Kabarettist Udo Reineke begeistert 250 Zuschauer in der Germeter Schützenhalle »Kannste nix von sagen«

Warburg (WB/vah). Kabarettist Udo Reineke hat am Montag den Einwohnern des Luftkurortes Germete und des Warburger Landes humorvoll den Spiegel vorgehalten. Mit seinem zweistündigen Vortrag »Irgen wat ist immer« war er Gast im Kulturprogramm zum 1000-jährigen Bestehen des Ortes.

Zwei Stunden begeisterte Udo Reineke das Publikum in Germete. Als Dank gab es von Jutta Baumhecker (Verkehrsverein, hinten Mitte) und Johannes Sonntag (Bücherei) anschließend eine Kiste Germeta Wasser und eine Flasche Diemelbrand.
Zwei Stunden begeisterte Udo Reineke das Publikum in Germete. Als Dank gab es von Jutta Baumhecker (Verkehrsverein, hinten Mitte) und Johannes Sonntag (Bücherei) anschließend eine Kiste Germeta Wasser und eine Flasche Diemelbrand. Foto: Jürgen Vahle

Der Nörder (52) war auf Einladung des Verkehrsvereins und der Bücherei zu den »Germeter Begegnungen« in die Schützenhalle gekommen. Die Halle war dafür erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte in eine Kleinkunstbühne verwandelt worden.

Reineke hatte zur Vorbereitung auf seinen Auftritt die Germeter Ortschronik »chelesen und allet«. Ebenso wie der Chronist, der damalige Ortslehrer Plass in den 60er Jahren, hüpfte er mühelos von einem größeren Themenkomplex zum nächsten – ohne aber die roten Fäden seine Rede zu verlieren: Warum ist Germete bis heute ein lebendiger Ort und warum wird er bis heute im Umland Saufhausen genannt?

Für Reineke steht fest: Germete habe stets von Neubürgern profitiert: Da sei »immer einer durchgeritten« und integriert worden. »Mischen ist possible«, sei die Germeter Devise. Es gebe sogar einen Mechanismus zur Integration: »Sich zuziehen mit Zugezogenen – also Schützenfest«. Bekannte Namen im Dorf wie Floren (Hugenotten) oder Colli (Italien) seien Beweis für eine gelungene Integration. Das unterscheide Germete von Großeneder, berichtete Reineke mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung dort. »In 211 Jahren sind die weg – und das heißt noch Großeneder. Da muss man an Lütgeneder gar nicht erst denken.« Oder Engar: »Da sind irgendwann nur noch Frösche.«

Warum Germete Saufhausen genannt wird, dafür hatte Reineke mehrere Erklärungsversuche. Es gebe da so einen »Germeter Urtrieb«. Im Mittelalter hätten die Germeter Bauern beispielsweise das Kloster Wormeln überfallen und den Weinkeller leer gesoffen. Bier sei zur Vorbeugung der Cholera statt Wasser getrunken worden. »Da hatten die Germeter Spaß dran!« Im 18. Jahrhundert seien daher sowohl ein Jungfrauenbund als auch ein Mäßigkeitsverein grandios gescheitert.

Natürlich ging Reineke auch auf die früheren Feindschaften zu den Nachbarorten ein. Mit Wormeln habe man sich lange nicht so gut verstanden, kein Wunder wenn der Sportverein Wormelia genannt wird. »Das klingt mehr nach Monatshygiene.« Und die Germeter hätten Karfreitag, dem höchsten evangelischen Feiertag, gerne mal Mist an der Grenze gefahren. »Das ist so, als würde man an Ramadan Mettbrötchen verteilen.«

Augenzwinkernd ging Reineke auch auf das Kurwesen ein. Im Kurpark könne man sich nicht verlaufen, »weil man von einem Ende zum anderen gucken kann.« Mit Bezug auf die vielen gebohrten Quellen sprach er Germete den Titel »Börde-Emirat« zu. Und zum Dauerproblem mit dem Hochwasser meinte der Kabarettist lakonisch: »Wirst du nicht von selber wach, dann weckt dich halt der Kälberbach.«

Am Ende des Programms waren die 250 Besucher restlos zufrieden und dankten mit lang anhaltendem Applaus. Ganz im Stile von Udo Reineke dürfte wohl so mancher gedacht haben: »Für zehn Euro kannste sowas nicht selber machen« – oder in Kurzform: »Kannste nix von sagen!«

Ein vollständiges Interview mit Udo Reineke lesen Sie hier.

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