Musikschule trotzt Corona – Unterhaltung am Donnerstag auf dem Wochenmarkt
„Plopp, das heißt Stopp“

Steinheim (WB). Ihren roten Feinstrumpf hat Henrike immer dabei, wenn sie zur Übungsstunde geht. Dabei bewegt sie nicht elegant die Ballett-Beine, sondern lernt in der Musikschule Steinheim, der Trompete schöne Töne zu entlocken. Und dabei spielt inzwischen der „Plopp“ eine wichtige Rolle.

Donnerstag, 03.09.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 05:20 Uhr
Mit dem Ploppschutz heißt es „Stopp für Coronaviren“. Der Stoff vor dem Trichter soll dafür sorgen, dass sich keine Aerosole bilden, die das Virus lange Zeit in der Luft halten. Mit einer ganzen Anzahl an Hygieneschutzmaßnahmen konnte die Musikschule Steinheim Mitte Mai ihren Betrieb wieder aufnehmen. Foto: Ralf Brakemeier

Von Michael Schanze hat Henrike sicher noch nie etwas gehört, sie ist erst neun. Auch wohl nichts von seiner Fernsehshow für Kinder „1, 2 oder 3“ (ab 1977). Dabei machte der ehemalige Schlagersänger am Ende seines Titelsongs immer „Plopp“ mit einem Fingerschnalzen in der Wange. Das war auch das Schlusssignal für die Kinder-Quizrunden. „Plopp, das heißt Stopp“ lautete damals das Kommando und das gilt auch für Henrike und ihre Trompete.

Aerosole stoppen

Der Strumpf über dem Trichter, der so genannte „Ploppschutz“, soll nämlich dafür sorgen, dass die Aerosole, die gefährliche Viren tragen können, sich nicht weiter verbreiten. Seinen Ursprung hat der Ploppschutz (auch Popschutz genannt) bei der Aufnahme von Gesang oder Sprache mit einem Mikrofon. Bestimmte Buchstaben wie das „B“ oder das „P“ sorgen für so genannte Plosivlaute, bei denen besonders viel Luft in kurzer Zeit aus dem Mund dringt, was zu störenden Geräuschen bei der Aufnahme führt und gleichzeitig stoßweise Aerosole über eine weite Strecke verbreiten kann. Auch deshalb gelten für Sänger, die ja keinen Ploppschutz tragen können, deutlich strengere Abstandsregeln als etwa für Bläser. „Zu Hause benutze ich den nicht“, sagt Henrike, die seit einem Jahr Trompete spielt. „Bei der Tonerzeugung und auch beim Klang bemerkt man aber eigentlich keinen Unterschied“, sagt ihre Lehrerin Birgit Ritschel.

Klare Regeln

Die Schutze für Blasinstrumente sind Teil des Hygienekonzeptes der Musikschule Steinheim. Nur dadurch kann ein Großteil der 570 Musikschüler wieder ihrem Hobby nachgehen. „Abstandsmarkierungen auf dem Boden, eine Einbahnstraßenregelung, Handdesinfektion, Wartepunkte, Masken und klare Verhaltensregeln – wir mussten uns einiges ausdenken, damit wir den Unterricht fortführen konnten“, sagt Anna Sophie Türich, Leiterin der Musikschule, die neben Steinheim auch die Nieheimer mit zahlreichen Unterrichtsangeboten versorgt. Während des Lockdowns haben Türich und ihr Lehrpersonal kleine Filmchen für die Schüler gedreht und Flyer verschickt.

Musik zur Marktzeit

Mit einer neuen Idee will die Musikschulleiterin weiter auf ihre Einrichtung aufmerksam machen. „Wir werden einmal im Monat donnerstags auf dem Wochenmarkt Musik machen“, kündigt Türich an. Premiere ist an diesem Donnerstag von 16 Uhr an. Dann wird Trompetenlehrerin Birgit Ritschel mit sechs Schülern einen Querschnitt aus mehreren Hundert Jahren Bläserliteratur (Trumpet Tune, Olympic Spirit, Rondeau, Marsch) präsentieren. „Gespielt wird immer zwischen 15 und 30 Minuten vor dem Rathaus“, sagt Ann Sophie Türich.

Andrang bei „Jekits“

Besonders stolz ist sie über den Erfolg des neuen Programms „Jekits“ ( Je dem K ind I nstrumente, t anzen, s ingen). Das Förderprogramm des Landes begann 2019 in den zweiten Jahrgangsstufen in Steinheim, Nieheim und Vinsebeck. Türich: „Hier waren unsere Musikschullehrer gemeinsam mit dem Grundschullehrer eine Stunde pro Woche in den Klassen und haben unterschiedliche Instrumente vorgestellt und für einen Einstieg in die Musik gesorgt.“ Etwa 160 Kinder haben daran teilgenommen. Bei Jekits 2 können sich die Kinder in der 3. Klasse dann im Nachmittagsbereich an einem Instrument in Kleingruppen ausbilden lassen und an den „Jekits-Orchestern“ in den jeweiligen Schulen mitwirken. „Als wir das Programm vorstellen wollten, kam Corona dazwischen“, erinnert sich die engagierte Musikschulleiterin. Zu ihrer Überraschung konnten aber dann in den drei Schulen insgesamt neun Jekits 2-Gruppen gebildet werden – insgesamt 41 Kinder haben sich angemeldet. Sie lernen nun seit etwa zehn Tagen Geige, Keyboard oder Gitarre. Gleichzeitig ist auch in den neuen zweiten Klassen wieder der Jekits 1-Unterricht für gut 150 Grundschulkinder gestartet.

Cello lernen

„Wir freuen uns, dass wir Mitte Mai überhaupt wieder anfangen konnten“, ist Ann Sophie Türich erleichtert. Bis auf größere Gruppen (Musikalische Früherziehung) läuft das übliche Programm auf Abstand (vor allem beim Sing-Unterricht) fast wieder normal. Sogar eine Erweiterung des Angebots hat die Musikschule Steinheim in petto: Noch sind einige Plätze im neuen Cello-Unterricht, der im Oktober beginnt, frei.

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