Lucia Huang und Sebastian Euler begeistern beim Meisterkonzert
Vier Hände, zwei Flügel

Warburg (WB). Ein bravouröses Saisonfinale haben die Warburger Meisterkonzerte am vergangenen Samstag mit dem Klavierduo Lucia Huang und Sebastian Euler gefeiert. Erstmalig erlebte das Publikum zwei Konzertflügel auf der Aulabühne des Gymnasium Marianum.

Montag, 08.04.2019, 10:00 Uhr
Applaus für das Duo d’Accord: Das Publikum im Gymnasium Marianum feiert die gemeinschaftliche Meisterleistung von Lucia Huang und Sebastian Euler nach ihrer Darbietung. Knapp 50 Minuten lang dauerte ihr beeindruckendes Spiel. Foto: Peter Ernst

Huang und Euler – das Duo d’Accord – wussten mit Programm und Darbietungen gleich in mehrfacher Hinsicht zu überraschen – und zu begeistern.

Präzises Klangfarbenspiel

Zunächst einmal war es nicht die dynamische Wucht der großen Steinway-Flügel, die von den Münchner Musiker herausgearbeitet wurden, sondern die feinen, leisen Register, gepaart mit einem präzis ausbalancierten Klangfarbenspiel. Die innigen Walzer von Brahms und die zerbrechliche Welt des großen Schubert-Rondos brachte das Duo d’Accord mit einer berückenden Innigkeit dar, dass es einem den Atem verschlagen mochte. Und sie verblüfften mit einem geradezu übermenschlichen Zusammenspiel, das glauben machte, es spiele lediglich ein einzelner Pianist – einer mit vier Händen.

Exquisite Werkauswahl

Effekthascherisches Spektakel lag Lucia Huang und Sebastian Euler vollkommen fern, vielmehr schien jede darstellerische Geste ganz natürlich aus der Komposition selber zu entspringen. Auch die exquisite Werkauswahl war ein deutliches Indiz für die künstlerische Integrität des Duos: Der lyrischen Romantik im ersten stellte es ein wichtiges und besonders anspruchsvolles Werk des 20. Jahrhunderts im zweiten Konzertteil entgegen.

Spiel der Extreme

Das siebensätzige »Visions de’l Amen« von Olivier Messiaen forderte dem Duo d’Accord und den beiden Konzertflügeln nahezu alle Extreme – bis hin zu einem fünffachen Forte – ausdrücklich ab: Vollgriffige Akkorde imitierten kirchliches Glockengeläut, das Leiden Jesu wurde im dritten Satz auf beklemmend anschauliche Art und Weise beschrieben, und das verführerisch-duftende »Amen du Desir« zitierte impressionistische Klangwelten.

Im fünften Satz dann gemahnten perlende Ornamente an den Gesang der Vögel, während die Musik im abschließenden »Amen de la Consommation« zu einem gewaltigen, euphorisch-orgiastischen Höhepunkt aufgetürmt wurde.

Intensiver Vortrag

Messiaens Musik mag für die Zuhörerschaft zweifellos eine besondere Herausforderung sein, doch Widerstand war bei diesem Auftritt zwecklos: Das Duo d‘Accord fesselte mit geradezu manisch-intensivem Vortrag und sog das Publikum somit in das fünfzigminütige Opus hinein. Mit tosendem Applaus wurde die gemeinschaftliche Meisterleistung von Lucia Huang und Sebastian Euler nach ihrer Darbietung gefeiert.

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