Stickeln: Konzern soll Zuckerfabrik erhalten – Gewerkschaft will Alternativen zur Schließung aufzeigen
Bürgermeister schreibt Brandbrief an Südzucker

Warburg (WB). In einem Brandbrief, der an den Vorstand und Aufsichtsrat der Südzucker AG gerichtet ist, bittet Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln darum, die angekündigte Schließung der Warburger Betriebsstätte noch einmal grundlegend zu überdenken. Die Beschäftigten des Zuckerwerkes wurden am Freitag in einer Belegschaftsversammlung über die Sparmaßnahmen der Südzucker AG informiert.

Freitag, 01.02.2019, 21:30 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 08:40 Uhr
Die Warburger Zuckerfabrik ist neben dem Desenberg das Wahrzeichen der Hansestadt. Foto: Karl-Heinz Wiemers

»Wir werden dem Konzern bis zur entscheidenden Aufsichtsratssitzung am 25. Februar Alternativen zur Schließung des Warburger Werkes aufzeigen, um die 60 Arbeitsplätze zu retten«, kündigte Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an.

»Rübenanbauer und Beschäftigte stehen vor einer ungewissen Zukunft, sie bangen um ihre Existenz. Das dürfen wir nicht hinnehmen und müssen gemeinsam für den Erhalt des Werks kämpfen«, sagte Boudih im Anschluss an die Versammlung. Er warnte allerdings davor, sich allzu großen Illusionen hinzugeben. Er hofft aber, dass die Rübenanbauer vom Konzern Angebote erhalten, ihre Rüben woanders abzuliefern, sollte die Fabrik dicht machen.

NGG: Politik hat versagt

Die Politik trage große Mitschuld an der Krise in der Zuckerindustrie. Boudih warf ihr »Versagen« vor: »Die Bundesregierung hat es versäumt, nach dem Ende der Zuckermarktordnung für einen fairen und freien Wettbewerb in Europa zu sorgen.«

Nun sei Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gefordert, die Rübenanbauer und Beschäftigten in der Zuckerindustrie mit Sofortmaßnahmen zu unterstützen. Es sei wichtig, dass es in der EU nicht weiter zu Wettbewerbsnachteilen aufgrund von ungleichen Rübenbeihilfen und Unterschieden bei der Pflanzenschutzmittelzulassung komme.

Bürgermeister Michael Stickeln hat der Südzucker AG am Freitag einen Brief geschickt. »Die Warburger Zuckerfabrik ist ein wichtiger, elementarer und unersetzlicher Bestandteil unserer ländlich geprägten Region und deshalb aus der Warburger Börde schlicht nicht wegzudenken«, schreibt das Stadtoberhaupt in dem Brief.

Stickeln sieht Konzern in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung

Und weiter heißt es: »Ich sehe ein Unternehmen wie die Südzucker AG mit ihrem Standort in Warburg, der 1882 ›von Bauern für Bauern‹ gegründet wurde, auch in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für die Mitarbeiter und deren Familien, Verantwortung aber auch für den ländlichen Raum und die hiesige Region von und in der sie seit 1882 gelebt haben.« Eindringlich bittet Stickeln die Konzernspitze darum, »dies bei Ihrer Entscheidung über den Restrukturierungsplan mit einzubeziehen und die Entscheidung zur Aufgabe der Betriebsstätte in Warburg zu revidieren«.

Als Kind der landwirtschaftlich geprägten Warburger Börde fühle er sich eng und emotional mit den heimischen landwirtschaftlichen Betrieben, Einrichtungen und Bauern verbunden, so Stickeln: »Bereits mit meinem Amtsantritt als Bürgermeister in Warburg im Jahre 2004 stand ich Seite an Seite mit unseren Rübenbauern, um bei den sogenannten Mahnfeuern gegen die geplante Zuckermarktreform zu protestieren.«

Die Zuckerfabrik selbst – als bestmöglich in der Mitte Deutschlands gelegener Standort mit hervorragender verkehrlicher Anbindung – stelle in Warburg weit mehr dar als nur ein Industrieunternehmen unter vielen: »Für unsere Stadt wie die gesamte umliegende Bördelandschaft und die Region bedeutet sie vielmehr ein echtes und unverwechselbares Wahrzeichen, und auch über die Landesgrenze hinaus bringt man Warburg mit der Zuckerfabrik in Verbindung. Gegründet 1882, und damit ältestes Unternehmen in Warburg, fungiert sie schon immer als ein identitätsstiftendes Merkmal unserer Region. Generationen sind aufgewachsen mit dem prägnanten Duft der Melasse und den mit Rüben beladenen Treckergespannen auf den Straßen, stets zusammenfallend mit dem Auftakt des überregional bekannten und weithin beliebten Volksfestes, der Oktoberwoche.« Schließlich biete die Warburger Börde auch einen der besten und ertragsreichsten Böden in ganz Deutschland.

Die Stadt Warburg verstehe sich als Partner der heimischen Wirtschaft und habe die Zuckerfabrik bei sämtlichen Vorhaben in der Bauleitplanung wie sonstigen Genehmigungsverfahren unterstützt und hierbei Rücksicht auf die Interessen des Werkes genommen. »Zuletzt etwa in der Erweiterung der Zuckerrübenkampagne, welche für 2019 vor der Genehmigung steht, bei dem Ausbau der Infrastruktur durch Errichtung der neuen Anbindungsstraße an die B 252 oder aber in der Schaffung von Erweiterungsmöglichkeiten zur Kapazitätserhöhung der Rübenauslastung, wie zuletzt 2015« wie Stickeln in dem Brief betont.

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