Kreisweit große Solidarität – Landrat kündigt Resolution für Erhalt der Zuckerfabrik an
»Wir stehen an eurer Seite«

Warburg (WB). Die Nachricht, dass die Südzucker AG ihre Warburger Zuckerfabrik Anfang 2020 dicht machen will, hat im Warburger Land für große Betroffenheit gesorgt.

Freitag, 01.02.2019, 09:54 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 11:04 Uhr
Die Nachricht, dass die Südzucker AG ihre Warburger Zuckerfabrik Anfang 2020 dicht machen will, hat im Warburger Land für große Betroffenheit gesorgt. Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln will alles daran setzen, das im Jahr 1882 gegründete Werk doch noch zu retten. Foto: Karl-Heinz Wiemers

Wie berichtet, hatte der Vorstand der Südzucker AG dem Aufsichtsrat am Mittwoch entsprechende Pläne vorgelegt. Dessen Zustimmung gilt als Formalie. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES wird der Aufsichtsrat am 25. Februar tagen und über die Werksschließung entscheiden.

Bürgermeister Stickeln

Trotzdem will Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln alles daran setzen, das Werk zu retten. »Es bleibt uns nicht viel Zeit. Wir müssen und werden Druck auf dem Kessel machen«, sagt Stickeln. Er werde das Gespräch mit Vorstand und Aufsichtsrat der Südzucker AG suchen und weiß Landrat Friedhelm Spieker dabei an seiner Seite. Der heimische Landtagsabgeordnete Matthias Goeken (CDU) sowie Vertreter der Landwirtschaft haben ihm ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt. »Wir müssen gemeinsam als Stadt und mit allen Kräften aus Landwirtschaft und Politik zusammenhalten. Wir kämpfen für die betroffenen Mitarbeiter und unseren Standort«, bekräftigt Stickeln.

Landrat Spieker

Auf dem Kreisbauerntag in Brakel kündigte Landrat Friedhelm Spieker eine Resolution im Kreistag für den Erhalt der Fabrik an. Die Sitzung ist am kommenden Donnerstag, 7. Februar. Spieker forderte einen Treckerkorso der Landwirte, um der Südzucker AG Druck zu machen. Brakels Bürgermeister Hermann Temme formulierte eine Solidaritätsadresse an die Warburger: »Ihr seid nicht allein, wir stehen an eurer Seite.«

Gewerkschaft NGG

Thomas Bernhard, Referatsleiter für die Zuckerindustrie bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), geht allerdings davon aus, dass zukünftig wohl keine Zuckerrüben mehr im Warburger Land angebaut werden. »Die Verträge müssen noch erfüllt werden, darum geht es noch bis Anfang 2020 weiter. Aber dann ist Schluss.« Bernhard macht eine »verfehlte Landwirtschaftspolitik und das Ende der Zuckermarktordnung« für die drohende Schließung des Werkes verantwortlich. »Überall in Europa wird die Zuckerindustrie subventioniert, gibt es sogar Ausnahmegenehmigungen bei der Pflanzenschutzmittelzulassung, nur in Deutschland werden die Anbauer im Regen stehen gelassen«, sagt Bernhard.

Den rund 60 Beschäftigten der Zuckerfabrik will die Gewerkschaft beistehen. »Wir werden uns dafür einsetzen, dass sie an anderer Stelle im Konzern unterkommen oder ihre Kündigungen sozialverträglich abgefedert werden«, erklärt der NGG-Referatsleiter. Am heutigen Freitag wird es im Warburger Werk eine Belegschaftsversammlung geben, an der auch der Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft NGG, Mohamed Boudih, teilnimmt.

Bioprodukte bald in Rain

Nach Informationen dieser Zeitung wird die Südzucker AG in ihrem Zuckerwerk im süddeutschen Rain zukünftig ihre Bioprodukte herstellen lassen – eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal des Warburger Werkes, wo bislang brauner Zucker und Biozucker für den gesamten Konzern erzeugt wurden. Nach der Ernte, die im Herbst 2019 eingefahren wird, soll in der Kampagne 2019/2020 mit der Bioproduktion in Rain begonnen werden.

Die Südzucker AG will die Rübenanbauer in der Region auf den Winterversammlungen über die anstehenden Sparmaßnahmen informieren. So wird ein Vorstandsmitglied des Konzerns bereits am kommenden Dienstag, 5. Februar, ab 19.30 Uhr in der Gemeindehalle Hohenwepel die weiteren Pläne des Unternehmens erläutern.

Rübenanbauer Peine

Landwirt Christoph Peine aus Daseburg, Mitglied des Verbandsausschusses der Rübenanbauer Kassel, hofft, dass die Zuckerfabrik in Wabern Teile der bislang in Warburg angelieferten Rüben übernehmen kann. »Ob sich eine Fahrt nach Wabern bei den Frachtkosten überhaupt lohnt, müssten wir Rübenanbauer uns dann gut überlegen«, sagt Peine. »Der Konzern will ja 700.000 Tonnen Zucker weniger produzieren, da benötigt er ja vielleicht gar nicht mehr so viele Bauern und wir müssen uns etwas suchen, was wir stattdessen anbauen.«

Tillmann: Flächen halten

Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, macht deutlich, dass es auch darum gehen müsse, die Rübenanbauflächen in der Region zu halten. »Die angekündigten Kürzungen dürfen nicht hier passieren«, sagte der Bonenburger. Die Rübe sei immer eine sichere Bank und eine gute Einnahmequelle für die Bauern gewesen. Darüber hinaus sei sie in der Fruchtfolge wichtig.

Bezirksregierung

Wie berichtet, waren Landwirte aus dem Warburger Land Anfang Januar, zum Ende der jüngsten Kampagne, mit ihren Rüben zur Zuckerfabrik nach Wabern gefahren, weil die Betriebsgenehmigung für das Warburger Werk, die im Zuge des Lärmschutzes bei jeder Kampagne erforderlich ist, nur bis Jahresende gegolten hatte.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt die zuständige Bezirksregierung Detmold, dass die zeitliche Erweiterung der Kampagne genehmigungsfähig sei. Nach Angaben von Pressesprecher Andreas Moseke steht das Verfahren kurz vor dem Abschluss. »Der Entwurf der Genehmigung geht seitens der Bezirksregierung zeitnah ins Anhöhrungsverfahren an den Betreiber, um sich über noch offene Fragestellungen zu einigen«, erläutert Moseke. Da es sich um einen Kampagnenbetrieb handelt, beziehe sich die Genehmigung auf die Kampagne im Herbst 2019.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6361868?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
BGE: Deckgebirge in Gorleben nicht ausreichend für Endlager
Stefan Studt (r.), BGE-Vorsitzender und Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung der BGE, zeigen eine Landkarte mit Teilgebieten für die Endlagersuche.
Nachrichten-Ticker