Wegfall der EU-Zuckermarktordnung gefährdet viele Arbeitsplätze in Deutschland
Zuckerfabrik in Warburg vor dem Aus

Warburg/Mannheim (WB). Der Wegfall der EU-Zuckermarktordnung gefährdet die Arbeitsplätze zahlreicher Beschäftigter der Zuckerindustrie: Nach der Ankündigung von Stellenstreichungen bei Nordzucker kündigte Europas Branchenprimus Südzucker an, zwei seiner neun Werke in Deutschland zu schließen: Dabei handelt es sich um die Zuckerwerke in Warburg (60 Mitarbeiter) und Brottewitz in Brandenburg (90 Mitarbeiter).

Donnerstag, 31.01.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 11:34 Uhr
Die Werke sollen noch den nächsten Ernte­zyklus im Herbst mitnehmen. Foto: Karl-Heinz Wiemers

Ein entsprechender Vorstandsbeschluss von Südzucker mit Sitz in Mannheim muss aber noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden, teilte ein Unternehmenssprecher gestern mit. Die Werke sollen noch den nächsten Ernte­zyklus im Herbst mitnehmen. Eine Schließung würde dann frühestens Ende 2019 erfolgen. Betroffen wären dann auch Hunderte Bauern.

Überdies solle die jährliche Zuckerproduktion von derzeit 5,9 Milliarden Tonnen um bis zu 700.000 Tonnen zurückgefahren werden, sagte Südzucker-Pressesprecher Dominik Risser. Ziel sei eine Einsparung von 100 Millionen Euro im Jahr.

Paket an Sparplänen

Risser zufolge gebe es zudem noch ein »ganzes Paket« von weiteren Sparplänen. So könnten auch an den anderen Standorten Jobs wegfallen – auch in der Verwaltung. Südzucker betreibt insgesamt 29 Zuckerwerke.

Hintergrund der Maßnahmen ist der Preisverfall von Zucker. Risser zufolge liegt der Preis in Europa auf einem historischen Tiefststand. Zuckerproduzenten wie Thailand oder Indien würden mit Exportsubentionen gestützt. Der Markt sei weltweit völlig unreguliert. Wegen des aus Branchensicht nur vermeintlich liberalisierten EU-Zuckermarktes rechnet Südzucker im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 (Ende Februar) erstmals mit einem größeren Verlust von 150 bis 250 Millionen Euro in der Zuckersparte – nach einem Gewinn von 139 Millionen Euro im Vorjahr. Im dritten Quartal lag der Verlust bei 80 Millionen Euro. Weitere Sparten von Südzucker sind Bioethanol und Tiefkühlfertiggerichte. Insgesamt beschäftigt Südzucker 18.500 Mitarbeiter, davon 2500 in der Zuckersparte in Deutschland.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte die Bundesregierung auf, sich für fairen Wettbewerb einzusetzen. Es könne nicht sein, dass 19 EU-Staaten Zuckerrübenbauern und Werke subventionierten und nur Deutschland die vor über einem Jahr getroffene Vereinbarung zu einem offenen Markt befolge – mit womöglich bitteren Folgen für die etwa 9000 Beschäftigten der gesamten Branche.

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