Versammlung in Hohenwepel: 500 Demonstranten empfangen Südzucker-Vorstand
Börde steht hinter »ihrer« Zuckerfabrik

Warburg (WB). 500 Demonstranten und 200 Trecker haben am Dienstagabend gezeigt, wie stark die Börde hinter »ihrer« Zuckerfabrik steht.

Mittwoch, 06.02.2019, 03:30 Uhr
Etwa 500 Demonstranten haben vor der Gemeindehalle in Hohenwepel gegen die geplante Schließung der Warburger Zuckerfabrik protestiert. Viele von ihnen kamen mit schwerem Gerät: Etwa 200 Trecker säumten die Straßen des Bördedorfes. Foto: Daniel Lüns

Während die Menschen vor der Gemeindehalle in Hohenwepel gegen die geplante Schließung des Werkes demonstrierten, erläuterte Südzucker-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg in der Halle vor 300 Rübenanbauern die Konzernpläne.

Demonstration in Hohenwepel

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Foto: Daniel Lüns
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Die Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal und die Regionalbewegung hatten den Treckerkorso organisiert, der in Hohenwepel endete.

Landwirt und BI-Sprecher Josef Jacobi aus Körbecke war beeindruckt von den vielen Lichtern der Trecker in der Dunkelheit: »Das Gefühl ist einmalig, da kommen einem fast die Tränen.« Er gab sich kämpferisch: »Wir lassen den Mut nicht sinken, fahren auch nach Mannheim zum Konzernsitz, wenn es sein muss!«

Große Solidarität mit Beschäftigten und Landwirten

Neben den Landwirten und Beschäftigten des Zuckerwerkes waren auch zahlreiche Bürger, Politiker und Mitarbeiter der Stadtverwaltung nach Hohenwepel gekommen, um für den Erhalt der Zuckerfabrik zu kämpfen. Mehrere hundert Teilnehmer säumten die Straßen.

Betriebsrat von Schließungsplänen geschockt

Die Nachricht vom drohenden Aus für die Zuckerfabrik war laut Betriebsratsvorsitzendem Christian Rose ein Schock. »Wir sind um Schadensbegrenzung bemüht. Wir wollen das Blatt noch wenden«, sagte er.

Ferdinand Stamm versicherte als Vertreter des Rübenanbauerverbandes, dass man für die Interessen der Anbauer kämpfen werde.

»Existenzen zählen hier nicht. Nur der Profit zählt.«

Thomas Stiene

Die Demonstranten dürften dies gern gehört haben. »Existenzen zählen hier nicht. Nur der Profit zählt«, sagte etwa Thomas Stiene (50) zu den Schließungsplänen. Seit 34 Jahren arbeitet er in der Zuckerfabrik. »Wir wollen hier Flagge zeigen und kämpfen.« Deswegen war auch Sohn Luca (17) mitgekommen, »damit mein Vater den Job nicht verliert«.

»Ich hoffe, dass heute deutlich wird, was alles an der Fabrik dranhängt«, sagte Chiara Müller (21) aus Daseburg. Ihr Vater Hubertus (56) baut Rüben an. »Es geht ja nicht nur um die Fabrik, sondern auch um die Menschen.«

Sarah Benke-Steffens mit Dackel Trixi.

Sarah Benke-Steffens mit Dackel Trixi. Foto: Daniel Lüns

Viele Demonstranten hatten als Zeichen ihres Protestes gelbe Warnwesten angezogen. Damit taten sie es den Landwirten gleich. Sarah Benke-Steffens aus Hohenwepel hatte auch Dackeldame Trixi eine kleine Weste angezogen. Der Vater der 14-Jährigen ist einer der Rübenanbauer.

Resolution überreicht

Der Vorstand des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes hat am Montag eine Resolution zur geplanten Schließung der Warburger Zuckerfabrik verabschiedet. Gestern übergab der Vorsitzende des Kreisverbandes, Antonius Tillmann, das Dokument an Südzucker-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg.

Südzucker-Vorstandsmitglied spricht über Zuckermarkt

In der Halle stellte Kirchberg fest, dass das Überangebot an Zucker auf dem Weltmarkt zu einem gewaltigen Preissturz geführt habe. Aktuell erlöse der Konzern für eine Tonne Zucker in Mitteleuropa 320 Euro, für einen erträglichen Rübenpreis wären aber über 400 Euro notwendig.

Südzucker sei zurzeit nicht in der Lage, Zucker kostendeckend auf den Markt zu bringen.

Geschäftsbereich Zucker mit hohen Verlusten

Diese Situation spiegelt sich nach Angaben des Vorstandes auch in der Bilanz wider: Kirchberg rechnet damit, dass allein der Geschäftsbereich Zucker im laufenden Wirtschaftsjahr, das am 28. Februar endet, einen Verlust von 150 bis 250 Millionen Euro ausweisen muss.

Rückführung der Produktionsmengen

Nach Meinung von Dr. Thomas Kirchberg geht an einer Rückführung der Produktionsmengen daher kein Weg vorbei.

Um die Auslastung der Werke nicht zu gefährden, komme nur die Schließung einzelner Fabriken in Frage. Der Vorstand sehe für Warburg als Standort mit relativ hohen Produktionskosten, größerem Investitionsbedarf, begrenzter Innenstadtlage und unsicherer Genehmigungslage keine Chance für die Zukunft.

Sein Verband sei von der Dramatik und Geschwindigkeit der Entwicklung überrollt worden und bei den Entscheidungen nicht eingebunden gewesen, so der Vorsitzende des Zuckerrübenanbauerverbandes Kassel, Georg Koch. Dem Verband gehören auch die Rübenanbauer aus der Region an.

Die Anwesenden zeigten sich schwer enttäuscht von ihrem Rübenabnehmer. Sie sind aber von einem Fortbestand des Rübenanbaus in der Region überzeugt.

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