Solomariechen und Juniorgarde feiern beim Karnevalsjubiläum Premiere »Schnapsidee« hält 60 Jahre

Warburg (WB). Ihr 60-jähriges »Narriläum« hat die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ossendorf am Samstag in der zum Bersten gefüllten Heinberghalle im Warburger Ortsteil Ossendorf mit einem umfangreichen Programm und zur Musik der kölschen Mundartband »Kölsch à la Carte« gefeiert. Im Namen der Stadt Warburg gratulierte Bürgermeister Michael Stickeln und übergab eine Urkunde.

Von Verena Schäfers-Michels

»Ganz ohne rückblickende Worte kommt kein runder Geburtstag aus«, sagte Präsident Ansgar Engemann in seiner Festrede. Gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Bernd Overbeck erinnerte er an besondere Ereignisse in der 60-jährigen Karnevalsgeschichte.

Eine »Schnapsidee« habe zum Karneval in Ossendorf geführt. »Im Gasthof Lindenhof fand sich Wirt Josef Borghoff mit den Gleichgesinnten Josef Zinkhöfer, Johannes Blömeke, Josef Simon und Johannes Stiene zur Gründung zusammen«, berichtete Engemann.

Der Pfarrer hat gewettert

Die Menschen in Ossendorf hätten es zunächst als hoch befremdlich empfunden, zu Stimmungsmusik verkleidet durch den Ort zu ziehen. Der Pastor habe gegen das närrische Treiben gewettert und es als »heidnischen Brauch« bezeichnet. »Und die Feuerwehr machte aus Protest gegen den Karneval einen eigenen Umzug«, rief der Präsident in Erinnerung.

Ehrenpräsident Bernd Overbeck erinnerte sich, dass die Narren im Gründungsjahr 1957 mit nur einem Wagen und Musik durch das Dorf zogen. Trotz dieser Startschwierigkeiten habe der »karnevalistische Bazillus«, wie er es formulierte, zaghaft um sich gegriffen.

Erfolgsrezept ist die Kontinuität

Das Erfolgsrezept des Karnevals in Ossendorf war letztlich das Durchhaltevermögen und die Kontinuität, wie beim Jubiläum betont wurde: Mit Ansgar Engemann, Bernd Overbeck und Arno Fischer hatte der Verein in 60 Jahren nur drei Präsidenten.

Inzwischen haben sich die Aufgaben des Vereins gewandelt: Einen Umzug durch den Ort gibt es nicht mehr, doch neben der Prunksitzung organisieren die Karnevalisten inzwischen auch den Kinderkarneval, den Weiberkarneval und neuerdings den Gardetanz-Wettbewerb.

Zum Aushängeschild wurde die Rot-Weiß Funkengarde, die aktuell um eine 13-köpfige Jugendgarde und die beiden Solomariechen Raja Grossmeier und Emily Jochheim erweitert wurde. Die achtjährige Emily wird seit ein paar Wochen von Mareike Huschen trainiert und hatte noch keinen eigenen Auftritt. Die 19-jährige Raja Grossmeier dagegen begeisterte bei ihrer Premiere mit ihrer Performance. Zum letzten Mal fungierten Julia Kriwet und Teresa Ehlen als Funkenmariechen, wofür sie mit einem Präsent geehrt wurden.

Juniorgarde hat ihren ersten Auftritt

1984 wurde der Cochumer-Orden eingeführt, bei dem die misslungenste Tat des Jahres honoriert wird. Die Träger dieses Titels und die Träger des Hausordens zeigten sich zum Jubiläum noch einmal vereint auf der Bühne.

Die Juniorgarde, die aus 10- bis 14-jährigen Mädchen aus Ossendorf und den umliegenden Dörfern besteht, gab ihr Bühnendebüt zu einem Song aus dem Film »Bibi und Tina«. Einige der Mädchen haben anlässlich des Karnevals in Ossendorf bereits in den vergangenen Jahren in diversen Tanzgruppen überzeugt und ernteten nun großen Applaus. Sie werden von Verena Ritschel, Nadine Gützlag, Jessica Fischer und Steffi Engemann trainiert.

Lachsalven bei Reineke-Auftritt

Augenzwinkernd machte Kabarettist Udo Reineke einen Diskurs durch die Ortsgeschichte von Ossendorf, dem Dorf, das durch die Holländische Straße, der heutigen B 7, in zwei Hälften geteilt werde und in das durch die günstige Lage an der Handelsroute eine wunderbare Völkervielfalt entstanden sei. Der Nebenerwerbsgratulierer, wie er sich selbst bezeichnet, plante noch in der vergangenen Karnevalssession, eine Mauer zwischen Ossendorf und Nörde zu bauen, gab sich nun jedoch redliche Mühe, zwischen den verfeindeten Dörfern Frieden zu stiften. Das Publikum hing mit Lachtränen in den Augen an den Lippen des Wahl-Nörders.

Aus dem Paderborner Land gratulierte die Funkenehrengarde. Die Kleinenberger Tänzerinnen präsentierten eine außergewöhnliche Performance, die mit ihrer Choreographie beeindruckte.

Die hauseigene Garde, die Rot-Weißen Funken, gaben zudem einen Vorgeschmack auf ihr neues Tanzprogramm und stimmten unter dem Motto »Kölle Alaaf« bei ihrem Showtanz auf die Kölsche Mundart Band »Kölsch à la Carte« ein, die im Anschluss an das Programm den zweiten Teil des Abends dominierte.

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