Bergheimer Gemeinde blickt auf 125 Jahre St. Liborius Von der Kapelle zur Pfarrkirche

Bergheim (WB). Seit Menschengedenken mussten katholische Bergheimer Christen über den Hömerberg nach Sandebeck gehen, um Gottesdienst in der Kirche zu feiern. 1895 war die Freude daher groß, als im Homedorf der Grundstein für eine eigene Kirche gelegt wurde. Die Bergheimer Kirchengemeinde feiert in diesem Jahr die 125. Wiederkehr der Grundsteinlegung. Dafür soll es am 26. Juli zum Fest des Kirchenpatrons Liborius ein Jubiläumspfarrfest geben.

Von Heinz Wilfert
Der Bergheimer Lehrer Beitz ließ dieses Bild der 1895 abgebrochenen St.-Georg-Kapelle nach Angaben von Zeitzeugen anfertigen. Ein Fehler hat sich bei der Zeitangabe eingestellt – Bau und Großbrand erfolgten 1800.
Der Bergheimer Lehrer Beitz ließ dieses Bild der 1895 abgebrochenen St.-Georg-Kapelle nach Angaben von Zeitzeugen anfertigen. Ein Fehler hat sich bei der Zeitangabe eingestellt – Bau und Großbrand erfolgten 1800.

Noch heute wissen ältere Bürger durch Überlieferungen, wie der Kirchweg über den Hömerberg nach Sandebeck führte. Mit Gesuch vom 26. August 1662 hatten die Herren von der Lippe beim Generalvikar zu Paderborn einen Antrag gestellt, dass die katholischen Christen von Bergheim nicht mehr den weiten Weg nach Sandebeck, sondern den näheren Weg zur Vinsebecker Kirche gehen sollten. Dem Anliegen erteilte das bischöfliche Generalvikariat zu Paderborn eine Genehmigung. Die Bergheimer waren darüber nicht glücklich und besuchten weiter die Sandebecker Kirche. Um das zu vermeiden, wurden sogar Wachen am Hömerberg aufgestellt, um die Kirchgänger zu hindern. Sture Bergheimer nahmen lieber einen längeren Umweg in Kauf, erst mit der Zeit wurde die Vinsebecker Kirche angenommen.

In der „Acta – die Kapelle zu Bergheim“ war im Jahre 1576 erwähnt, dass eine Kapelle in Bergheim gestanden hat. Sandebecker Geistliche kamen alle 14 Tage nach Bergheim, um an Ostern, Pfingsten und Weihnachten eine Heilige Messe in der Georgius-Kapelle zu halten. Im Laufe der Zeit muss diese Kapelle baufällig geworden sein, denn nach Recherchen von Pastor Steinhoff und in der Dorfchronik ist nachzulesen, dass im Jahr 1629 eine neue Kapelle erbaut und dem Heiligen Georgius als Schutzpatron gewidmet wurde. Die Kapelle stand bis zum 9. Mai 1800, als sie bei einem Großbrand mit 29 Häusern niederbrannte.

Die eigene Kirche

Die nach dem Brand neu errichtete Kapelle zeigte bald wieder Mängel, so dass nach 1866 erste Versuche zum Neubau folgten. Dafür hatte sich besonders der Ortsvorsitzende Franz Mönikes eingesetzt. Von 1866 bis Anfang 1895 entstand zwischen Bergheim und dem Generalvikar zu Paderborn ein reger schriftlicher Austausch für den Neubau einer eigenen Kirche, der 1895 endlich beginnen konnte. Die St. Georgskapelle wurde abgerissen, der Kirchhügel mit Friedhof abgetragen und vorgefundene menschliche Gebeine auf dem neuen Friedhof in einem Grab beigesetzt.

Das Grundstück, auf dem heute die Sakristei und der Chorraum der Kirche stehen, wurde vom Tagelöhner Ferdinand Gemke angekauft. Dadurch war mehr Platz für den Kirchenneubau vorhanden. Die Grundsteinlegung fand am 8. April und die Gedenksteinlegung am 14. Mai 1895 statt. Die Maurerarbeiten führten der Maurermeister Rüther (Vinsebeck), die Zimmerarbeiten Franz Westerwelle (Bergheim) aus. Der Kostenvoranschlag von 42.364 Mark war unter Abzug von sieben Prozent vergeben worden. Das Geld wurde zu einem Zinssatz von 5,25 Prozent bei der Landesbank Westfalen geliehen und sollte in 29 Jahren getilgt sein. Die Innenausstattung bestand aus einem Chorraum mit Hochaltar, Marienaltar, Liborialtar, Taufkapelle und Sakristei.

Zum Liborifest am 24. Juli 1896 wurde die Kirche von Pfarrer Drees und Kaplan Jungmann gesegnet. Da die Andachten und Prozessionen seit 1729 für den Heiligen Liborius größer wurden, erwählten die Bergheimer diesen Heiligen zum Schutzpatron der Kirche und der Gemeinde. Um Feuersbrünste, Krankheiten und andere Unglücke mit göttlicher Güte gnädigst abzuwenden, erteilte am 12. Juli 1729 der Generalvikar Bernhard Ignatz von Wydenbrück die Erlaubnis, das Fest des Heiligen Liborius als Dankesfest mit einer Prozession zu begehen. Bei dieser war es ein fester Bestandteil, dass die Libori-Reliquie mitgeführt wird. Sie hatte Heinrich Böddeker vom Weihbischof und Generalvikar der Stadt Wien, dem Reichsgrafen Edmund von Arts und Vasseg, mitgebracht.

Selbstständigkeit

Am 1. April 1921 wurde Bergheim zur selbstständigen Pfarrvikarie erhoben, auch eine Fronleichnamprozession konnte nun selbstständig durchgeführt werden. Nach langem Hin und Her bekam die Libori-Kirchengemeinde vom Generalvikar dafür eine eigene Vikarstelle bewilligt. Das Filialverhältnis mit Vinsebeck wurde mit Urkunde vom 1. April 1921 aufgelöst. Für diese Trennung leisteten die Bergheimer eine Ausgleichszahlung von 28.000 Mark (Inflationsgeld) für Lasten und Kosten der Ablösung von der Vinsebecker Mutterkirche. Die neue Vikarstelle wurde durch Vikar Ignaz Störmann besetzt und in Folge durch Vikar Johann Marx. Dessen Nachfolger wurde 1937 Vikar Martin Jansen, der am 22. Dezember 1943 vom Erzbischof Laurentius zu Paderborn zum Pfarrer berufen wurde. Bergheim hatte nun eine eigene Pfarrstelle. Ihm folgte 1971 Pfarrer Karl Steinhoff und 1990 Franz Volkmar Jänicke.

Schweren Herzens hatte sich die Kirchengemeinde 1917 von zwei Glocken trennen müssen, die für Kanonen eingeschmolzen wurden. 1925 wurden drei neue Glocken zum Preis von 6425 Mark bestellt, die am 7. Juni 1925 von Vikar Johann Marx gesegnet wurden. Gestiftet wurden sie von der politischen Gemeinde, den Arbeitern und den Landwirten der Gemeinde. Das gleiche Schicksal traf die beiden großen Glocken 1942, die erneut für die Waffenproduktion beschlagnahmt wurden. Am 19. Dezember 1951 holte Anton Westerwelle zwei neu gegossene Glocken von der Gießerei Petit und Edelbrock ab, deren Weihe am 20. Dezember 1951 Dechant Eckhard Niehhaus (Bredenborn) unter Assistenz des Bergheimer Pfarrers Martin Jansen vornahm.

Bauarbeiten

Mehrfach erfolgten an der Kirche große Baumaßnahmen. 1965 bekam der Kirchenraum eine neue Dacheindeckung in Gestalt von Kupferplatten. Pastor Steinhoff veranlasste 1972 den Einbau einer Warmluftheizung und die Renovierung der Orgel. Eine gründliche Renovierung folgte 1979 mit einem Kostenaufwand von über 400.000 Mark. Das mittlere Fenster im Chorraum, das bis dahin zugemauert gewesen war, wurde geöffnet. Auch erfolgte eine komplette Neuausmalung, die bis heute unverändert ist. Eine komplette Außenrenovierung fand in den Jahren 1999 bis 2001 statt. Das Mauerwerk aus Bruchsteinen aus dem Jahr 1895 war porös und die Wände wurden feucht. Der Kirchenvorstand entschied, die Außenwände mit einem Putz zu versehen Kosten: mehr als 500.000 Euro. Vor drei Jahren wurde das Turmkreuz aus dem Jahr 1895 einer aufwendigen Restaurierung unterzogen.

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