Modernes Trampen: Warum wird das Angebot so selten angenommen?
Problemkind Mitfahrbank

Warburg (WB). Mitfahrbänke sollen die Mobilität im ländlichen Raum steigern. Genutzt wird das Angebot – wie auch in Welda – aber selten. Schuld daran ist nicht nur der Sicherheitsaspekt.

Freitag, 08.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 12:30 Uhr
Selten besetzt: Seit 2017 steht auch in Welda eine Mitfahrbank. Die örtliche Seniorenarbeitsgruppe hatte eine Fläche am Ortsausgang hergerichtet und die Bank dort platziert. Und auch in Welda fällt die Bilanz, was die Nutzerzahlen angeht, bisher mäßig aus. Foto: Timo Gemmeke

Trampen in modern: Wer sich auf eine Mitfahrbank setzt, hält Ausschau nach dem nächsten Auto und fährt damit in die nächste Stadt, zum Einkaufen, zum Arzt, zu Freunden. Soweit die Theorie – die Praxis sieht häufig anders aus.

Seniorenarbeitsgruppe platziert Bank am Ortsausgang

Seit 2017 steht auch in Welda eine Mitfahrbank. Die örtliche Seniorenarbeitsgruppe hatte eine Fläche am Ortsausgang hergerichtet und die Bank dort platziert. Und auch in Welda fällt die Bilanz bisher mäßig aus. »Die Bank wird bisher so gut wie gar nicht genutzt«, sagt Ortsvorsteher Hubertus Kuhaupt. Er hatte die Idee zur Mitfahrbank im 850-Seelen-Ort. Und die Rahmenbedingungen, so Kuhaupt, seien grundsätzlich auch gut. »Der Standort, die Bank – alles passt aus unserer Sicht«, erklärt er. Trotzdem laufe es bisher nicht wie geplant.

Ähnliche Erfahrungen mit dem Projekt Mitfahrbank hat auch Christiane Sasse, Regionalmanagerin des Leader-Programms im Kreis Höxter, gemacht. »Die Resonanz geht von ›ganz gut‹ bis ›sehr schlecht«, erzählt sie. Grundsätzlich solle das Angebot die Mobilität im ländlichen Raum steigern und vor allem Personen, die noch nicht oder nicht mehr mobil sind, helfen. Auch in den so genannten Zukunftswerkstätten, einem von knapp 20 Leader-Projekten im Kreis Höxter, seien Mitfahrbänke deshalb häufig diskutiert worden. »Ob sowas allerdings erfolgreich ist, kann nicht pauschal gesagt werden«, weiß Sasse. »Das hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab«.

Ein Faktor, der dabei häufig genannt wird, ist die Sicherheit. Wer nimmt wen mit? Und geht die Fahrt wirklich dahin, wo sie anfangs hingehen sollte? Fragen wie diese stellen sich mitunter nicht nur Mitfahrer, die allein unterwegs sind. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kämen auf Seiten der Eltern häufig Bedenken auf, erklärt Sasse: »Eine Lösung ist es, dass Kinder und Jugendliche die Bänke gar nicht nutzen dürfen.«

Faktor Sicherheit

Eine anderer Ansatz: eine App, bei der sich die Mitfahrgelegenheiten registrieren müssen, am besten mit persönlichen Daten und Kennzeichen – der Sicherheit wegen. Doch auch diese Variante schließt wieder eine mögliche Zielgruppe aus: »Den älteren Menschen auf dem Land, die kein Smartphone haben, bringt das wenig«, meint Sasse.

In Niedersachsen, wo die Idee der Mitfahrbank in den vergangenen Jahren entstanden ist, setzen einige Kommunen auf ein Registrierungssystem in analoger Form. Wer einen Platz im Auto frei hat und jemanden mitnehmen möchte, kann sich vorher bei der Stadt oder der Kommune registrieren lassen. Liegen die Daten des Fahrer vor, bekommt er eine Plakette für sein Auto, die ihn quasi als »geprüfte Mitfahrgelegenheit« zertifiziert. Die Registrierung erfolgt in der Regel auf freiwilliger Basis, die Plakette ist fast immer kostenlos.

»Diese Möglichkeit ist im Kreis Höxter auch bekannt, wird bisher allerdings nirgendwo genutzt«, sagt Thomas Fuest, Pressesprecher des Kreises Höxter. Berichten mehrerer niedersächsischer Bürgermeister und Ortsvorsteher zufolge hat aber auch die Plaketten-Variante das Interesse an den Mitfahrbänken nicht merklich erhöht.

Mitfahrbank bleibt ein zukunftsträchtiges Modell

Hubertus Kuhaupt sieht das Projekt in Welda trotzdem noch nicht gescheitert. Aus seiner Sicht liegt das Problem auch nicht im Sicherheitsaspekt. »Die Leute hier haben sich in den letzten Jahren so arrangiert, dass diese Lücke in der Mobilität gar nicht vorhanden ist. Wer kann, nimmt den Bus oder bildet eine Fahrgemeinschaft.«

Wegen der guten Radweganbindung würden auch nicht wenige das Fahrrad nutzen, um von A nach B zu kommen. Junge Leute unter 16 Jahren, die außerhalb der Busfahrzeiten unterwegs sind und die Bank aus Sicherheitsgründen nicht nutzen dürfen, »nutzen sie sowieso nicht«.

Kuhaupt hofft, dass bei den Leuten dennoch »irgendwann der Groschen fällt«. Gerade im Bezug auf Umweltfreundlichkeit sei die Mitfahrbank ein zukunftsträchtiges Modell. »Und auch die soziale Komponente ist wichtig: Man ist nicht mehr allein unterwegs«. Das sieht Leader-Regionalmanagerin Christiane Sasse ähnlich: »Die Bänke sollten nie als Kompaktlösung gesehen werden, sondern als Ergänzung und Ansatz zur Lösung der Mobilitätsprobleme auf dem Land.«

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