Rolf Lange, Ex-Vorstandssprecher der Volksbank Warburger Land, im Interview
Vom Banker zum Buchautor

Warburg/Willebadessen (WB). Das Berufsleben von Rolf Lange (75) war viele Jahre geprägt von Zahlen, im Ruhestand hat er sich der Literatur zugewandt und betätigt sich als Autor. Der ehemalige Vorstandssprecher der Volksbank Warburger Land (heute: Vereinigte Volksbank) hat in seinem aktuellen Buch »Das Dorf E. – in Trizonesien« seine Kindheit in Willebadessen-Eissen in den Nachkriegsjahren beschrieben. WB-Redakteur Ralf Benner hat mit ihm über seine Leidenschaft für das Schreiben und sein neuestes Werk gesprochen.

Freitag, 01.02.2019, 13:02 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 15:22 Uhr
Der frühere Vorstandssprecher der Volksbank Warburger Land, Rolf Lange (75), hat das Schreiben für sich entdeckt. Zuletzt hat er ein Buch über seine Kindheit in Willebadessen-Eissen geschrieben. Foto: Ralf Benner

Herr Lange, Sie waren als Bankchef der Herr über die Zahlen. Wie haben Sie zum Wort, zum Schreiben gefunden?

Rolf Lange: Mit Vollendung des 65. Lebensjahres habe ich mich aus dem Berufsleben verabschiedet. Ich hatte nun mehr Zeit für mich, widmete mich intensiver der Ölmalerei und der Literatur. Es ist schön, am Abend Gedanken und Eindrücke des Tages niederzuschreiben. So entstand im Herbst 2016 mein erstes Werk »intermezzo«, ein Büchlein nur für Verwandte und Freunde.

 

Die Erinnerungen an Ihre Kindheit in Eissen, besagtes Dorf E. in Trizonesien, waren ursprünglich nur für Ihre Enkelkinder gedacht. Mittlerweile wurden mehr als 700 Exemplare des Buches verkauft. Hat Sie dieser Erfolg überrascht?

Lange: Der Erfolg hat mich sehr gefreut, bedenkt man, dass Eissen selbst nur 650 Einwohner zählt. Das Buch war für meine fünf Enkelkinder bestimmt, sie haben es zu meinem 75. Geburtstag auch bekommen. Natürlich wussten ein paar Freunde und Verwandte von dem Buch und wollten es gerne haben. Nach Zustimmung der Enkelkinder bekamen sie es auch.

 

Wie erklären Sie sich die ­große Resonanz auf Ihr Buch?

Lange: Es waren fast immer Menschen meiner Generation, die an dem Buch interessiert waren. Es hat bei ihnen Erinnerungen geweckt. Sie wollen ihren Enkelkindern mit Hilfe des Buchs auch von der Nachkriegszeit berichten, das war ursprünglich auch meine Absicht beim Schreiben. Ich fing mit einer kleinen Auflage von 50 Exemplaren an. Schnell zeigte sich, dass Freunde der Freunde und Verwandte der Verwandten das Buch auch gern wollten. Die Bücher gingen in alle Ecken Deutschlands und auch ins benachbarte Ausland, eines sogar in die USA.

 

Ein paar Exemplare des Buches wurden aber sicherlich auch von Eissenern erworben?

Lange: Ein paar Bücher gingen dann schließlich auch nach Eissen. Fritz und Dorothea Nutt waren die ersten, die es im Ort gelesen haben. Ortsbürgermeisterin Petra Engemann-Ludwig und Klaus Engemann, Vorsitzender des Bürgervereins, hatten die Idee, das Buch zum zehnjährigen Bestehen des Eissener Bürgervereins vorzustellen. Das hat natürlich beim Verkauf auch geholfen.

 

Werden Sie häufig auf das Buch angesprochen?

Lange: Ja, ganz erstaunlich. Auf der Straße oder beim Einkaufen werde ich in Warburg oft gefragt: »Haben sie nicht das Buch über Eissen geschrieben?«. Es sind Menschen in und um Warburg, die Wurzeln in Eissen haben oder Verwandte mit Wurzeln in Eissen.

 

Herr Lange, Sie wohnen heute in Warburg. Wann haben Sie in Eissen gelebt?

Lange: Ich habe von 1943 bis 1961 in Eissen gelebt. Geboren wurde ich im Kreiskrankenhaus Peckelsheim, dort ist heute das Rathaus der Stadt Willebadessen. Mein Elternhaus stand am Dorfrand von Eissen, am Teich. Noch weiter am Dorfrand wohnten Brands, sonst keiner. Dahinter bis zum Kornhaus und Stellwerk waren nur Gärten und Weiden.

 

Würden Sie insbesondere unseren jungen Lesern erklären, was Trizonesien ist?

Lange: Die Besatzungsmächte haben Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg unter sich aufgeteilt. Zur britischen und amerikanischen Zone kam die französische hinzukam; also tri = drei. Das war Trizonesien. Im Osten gab es dann die sowjetisch besetzte Zone. Berlin war in Ost und West geteilt, und das Saarprotektorat war eine autonome Region. Es gab und gibt auch ein Trizonesien-Lied. Ein Kölner hat zum Karneval das Lied »Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien« geschrieben. Es wurde nicht nur ein Karnevalshit, sondern war bis zur Gründung der Bundesrepublik sogar eine Ersatz-Nationalhymne.

 

Was treibt Sie im hohen Alter an? Warum schreiben Sie?

Lange: Wirklich aus »Spaß an der Freude«. Im so genannten Self Publishing ein Buch zu schreiben, ist im digitalen Zeitalter und mit den Möglichkeiten des Internets einfacher als gedacht. Ich kann Interessierten nur empfehlen, es einmal selbst auszuprobieren. Ich kenne in meiner Generation nicht wenige Menschen, die ihre Erinnerungen und Geschichten bereits aufgeschrieben in der Schublade liegen haben. Ich möchte sie ermutigen, meinem Beispiel zu folgen und ihre Aufzeichnungen als Buch drucken zu lassen.

 

Das macht aber sicherlich auch viel Arbeit?

Lange: Natürlich braucht das seine Zeit und man sollte schon PC-Kenntnisse haben, denn den Verlagen für Self Publishing kann man nur fertige Texte als PDF-Datei mailen. Vielleicht auch noch mit eigenem Cover – das hat bei meinen Büchern bisher eine Enkelin gemacht. Dann kann gedruckt werden. Mindestauflage: ein Buch. Interessierte sollten unbedingt aber auch Kontakt mit heimischen Druckereien aufnehmen. Dort gibt es Service und Hilfe, die man im Internet nicht bekommt.

 

Was empfehlen Sie Menschen, die ihr erstes Buch veröffentlichen wollen?

Lange: Sofort damit anfangen. Mir sagte ein 82-jähriger Mann, selbst Großvater, dass er immer noch gerne schreiben würde. Aber er habe mittlerweile das Gefühl, die Zeit laufe ihm davon.

 

Sie selbst gehen ja mit gutem Beispiel voran. Woran schreiben Sie zurzeit?

Lange: Nach drei autobiografischen Werken ist inzwischen mein erster Roman »Berlin – Ende einer Reise« gedruckt worden. Er hat bereits Lob bei Freunden gefunden. Angeboten wird der Roman im Buchhandel aber erst im Frühjahr dieses Jahres. Und vielleicht könnte daraus auch ein VHS-Seminar werden: »Wie schreibe ich mein erstes Buch?«.

Kontakt zum Autor

Interessierte sich melden bei Rolf Lange unter Telefon 0171/8123766 oder ­E-Mail an langewarburg@t-online.de.

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