Lustig: »Der letzte der feurigen Liebhaber« im PZ Linkische Verführungskünste

Warburg (WB). Ein einziges Mal möchte Barney Silberman etwas Aufregendes, einen Seitensprung, erleben. Doch der Fischrestaurantbesitzer hat ein Problem: Bei ihm bekommt frau leider keine weichen Knie.

Von Ralf Benner
Barney Silberman (Martin Lindow) versucht, bei der depressiven Jeanette (Sabine Kaack) zu landen. Ihr Klammern an der Handtasche regt ihn auf.
Barney Silberman (Martin Lindow) versucht, bei der depressiven Jeanette (Sabine Kaack) zu landen. Ihr Klammern an der Handtasche regt ihn auf.

Fremdgehen mit Hindernissen

Das ist die Ausgangssituation der Komödie »Der letzte der feurigen Liebhaber« von Neil Simon, die 1969 in New York uraufgeführt und vom Euro-Studio Landgraf auf die Bühne des Pädagogischen Zentrums gebracht wurde.

Eine Tragikomödie, die das Warburger Publikum sehr gut unterhalten hat. Wenngleich das Stück schon etwas Staub angesetzt hat, spielt es doch in einer Zeit, in der strengere Moralvorstellungen herrschten, die Hemmschwelle vor dem Fremdgehen größer war und es auch kein Internet oder Handys gab, die Untreuen eine Planung von Seitensprüngen heute erleichtern dürften.

Der Held der Geschichte, Barney Silberman, ist alles andere als ein Frauenheld: Die erotischen Erfahrungen des spießigen und verklemmten 47-Jährigen beschränken sich nahezu ausschließlich auf eine lange Ehe mit Gattin Helma, er trägt nur langweilige Sakkos – und er stinkt zudem nach Fisch.

Zuschauer amüsieren sich prächtig

Die Zuschauer amüsierten sich prächtig bei Barneys linkischen Versuchen, ausgerechnet in der penibel aufgeräumten Wohnung seiner Mutter eine fremde Frau ins Bett beziehungsweise auf die Ausziehcouch zu bekommen. Seine Damenwahl ist zudem mehr als unglücklich: die in Seitensprüngen erfahrene Elaine ist ihm zu aggressiv, die neurotische Schauspielerin und Nachtclub-Tänzerin Bobbi zu verrückt und Jeanette, die beste Freundin seiner Ehefrau Helma, zu depressiv. Barney kommt einfach nicht zum Zuge.

Das Publikum kommt dagegen voll auf seine Kosten. Herrlich, wie Barney, hervorragend gespielt von Martin Lindow, sich von Bobby (Yvonne Hotz) zu einem Joint verführen lässt und daraufhin beide enthemmt die Kontrolle verliert. Doch Sex? Fehlanzeige! Stark auch Sabine Kaack, die im ersten Akt auf der Bühne nicht nur Elaine verkörpert, sondern insbesondere als depressive Jeanette glänzt, die sich beim desaströsen Stelldichein mit Barney krampfhaft an die Handtasche klammert.

Als wirklich allerletzter der feurigen Liebhaber bleibt Barney am Ende seiner Frau treu. Die Moral verspricht eben kein besonders aufregendes Leben, aber es kann dennoch glücklich sein. Vielleicht.

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