Milchbauer bringt Rindvieh im Pferdeanhänger nach Großeneder – Aktion des WLV Kindergarten bekommt »kuhlen« Besuch

Borgentreich (WB). Von allen Seiten stürmen Kinder herbei. Wild winken sie mit Futter in der Hand, rufen vor Freude. Hektik pur. Doch der tierische Besucher bleibt »kuhl« – »cool« im wahrsten Sinne des Wortes. Völlig tiefenentspannt lässt sich Rindvieh Elfe füttern und streicheln und wird schnell zum Star im städtischen Kindergarten in Großeneder (Stadt Borgentreich).

Von Daniel Lüns
Alle wollen zu Elfe: Die zehn Jahre alte Milchkuh war gestern der Star im städtischen Kindergarten in Großeneder. Kinder und Erzieher erfuhren etwa, wie das Tier lebt und wie viel Milch es gibt. Beim Besuch durfte auch eine Fütterung nicht fehlen. Peter Tillmann (rechts) erklärte, was Elfe frisst.
Alle wollen zu Elfe: Die zehn Jahre alte Milchkuh war gestern der Star im städtischen Kindergarten in Großeneder. Kinder und Erzieher erfuhren etwa, wie das Tier lebt und wie viel Milch es gibt. Beim Besuch durfte auch eine Fütterung nicht fehlen. Peter Tillmann (rechts) erklärte, was Elfe frisst. Foto: Daniel Lüns

Tag der Milch

Dorthin hatte Milchbauer Antonius Tillmann aus Bonenburg die Kuh gestern mit seinem Sohn Peter anlässlich des Tages der Milch gebracht. »Es ist immer ein gewisser Aufwand, wenn Kinder zu uns kommen. Also haben wir heute eine Kuh in den Kindergarten gebracht«, erklärt er.

Zum sechsten Mal bringt Tillmann Kindern in Kooperation mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) die Landwirtschaft näher. Zwar immer wieder mit verschiedenen Ideen und Aktionen, »aber das hier, das haben wir noch nie gemacht«.

Melken im Kindergarten

So verläuft der Tag für Kuh Elfe eher ungewöhnlich. Morgens fällt das Melken aus, danach geht’s per Pferdeanhänger nach Großeneder. Mit einer mobilen Maschine wird dort das Melken nachgeholt – vor den Augen des staunenden Nachwuchses.

»So können die Kinder sehen, dass die Milch aus der Kuh kommt und nicht aus dem Supermarkt«, erklärt der Milchbauer.

Entfremdung von der Landwirtschaft

Ihm sei wichtig, wieder den Kontakt zwischen den Kindern und der Landwirtschaft herzustellen. »Viele sind davon auch auf dem Land heute so weit entfernt, wie Leute, die in einer Großstadt leben. Es ist zu einer Entfremdung gekommen.«

Auch bauliche Veränderungen hätten dazu beigetragen. So lägen zum Beispiel viele Höfe heutzutage nicht mehr im Ort, sondern außerhalb. Kinder, die auf dem Hof herumtollen und spielen? Fehlanzeige. Tillmann: »Früher war das ganz anders.«

Erzieher machen Mottojahr

Das haben auch die Erzieher im Kindergarten gemerkt – und das laufende Jahr unter das Motto Landwirtschaft gestellt. Auf einem Versuchsfeld auf dem Kindergarten etwa wächst seit Herbst Korn heran, bei einem Themenfrühstück ging es nur Milchprodukte.

Nun holte Erzieherin Annerose Gockeln das Erzeugertier direkt in den Kindergarten. »Und nächste Woche besuchen wir den Hof Legge in Peckelsheim und schauen uns an, wie ein modernen Kuhstall heute aussieht«, erklärt sie. Ein landwirtschaftliches Sommerfest soll ebenfalls folgen.

»Sind Kühe lila?«

Mit dem Themenjahr möchten die Erzieher ein Bewusstsein für Lebensmittel schaffen. Damit greift das Team einen Trend auf. »Man lebt mittlerweile wieder bewusster. Vor Jahren war das viel schlimmer«, sagt Gockeln.

Das kann Antonius Tillmann bestätigen. Und dennoch: »Muss man eine Kuh jeden Tag melken? Sind Kühe lila? Auch solche Fragen tauchen noch auf. Durch diese Aktionen können wir das aber erden.«

Fazit: Nachahmenswert.

Das sieht auch Stefan Legge, Kreisgeschäftsführer des WLV, so. »Sobald das Tier da ist, ist auch das Interesse da«, bilanziert er den »kuhlen« Besuch. »Es läuft wirklich sehr gut – und ist nachahmenswert.«

Auch bei einem Tag der Landwirtschaft im kommenden Jahr sollen daher echte Tiere auf dem Gelände der Firma Agravis in Brakel im Fokus stehnen. Legge: »Der Termin steht aber noch nicht fest.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.