Südzucker will Warburger Werk nach 137 Jahren aufgeben
Stickeln: »Uns erwischt das kalt«

Warburg (WB). Die Absicht der Südzucker AG, das Warburger Zuckerwerk zu schließen, sorgt für große Betroffenheit im Warburger Land.

Donnerstag, 31.01.2019, 14:11 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 14:34 Uhr
Die Zuckerfabrik ist die älteste Industrieansiedlung in Warburg. Der süßliche Geruch im Herbst gehört zur alten Hansestadt. In diesem Jahr wird man ihn wohl zum letzten Mal riechen können. Das Werk soll geschlossen werden. Foto: Karl-Heinz Wiemers

Die Sparmaßnahme ist Teil eines Restrukturierungsplans. Der Aufsichtsrat der Südzucker AG muss den Plänen des Vorstandes noch zustimmen. Als Grund für die Maßnahme verwies der Konzern auf den aktuellen Zuckerpreis, der sich auf »einem historisch niedrigen Niveau« befinde. Geplant sei, die Ernte, die im Herbst 2019 eingefahren wird, noch zu verarbeiten. Demnach könnte die Zuckerfabrik bis Anfang 2020 geöffnet bleiben. Spätestens dann würden allerdings die Lichter ausgehen.

Ältestes Industrieunternehmen in der Hansestadt

Bürgermeister Michael Stickeln reagierte auf diese Nachricht betroffen. »Uns erwischt das kalt«, sagte er. Seit Jahren pflege die Hansestadt gute Kontakte zum Vorstand und auch zum Aufsichtsrat der Südzucker AG. »Wir haben immer eng miteinander kooperiert. Aber es gab nie ein Signal, dass das Werk in Warburg in Gefahr sein könnte«, erklärte er. Für den Erhalt der Zuckerfabrik, dem ältesten Industrieunternehmen in Warburg, will Stickeln nun kämpfen: »Vielleicht können wir das Drama ja noch abwenden.«

Hiobsbotschaft stimmt Landwirte traurig

»Die Nachricht von der drohenden Schließung des Werkes stimmt mich sehr traurig«, sagte Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter. »Damit wäre nach dem Milchwerk in Rimbeck auch der letzte Verarbeitungsbetrieb von landwirtschaftlichen Produkten weg«, bedauert der Landwirt aus Bonenburg. »Das Werk ist ein Wahrzeichen der Stadt, der süßliche Duft der Zuckerrüben und der Rauch aus dem Schlot gehören zu Warburg wie die Oktoberwoche.«

Er habe schon vor einiger Zeit gehört, dass die Südzucker AG plane, ihre Bioprodukte nicht mehr in Warburg produzieren zu lassen. »Da habe ich schon die schlimmsten Befürchtungen gehabt, die sich nun wohl bestätigen.« Es müsse nun auch seitens der Bauern alles unternommen werden, das Werk zu retten. »Auch wenn wir uns keine Illusionen machen dürfen.« Probleme bei der Verkehrsanbindung sowie beim Lärmschutz seien nach Angaben von Antonius Tillmann mögliche Gründe für die Südzucker AG gewesen, sich für eine Schließung des Werkes auszusprechen.

Anfang Januar, zum Ende der jüngsten Kampagne, seien bereits Landwirte zur benachbarten Fabrik in Wabern gefahren, berichtete Tillmann. Denn die Betriebsgenehmigung für das Warburger Werk, die im Zuge des Lärmschutzes erforderlich sei, habe nur bis Jahresende gegolten und sei von der Bezirksregierung nicht verlängert worden, so Tillmann. Es sei sehr realistisch, dass die Produktion nach Ende des Warburger Werkes komplett nach Wabern verlagert wird.

Werk in Warburg besteht seit 1882

Das Werk in Warburg besteht seit 1882. Es beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter, die während der Kampagne um 20 Saisonkräfte aufgestockt werden. Verarbeitet werden jährlich zwischen 500.000 und 600.000 Tonnen Zuckerrüben. Das Werk zählt zu den kleineren der neun Südzucker-Fabriken in Deutschland. 800 Landwirte liefern die Rüben. Das Einzugsgebiet reicht von Dortmund bis Holzminden.

Nur in der Warburger Zuckerfabrik werden brauner Zucker und Biozucker für den gesamten Konzern erzeugt – »ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für unser Werk«, wie Werksleiter Dr. Stefan Mondel noch im September 2018 betont hatte. 2018 hatte die Südzucker AG einen sechsstelligen Betrag in die Errichtung eines neuen Sedimentationsbeckens investiert. Die Anlage sollte noch während der laufenden Kampagne fertiggestellt werden. In dem Becken wird das Wasser-Schlamm-Gemisch aufgefangen, das bei der Reinigung der Rüben anfällt. »Diese Investition ist ein deutliches Bekenntnis der Südzucker AG zum Standort Warburg«, hatte Mondel im September bekräftigt. Dieses Bekenntnis ist nun wohl hinfällig.

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