Heimische Landwirte sorgen sich um geplante erneute Reform der Düngeverordnung
»Wir brauchen Planungssicherheit«

Warburg (WB). Für den einen ist es »Landluft«, für den anderen schlichtweg Gestank: Schon der Geruch von Gülle spaltet die Gemüter. Durch eine mögliche Verschärfung der Düngeverordnung sehen die heimischen Landwirte ihre Arbeit jetzt aber ernsthaft bedroht.

Dienstag, 02.04.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 10:26 Uhr
Düngen, pflügen, säen: Peter Legge (links) und Benedikt Riepe arbeiten in einem Lohnunternehmen für Landwirte, die ihre Felder selbst nicht bestellen können. Auch ihnen macht die geplante Reform der Düngeverordnung, wie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sie ankündigt, Sorgen. Foto: Timo Gemmeke

Wenn Benedikt Riepe in seinen Traktor steigt und Runden auf dem Feld dreht, dann ist das für ihn Alltag. Und zu diesem Alltag gehört derzeit besonders eines: Gülle. Als Mitarbeiter eines Lohnunternehmens »fährt« Riepe den Dünger für Landwirte, denen entweder die Zeit oder die passenden Maschinen fehlen – oder beides. Den typischen Güllegeruch hat der 28-Jährige bei seiner Arbeit kaum in der Nase. Neue Technik, eine so genannte Gülle-Scheibenegge, macht’s möglich.

Bußgeld für mangelhafte Bedarfsermittlung

Noch vor zwei Jahren war das anders: Ausbringmethoden wie der so genannte Prallteller oder die Schleuderscheibe verteilten nicht nur viel Gülle, sondern auch viel Geruch. 2017 kam dann die Reform der bisherigen Düngeverordnung. Schleuderscheiben und Prallteller wurden verboten, vorrangig ging es aber um Grenzwerte für den Nitratgehalt im Grundwasser. Dieser kann ansteigen, wenn auf den Äckern und Feldern zu viel Gülle landet und später versickert. Als Maßnahme dagegen müssen Landwirte jetzt eine Düngemittelbedarfsermittlung für ihre Kulturen erstellen. Wer dabei schlampt oder die Regel komplett missachtet, dem drohen saftige Bußgelder.

Zurück zu Benedikt Riepe und seinem Traktor: Die Scheibenegge ist auf dem neuesten Stand, und für das Feld wurde ermittelt, wie viel Gülle mit wie viel Nitratgehalt darauf landen darf. Und trotzdem machen er und seine Kollegen sich Sorgen. Auf Druck der EU will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Düngeverordnung jetzt noch einmal verschärfen.

Im Kreis Höxter gibt es nur eine problematische Messstelle

In Gebieten, in denen die Nitratwerte im Grundwasser überschritten werden, könnte die zugelassene Düngermenge damit erneut um 20 Prozent verringert werden. »Im Kreis Höxter gibt es damit aber kaum Probleme«, sagt Stefan Legge, Geschäftsführer des WLV-Kreisverbandes. Nur an einer Messstelle liege der Wert über der Grenze von 50 Miligramm Nitrat Pro Liter.

Mit einer möglichen Gesetzesnovelle befürchten die Landwirte eine Abwärtsspirale: je weniger Dünger, desto weniger Ertrag. Und weil sich die erlaubte Menge Gülle am Pflanzenertrag der Vorjahre orientieren muss, könnten beide Werte – abhängig von einander – mit der Zeit stark zurückgehen. Außerdem müsste die Gülle, die nicht aufs Feld gebracht wird, länger gelagert werden. Und ein weiterer nicht unwesentlicher Faktor kommt dazu, wie Stefan Legge erklärt: »Die Qualität der Pflanzen nimmt rapide ab«.

Landwirte fordern eine praxisnahe Lösung

An der pauschalen Grenze für Dünger sehen die heimischen Landwirte einen weiteren Kritikpunkt: Das Nitrat im Grundwasser muss nicht immer von ihren gedüngten Feldern stammen. »Das können auch alte Kanalnetze oder andere Dinge sein«, schildert Legge. Und selbst wenn Gülle die Nitratwerte erhöhe, müsse das nicht mit dem Düngemenge der vergangenen Jahre zusammenhängen. Legge: »Ob und wieviel Nitrat durchsickert hängt vom Bodentyp ab. Es kann Jahrzehnte dauern, bis da was im Grundwasser ankommt.«

»Diese Verschärfung der Verschärfung ist völlig übereilt«, sagt auch Antions Tillmann als Vorsitzender des Kreisverbandes des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die kürzlich umgesetzte Gesetzgebung müsse erst wirken und ihre seitens der Politik erwartete positive Wirkung zeigen. »Wir brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit«, so Tillmann. Die aktuelle Gesetzeslage verlange vielen Höfen schon jetzt viel ab. Tillmann: »Das Maß ist voll. Wir fordern umsetzbare und praktikable Lösungen.«

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