Techwa GmbH macht Wohnungsauflösungen – schlimmster Einsatz: Studentenzimmer Putzen wie die Tatortreiniger

Warburg (WB). Ganzkörperanzug, Atemschutz, scharfe Chemikalien: In der versifften Studentenbude fuhr Marco Cavallo schwere Geschütze auf. »Wir sahen aus wie die Tatortreiniger«, erklärt der Geschäftsführer der Firma Techwa. Diese übernimmt Wohnungsauflösungen. Das WG-Zimmer war einer ihrer schwersten Fälle.

Von Daniel Lüns
Sicherheit steht an erster Stelle: Unser Symbolfoto zeigt, auf welche Schutzkleidung die Mitarbeiter der Firma Techwa bei ihrer Arbeit zurückgreifen müssen – Ganzkörperanzüge und Atemschutz etwa gehören in sehr dreckigen Wohnungen dazu.
Sicherheit steht an erster Stelle: Unser Symbolfoto zeigt, auf welche Schutzkleidung die Mitarbeiter der Firma Techwa bei ihrer Arbeit zurückgreifen müssen – Ganzkörperanzüge und Atemschutz etwa gehören in sehr dreckigen Wohnungen dazu.

Wohnungsauflösungen sind ein Zugeschäft

Das Unternehmen mit Sitz in Warburg und Niederlassungen in Kassel und Wolfhagen verdient mit Gebäude- und Straßenreinigung und dem Winterdienst seine Brötchen. Wohnungsauflösungen sind ein Zugeschäft, drei Einsätze hatten die Fachleute im vergangenen Jahr. »Die Zahlen variieren je nach Jahr«, erklärt Cavallo. »In Kassel zum Beispiel ist die Wohnungssituation zurzeit sehr knapp. Da gibt es wenige Auszüge. Und von zehn Auszügen muss nur etwa jede zehnte Wohnung grundgereinigt werden.«

Aber wenn das Telefon des Geschäftsführers klingelt, dann wartet manchmal ein schwerer Fall auf das Team. So wie beim Zimmer des Studenten. Leere Flaschen, Dreck, mit Flüssigkeiten getränkte Möbel und Teppiche, alte, gebrauchte Kondome, Gestank – »das war ganz schlimm«, erinnert sich Cavallo. Zwei Mitarbeiter waren einen Tag im Einsatz, um das Zimmer so gut es geht auf Vordermann zu bringen.

»Wir haben noch nicht einmal alles sauber bekommen. 15 große blaue Säcke mit Müll haben wir da rausgeholt«, erinnert er sich. Eine Freigabe, die vergammelten Möbel und Matratzen zu entsorgen, hatte das Team nicht. »Sonst hätten wir das auch übernommen.« Etwa 500 Euro kostete der Einsatz im kleinen 15-Quadratmeter-Zimmer schließlich. Für eine komplette Grundreinigung wären etwa 2000 Euro nötig gewesen.

Zustand der Wohnungen sind sehr unterschiedlich

»Meistens beauftragt uns der Besitzer der Wohnung oder die Hausverwaltung, wenn die Räume nach dem Auszug eines Mieters nicht zufriedenstellend sind«, erklärt Marco Cavallo. Der Geschäftsführer schaut sich die Wohnung dann zunächst an. Was soll gemacht werden? Wie viel Manpower wird dafür gebraucht? Welches Material muss eingesetzt werden? Diese Punkte schätzt er vor Ort ab und macht dann ein Angebot. Im Umkreis von 100 Kilometern um die Hansestadt ist die Firma aktiv.

»Manche Wohnungen müssen nur grob gereinigt und einmal gestrichen werden. In anderen wiederum ist so viel Schimmel, dass selbst unsere Reiniger nicht mehr helfen. Da müssen wir erst zur Drahtbürste oder zum Spachtel greifen«, erklärt er. Bei Bedarf kümmert sich das Team auch um die Entsorgung von Möbeln, Kleidung oder Geräten. Auch das Abreißen von Tapeten oder das Streichen von Wänden gehört zum Portfolio – je nachdem, was der Auftraggeber wünscht: »Wir machen Räume wieder bewohnbar.«

Der Zustand der Wohnungen und das Klientel, das dort gewohnt hat, seien sehr unterschiedlich. »Wir haben Wohnungen von Menschen gesäubert, die erst 20 Jahre alt waren. Andere Mieter waren 40 Jahre oder älter«, sagt Marco Cavallo. Hinzu kämen Wohnungen von alten oder dementen Menschen, die ins Heim ziehen.

Gut erhaltene Sachen werden gespendet

»In einem Fall ist jemand von jetzt auf gleich verschwunden. Der Briefkasten war seit zwei Monaten nicht mehr geleert worden. In der Wohnung haben wir auch zurückgelassene Kleidung oder Lohnabrechnungen gefunden. Die persönlichen Dokumente haben wir dann in einer Kiste zusammengesammelt und der Hausverwaltung übergeben.« Ob sie der Mieter je abgeholt hat – Cavallo weiß es nicht.

Wenn das Team der Techwa mit einer kompletten Grundreinigung beauftragt wird,

Marco Cavallo reinigt und spendet einige Sachen. Foto: Daniel Lüns

kann es die Dinge, die noch in einer Wohnung sind, auch behalten. Jacken, Hosen, Handtücher, Fahrräder, Möbel – was noch gut erhalten ist, wird mitgenommen und gereinigt. Verkauft werden die Dinge danach nicht. »Die Sachen sollten ja eh entsorgt werden. Dann spende oder verschenke ich sie lieber«, sagt Marco Cavallo. Dafür nimmt er Kontakt mit dem Ordnungsamt oder auch dem DRK auf, »um zu schauen, wo die Sachen wirklich gebraucht werden«.

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