Heimatverein gibt Heft 72 heraus – Kriegsgeschichte mit glücklichem Ausgang
Gebet der Mutter begleitet die Brüder

Steinheim (WB). „Eine Steinheimer Familie in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts“ lautet der Titel der Mitteilungen des Kulturausschusses, die der Heimatverein jetzt in Heft 72 veröffentlicht. Das Publikation schildert die Geschichte der vier Brüder Willy, August, Hans und Hermann Pott, die alle Kriegsteilnehmer waren. Das Heft liegt in Steinheimer Geschäften aus.

Donnerstag, 07.05.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 06:03 Uhr
Familientreffen der Familie Enne-Pott an Ostern 1944 (von links): Willy Pott, Hermann Pott, Mutter Therese, Vater Wilhelm, Hans Pott und August Pott. Der Heimatverein hat die Geschichte der Familie jetzt als Heft veröffentlicht.

Das Büchlein beruht auf den Erlebnissen und Erinnerungen von Hermann Pott, dem jüngsten und letzten Lebenden der vier Brüder. Sein Sohn Hermann jun. hatte ihn ermuntert, die Erinnerungen und Ereignisse niederzuschreiben. Die vier Brüder stammen aus dem Haus Enne-Pott. Vater Wilhelm war bereits im 1. Weltkrieg eingezogen. Vor und während des 2. Weltkrieges verließen die Söhne ab 1936 den Hof, um bei der Wehrmacht zu dienen und ab 1939 an den Fronten eingesetzt zu werden. Willy nahm schon 1938 am Einmarsch in Österreich und dem Sudetenland teil. Nach Kriegsbeginn kam er zum Einsatz in Frankreich, Polen und in vorderster Front in Russland als Oberfeldwebel und nahm als Ausrichter der Geschütze teil. Eine Verletzung vor Stalingrad rettete ihm vermutlich das Leben, weil er ausgeflogen wurde.

Schlips-Soldat

August Pott wurde nach dem Reichsarbeitsdienst zur Luftwaffe eingezogen. „Er war als Schlips-Soldat der Nobelste der Familie“, schreibt Hermann Pott. Das Kriegsende erlebte er nach Tätigkeiten bei der Luftwaffe in Marseille in Berlin. Er kam in amerikanische Gefangenschaft und fand im Gefangenenlager seinen Bruder Hermann. Zu Fuß kehrten beide am Antoniustag 1945 (13. Juni) nach Steinheim zurück. Der dritte Sohn Hans Pott besuchte die Unteroffiziersschule in Eutin mit dem Abschluss als Maat. Ab 1942 folgten Einsätze an der Ostfront, unter anderem bei der Belagerung von Leningrad.

Treffen an Ostern 1944

Auch der 1925 geborene jüngste Sohn Hermann wurde mit 18 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Im vorletzten Kriegsjahr besuchte er die Marineschule Itzehoe. Es war ein Glücksfall, dass die jungen Rekruten nicht mehr auf Feindfahrten geschickt wurden. Während dieser Zeit machte Hermann Bekanntschaft mit dem aus Bayern stammenden Peter Pfaffinger, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine tiefe Freundschaft verband. Trotz der Kriegszeiten kam es zu einem freudigen Ereignis, einem Treffen der vier Brüder an Ostern 1944 im Elternhaus an der Detmolder Straße in Steinheim. Willy kam aus Bad Pyrmont, August aus Marseille, Hans aus dem Lazarett in Schreiberhau (Riesengebirge) und Hermann von der U-Boot-Schule in Neustadt.

Schnaps für den Postboten

August erhielt während des Heimaturlaubs einen telegrafischen Befehl zum sofortigen Einrücken. Dem Postboten Kolbe, einem Steinheimer Original, schenkte man ein paar Schnäpse ein, so dass er den Brief wieder mitnahm und erst am nächsten Tag zustellte. „Man konnte so wenigstens die Ostertage gemeinsam verbringen“, so Hermann Pott. Als Stalingrad-Kämpfer und EK-1-Träger hatte Willy Pott alle Kompaniechefs seiner Brüder angeschrieben und das Treffen organisiert. Wie Hermann Pott schildert, wartete im letzten Kriegsjahr noch die härteste Zeit, in der keiner wusste, ob er die Heimat und seine Lieben wiedersehen würde.

Im Heft beschreibt Hermann Pott seine große Dankbarkeit zum Überleben der Brüder. „Wir haben viel Glück gehabt. Das Gebet unserer Mutter hat uns stets begleitet.“

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