Gymnasium Marianum bietet Gender-Themenwoche für Achtklässler an
Schüler befassen sich mit Rollenklischees

Warburg (WB/vsm). Die Pubertät stellt Jugendliche vor neue Herausforderungen. Neben körperlichen Veränderungen bedeutet das Erwachsenwerden auch, sich zu fragen: Wo geht es beruflich hin? Welche Erwartungen stellt die Gesellschaft an mich und was möchte ich selbst aus mir machen?

Freitag, 08.02.2019, 12:00 Uhr
In die Rückenlage schickte Thomas Volmert die Schüler bei den Atemübungen im Workshop »Irgendwie ist´s anders ...«, der sich nur an die Jungs richtete. Foto: Verena Schäfers-Michels

Im Rahmen einer Gender-Themenwoche, die das Gymnasium Marianum zum zweiten Mal mit den Schülern der Jahrgangsstufe 8 durchführte, konnten sich die Mädchen und Jungen in Workshops mit verschiedenen Themen wie Rollenklischees, Selbstbestimmung und Selbstdarstellung auseinandersetzen. »Das Projekt wird von den Schülern gut angenommen«, sagt Projektleiterin Olivia Lücke. »Besonders gut gefällt ihnen, dass fremde Fachkräfte mit ihnen in den Workshops arbeiten, die nach Abschluss der Themenwoche auch wieder weg sind.« Auf diese Weise könnten sich die Mädchen und Jungen besser öffnen und ständen keinen Lehrern gegenüber, denen sie im Schulalltag immer wieder begegneten.

Eigens für Jungen trainierte der ehemalige Musiklehrer Thomas Volmert die Stimme mit Übungen für Atmung, Phonation und Klangformung. Dafür mussten die Jungen sich auch in die Rückenlage begeben. In geschützter Atmosphäre sprachen die Mädchen zeitgleich über Sexualität und die damit einhergehende Verantwortung. Über den eigenen Körper zu sprechen und Fragen zu stellen, die einem als Jugendlicher durch den Kopf gehen, das erfordert Mut – und gerade die Jungen seien zuerst peinlich berührt und würden sich nur allmählich öffnen, hat die Pädagogin beobachtet.

Gemeinsam gegen Vorurteile

Zudem habe sich das Rollenbild für Mädchen in den vergangenen Jahrzehnten geöffnet. Fußballspielende Mädchen in handwerklichen Berufen sind keine Besonderheit mehr, während ein Junge in pinker Kleidung oder mit einem Puppenwagen als Spielzeug durchaus noch schief angeguckt werde. »Wir haben festgestellt, dass viele Vorurteile gar nicht stimmen«, erzählt Schülerin Berit. Anna ergänzt: »Angeblich sind Jungen sportlicher, aber im Workshop waren durchaus die Mädchen schneller.«

In fünf Themengebieten – von Rollenwahrnehmung und -klischees bis hin zur Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken und den damit verbundenen Gefahren – wurden in der Woche vor den Halbjahreszeugnissen acht Workshops angeboten, in denen außerschulische Fachkräfte wie Daniela Luca vom Sportverein Warburg und die Erziehungswissenschaftlerinnen Isabell Schröder und Mareike Stöver vom AWO Kreisverband Höxter sich in gemischten oder geschlechtergetrennten Gruppen zusammensetzten.

Schule ist bisher Vorreiter im Bereich Gender-Konzeption

Auftakt war ein Filmabend mit den Eltern im Warburger Cineplex-Kino. Dort wurde »Der Junge muss an die Luft«, beruhend auf dem autobiografischen Roman von Hape Kerkeling, gezeigt. Der Film handelt von der Kindheit des späteren Entertainers, der zum einen versucht, seiner depressiven Mutter zu helfen und andererseits Erwartungen und Rollenklischees durchbricht, indem er an seinem Traum, Komiker zu werden, festhält. Eben das sei auch das Ziel der Gender-Themenwoche. »Natürlich können wir keine konkreten Ziele in einer Woche erreichen«, sagt Lücke, »aber die Moderatoren sensibilisieren die Jugendlichen und öffnen ihren Blick. Wir wollen Kinder stark machen.«

Über das Projekt soll im Anschluss auch im zweimal jährlich erscheinenden Newsletter für Gleichstellung am Arbeitsplatz, in der Schule und im Studienseminar, das vom NRW-Schulministerium herausgegeben wird, berichtet werden. Das Gymnasium Marianum ist im Bereich Gender-Konzeption noch ein Vorreiter.

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