auch zuvor für uns nicht erkennbar, dass er die Warburger Denkmalstiftung aktiv vertritt. Dass er jedoch noch nicht einmal eine private Stifterfamilie – und sei es auch nur informell – informiert, die seiner Stadt ein großes, aber offenbar nicht gewünschtes Geschenk gemacht hat, ist traurig«, stellt das Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung fest. »Rückblickend kommen wir zu dem Schluss, dass die Stadt Warburg und insbesondere Herr Stickeln als geborenes Vorstandsmitglied und gewählter Vorsitzender schlechte Sachwalter für die Warburger Denkmalstiftung waren«, bilanziert Nadine Smukal.

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