Theaterstück »Bertha, stirb endlich!« schafft beides – Aufführung zum Hospizjubiläum Sterben oder Lachen?

Warburg (WB/vsm). Jeder muss mal sterben, selbst Vampire. Diese Erkenntnis traf die gut 500-jährige Bertha im Theaterstück »Bertha, stirb endlich!« der Hospiz-Theatergruppe »Spätzünder« aus Berlin, das zum 20-jährigen Bestehen der Hospizbewegung Warburg im Pädagogischen Zentrum aufgeführt wurde.

Auch wenn es nicht so aussieht: Der Vampirclan feiert den 770. Geburtstag von Barbarella (Helga Geisler, ganz links). Kurz darauf bricht Tante Bertha (Sylvia Wolff, 3.von rechts) zusammen und versetzt Familie in Schrecken.
Auch wenn es nicht so aussieht: Der Vampirclan feiert den 770. Geburtstag von Barbarella (Helga Geisler, ganz links). Kurz darauf bricht Tante Bertha (Sylvia Wolff, 3.von rechts) zusammen und versetzt Familie in Schrecken. Foto: Verena Schäfers-Michels

»Sterben oder Lachen? Oder geht vielleicht beides?«, fragte Engelbert Berendes, Vorsitzender der Hospizbewegung Warburg, die rund 300 Besucher zur Begrüßung und stellte Stefan Schütz vor, der gemeinsam mit Eva Bittner für Text und Regie des ungewöhnlichen Bühnenstücks verantwortlich ist.

Weiß, schwarz und rot – das waren die Farben, die auf der Bühne dominierten, als sich nach einer kurzen Verdunklungsphase die Mitglieder des Vampirclans auf Burg Schreckenstein abzeichneten. Sie hatten sich zum 770. Geburtstag der leicht dementen Tante Barbarella zusammengefunden.

Demenz bei Vampiren?

Demenz bei Vampiren? Sind diese blutsaugenden Schreckgestalten denn nicht jung und schön bis in die Ewigkeit? Nein! Die »Spätzünder« zeigten in ihrem Improvisationsstück ein ganz anderes Bild. Nach jahrhundertelanger Existenz, sind sie nicht nur gezeichnet von Langeweile und Erschöpfung, sondern auch von körperlichem Vergang. So wahrt »Flittchen« nur durch Botoxspritzen und ständigen Männerwechsel den schönen Schein.

Während auf dem Geburtstag mehr gezickt und gezankt wird, bricht plötzlich die gut 500-jährige Bertha zusammen. Nach einer Untersuchung durch Doktor Ochsenblut ist schnell klar: Bertha hat sich durch das Blut eines Pastors, der als Kind in ein Weihwasserbecken gefallen ist, tödlich vergiftet.

Spitzzahniger Gast begeistert Pfleger

Was nun? Pflegen und bis zum Tod begleiten möchte die Vampirsippe die Tante schon mal nicht und bringt sie schnellstens im Hospiz unter, wo nicht alle Pfleger von der Ankunft des spitzzahnigen Gastes begeistert sind.

Doch Bertha findet sich überraschend schnell zurecht, freundet sich mit den anderen Sterbenden an und wartet auf den Tod. Doch nach 30 Jahren und vielen Abschieden ist sie noch immer da und stellt sich bang und von Schmerzen geplagt die Frage: »Können Vampire gar nicht sterben?«

Und so ist das Ende eines Vampirs gar nicht mal so anders als das eines Menschen. Aufgefangen durch die liebevolle und aufbauende Pflege der Hospizmitarbeiter macht Bertha sich daran, Abschied zu nehmen.

Schwieriger Spagat zwischen Humor und Trauer

Den »Spätzündern« gelingt bei der Aufführung der schwierige Spagat zwischen Humor und Trauer, Sarkasmus und Freude – und der Zuschauer kommt zu der Erkenntnis: Ja, es gelingt beides: Sterben und Lachen.

Seit 2012 wird »Bertha, stirb endlich!« auf deutschen Bühne aufgeführt. »Es war ein Bedürfnis des Hospizes, dieses Stück zu inszenieren«, sagte Karla Schulz, die die Vampirin Dorothee spielt. Die Proben für dieses Stück seien die entspanntesten und harmonischsten gewesen, die sie je erlebt hätten.

Eva Bittner hatte vor über 37 Jahren die Idee, eine Theatergruppe mit Senioren zu gründen und freute sich über die spürbar positive Resonanz, die ihnen das Warburger Publikum zusandte. Die älteste Akteurin auf der Bühne war übrigens 86 Jahre alt.

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