Carsten Müller wird getaucht – Sonniger Kälkenfest-Abschluss Wasserwippe zum 25. Geburtstag

Warburg (WB). Eines der nassesten Kälkenfeste in der 41-jährigen Geschichte dieser Traditionsveranstaltung hat am Samstagabend und am Sonntag noch ein versöhnliches Ende gefunden: Bei dann recht schönem Wetter entfaltete sich das typische Flair auf dem Altstadt-Marktplatz.

Von Ulrich Schlottmann
Bei dem Stück »Die Warburger Wasserwippe« holt der Gerichtsdiener zum Beweis das Hittchen in den Gerichtssaal. Ziegenbock Sam aus Calenberg zeigte sich dabei so brav, dass ihn Regisseurin Lena Volmert ins feste Ensemble aufnahm.
Bei dem Stück »Die Warburger Wasserwippe« holt der Gerichtsdiener zum Beweis das Hittchen in den Gerichtssaal. Ziegenbock Sam aus Calenberg zeigte sich dabei so brav, dass ihn Regisseurin Lena Volmert ins feste Ensemble aufnahm. Foto: Ulrich Schlottmann

Am Sonntag konnten die zahlreichen Festbesucher sogar zwei Bürgerspiele genießen: das Stück »Wie die Eisenbahn nach Warburg kam« und den Kälkenfest-Klassiker »Die Wasserwippe«. Zu dieser Programmänderung war es gekommen, weil zum Festauftakt am Freitagabend wegen Dauerregens nichts ging. Sowohl der Gerberumzug als auch das Bürgerspiel »Der Warburger Hexenprozess« mussten ausfallen.

Erst am späten Samstagnachmittag lichteten sich die Wolken, so dass als erster Programmpunkt eine Ulkgeschichte um den wegen seiner Scherze legendären Altstädter Kaufmann Heinrich Urban aufgeführt werden konnte. Diesmal ging es um eine Bahnfahrt nach Paderborn, in der sich Urban mit einer List einen Platz in dem überfüllten Bahnabteil sicherte. Als der Zug im nebeligen Willebadessen hielt, rief er aus »Oh mein Gott, das darf nicht sein, wir sind doch hier in Grebenstein«. Seine Mitreisenden glaubten tatsächlich, im falschen Zug zu sitzen und stiegen – sehr zur Freude von Urban – aus.

Der Warburger Hexenprozess

Am Samstagabend holten die Bürgerspieler dann die Aufführung des am Freitag ausgefallenen Stücks »Der Warburger Hexenprozess« nach. Ausnahmsweise gab es dabei wenig zu lachen, denn damit wurde ein dunkles Kapitel der Warburger Stadtgeschichte aufgeschlagen, und manches erinnerte sehr an aktuelle Geschehnisse in derzeitigen Unrechtsstaaten.

Die beiden Bürgerspiel-Regisseure Lena und Winni Volmert hatten das Stück, das auf einer wahren Begebenheit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts basiert, als Gerichtskrimi inszeniert – ein Scheinprozess, bei dem der Angeklagte Ossenjohann, der angeblich mit zerriebenen Hostien Augenleiden geheilt haben sollte, keine Chance hatte.

Unter der Folter gestand der arme Mann schließlich alles, und der fiese fürstbischöfliche Richter verlas das schon vorgefertigte Urteil. Die Bürgerspieler brachten die Dramatik dieses Stoffs toll auf die Bühne, und zum Schluss gab es auch noch eine spektakuläre Scheiterhaufen-Inszenierung.

Als die Eisenbahn nach Warburg kam

Ins preußische Reich ging es dann am Sonntagnachmittag mit dem Stück »Als die Eisenbahn nach Warburg kam«. Mit viel Lokalkolorit um die immerwährenden Animositäten von Alt- und Neustadt entfaltete sich auf der Bühne ein heiteres Spiel um die Anfänge der Bahn in Warburg. Der um seine Existenz bangende Kutscher Sievering führte die Reihe der Gegner dieses modernen Fortbewegungsmittels an, als der Zug aber rollte und Warburg prosperierte, war er es natürlich, der – wie dann alle – schon immer dafür gewesen war... Diese Art von Sinneswandel ist nicht ausgestorben: Die Anspielung auf heutige Zeiten war gewollt.

Nach einem Konzert des Warburger Stadt- und Jugendorchesters, Warburger Jagdhornbläserklängen und Kleinenberger Westerntänzen gab es zum Abschluss des Kälkenfestes wie gewohnt das Stück »Die Wasserwippe«, eine Gerichtsposse um ein gestohlenen Hittchen, eine Ziege.

In der Rolle des Delinquenten war erstmals Bürgerspieler Carsten Müller zu sehen, der sich wohl nicht hatte träumen lassen, an seinem 25. Geburtstag die Wasserwippe einmal am eigenen Leib zu erleben.

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