Sandebecker Messdiener waren fleißig: Steinheimer Senioren freuen sich über selbst gebastelte Osterhasen Wie der Osterhase den Tannenbaum verdrängt hat

Steinheim/Sandebeck (WB). Als Messdiener sollte man nicht bloß Messe dienen, sondern seinen Glauben auch im Alltag leben. Dass sie genau das tun, haben sechs junge Sandebecker nun bewiesen und über 200 selbstgebastelte Osterhasen an die Steinheimer Seniorenheime gespendet.

Von Greta Wiedemeier
Vincent (vorne) hatte die Idee, statt der geplanten Tannenbäume kurzerhand Osterhasen zu verteilen. Über die Übergabe von Marina Overkott, Leiterin der Sandebecker Messdiener, freut sich Annette Wennrich, Leiterin des Helene-Schweitzer-Zentrums sehr.
Vincent (vorne) hatte die Idee, statt der geplanten Tannenbäume kurzerhand Osterhasen zu verteilen. Über die Übergabe von Marina Overkott, Leiterin der Sandebecker Messdiener, freut sich Annette Wennrich, Leiterin des Helene-Schweitzer-Zentrums sehr. Foto: Greta Wiedemeier

Für die jungen Gläubigen läuft in diesem Jahr einiges anders als geplant: Der geplante Jahres-Ausflug in einen Freizeitpark muss entfallen, das traditionelle Leiern zu Ostern wird ins Eigenheim verlegt, und auch die Osterhasen hatten eigentlich eine ganz andere Bestimmung. Ursprünglich waren die kleinen Holzklötze und -stäbe schon für den alljährlichen Verkauf in der Adventszeit gedacht gewesen – lediglich die Papier-Tannenbäume an der Spitze fehlten noch.

Alte Gesangsbücher waren die Grundlage der Hasen-Bastelei. Foto: Wiedemeier

Ihre frühe Planung kam den Sandebecker Messdienern jetzt gelegen: Sie disponierten nämlich kurzerhand um und entschieden sich, stattdessen Osterhasen aufzustecken. Die Idee dazu kam aus den eigenen Reihen: Der zwölfjährige Vincent wusste seine schulfreie Zeit gut zu nutzen und wurde durch Berichte über zahlreiche andere Aktionen für die Ältesten in der Gesellschaft inspiriert. Von der Idee bis zum Abschluss des Projekts ging es dann rasend schnell: In weniger als zwei Wochen hatten die Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren mit Unterstützung einiger Eltern 258 Osterhasen ausgeschnitten. Die Zahl ist dabei genau auf die Anzahl der Bewohner und Mitarbeiter im Helene-Schweitzer-Zentrum und im St. Rochus Seniorenhaus abgestimmt. „Wir haben auch ein paar Nachtschichten eingelegt“, sagt Vincent schmunzelnd. Die Abstimmung funktionierte dank der rasch gegründeten Whatsapp-Gruppe „Aktion Osterhase“ auch auf die Distanz problemlos.

Die Hasen selbst tragen noch eine Besonderheit in sich: Als Material wurden alte, schon vor zwei Jahren aussortierte, Gesangsbücher genutzt, sodass auf jeder Bastelei einige Liedzeilen zu sehen sind. „Wir fertigen schon seit vielen Jahren kleine Kunstwerke aus Dingen, die sonst im Müll landen würden. Auch von den Gesangsbüchern haben wir noch immer Berge herumstehen“, erzählte Marina Overkott, Leiterin der Sandebecker Messdiener. „Das ist gelebte Nächstenliebe“, freut sich Annette Wennrich vom Helene-Schweitzer-Zentrum bei der Hasen-Übergabe vor der Tür. „Jeder Bewohner bekommt am Sonntagmorgen einen Hasen neben seine Osterserviette auf den Frühstückstisch“, plant sie schon die Verteilung und ist sich sicher, dass die Spende gut ankommen wird.

Zuwendung bekämen die Senioren bei ihnen aktuell von allen Seiten: Statt weniger große gibt es eben einfach viele kleine Aktionen und statt einem Oster-Gottesdienst eine individuelle pastorale Betreuung in jeder Wohnung. Und auch im St. Rochus Seniorenhaus erhellen viele kleine Lichtblicke die eher triste Zeit für die Bewohner: Der Heimatverein brachte bereits Bücher zum Vorlesen vorbei, Konzert-CDs vom Liederkranz sorgen für Unterhaltung und auch weitere örtliche Vereine zeigen Engagement. „Wir haben außerdem die Betreuung aufgestockt und gehen vermehrt in die Einzelbetreuung, um mit den Senioren auch in den Garten gehen zu können“, erklärt Heimleiterin Bernadette Linhoff.

In einem sind sich alle einig: Dieses Ostern wird ein ganz anderes werden – doch mit solchen Aktionen, wie jener von den Sandebecker Messdienern wird es vielleicht doch noch zu einem Festwochenende, von dem die Senioren auch viele positive Erlebnisse in Erinnerung behalten.

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