Professor Johannes Üpping mit der Reinecciusmedaille ausgezeichnet Perspektivewechsel löst Probleme

Steinheim (WB). »Zukunftsangst und Panikmache sind nicht seine Sache. Ihn zeichnet Vormachen aus, er ist lösungsgetrieben und authentisch« – mit eindringlichen Worten beschrieb Professor Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen, in seiner Laudatio vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft Professor Johannes Üpping, diesjähriger Preisträger der Reinecciusmedaille.

Von Heinz Wilfert
Johannes Üpping (links) wurde während einer Feierstunde für seine Überlegungen zur Speicherung regenerativer Energien und die Wertschöpfung in der Region ausgezeichnet, erste Gratulanten waren Carsten Torke und Professor Jürgen Krahl.
Johannes Üpping (links) wurde während einer Feierstunde für seine Überlegungen zur Speicherung regenerativer Energien und die Wertschöpfung in der Region ausgezeichnet, erste Gratulanten waren Carsten Torke und Professor Jürgen Krahl. Foto: Heinz Wilfert

Die Auszeichnung geht auf Reiner Reineccius, den bedeutenden Gelehrten und großen Sohn Steinheims zurück. Üpping, Professor an der TH OWL in Lemgo, ist der neunte Preisträger der besonderen Medaille, die von der Vereinigten Volksbank gestiftet wird. »Ohne Wandel und Querdenken gibt es keine Entwicklung«, stellte deren Vorstandsvorsitzender Paul Löneke fest.

Gefragte Querdenker

Wie der Pionier und Querdenker Reineccius in einer Zeit des Umbruchs lebte, stehe auch das Zeitalter der Digitalisierung für Aufbruch, den man mit der Erfindung des Feuers vergleichen könne, führte Krahl aus. Um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden, brauche es Menschen wie Üpping, die über den Tellerrand hinausschauten, kreativ seien, Aufbruchstimmung erzeugten und Mut machten.

Das zeige sich auch darin, dass Üpping an der Hochschule in Lemgo jede Woche eine offene Vorlesung anbiete, um den Dialog mit der Bevölkerung herzustellen und so eine Lehre zum Anfassen vertrete.

Bürgermeister Carsten Torke lobte die Überlegungen Üppings, den Strom dort zu nutzen, wo er produziert wird, die Energieversorgungskosten niedrig zu halten und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Der Strom vom Dach solle dem Nachbarn zugute kommen und erst dann ins Netz. »Unser Land braucht mehr Menschen, die neugierig und wissbegierig sind. Wissen und Forschung seien schließlich die wichtigsten Ressourcen in Deutschland«, unterstrich Torke.

Der Bürgermeister war sich sicher, dass Üpping Spuren hinterlassen werde. Er freute sich auch, dass die Medaille erstmals an eine Persönlichkeit vergeben wurde, die in Steinheim wohnt.

Der Text der Urkunde lautet: »Professor Johannes Üpping hat über eine Machbarkeitsstudie ein Modellprojekt zu lokalen, elektrischen Energiespeichern im Rahmen einer lokalen Energieversorgung initiiert. Mit seinem Projekt hat er Vorbehalte der Fachwelt hinsichtlich der Machbarkeit entkräftet und mit dem Konzept einer gemeinschaftlichen Energiespeicherung und -nutzung Pionierarbeit geleistet. Mit dem Pilotprojekt unterstreicht Professor Üpping seine enge Verbundenheit zu seinem Modell- und Heimatdorf Hagedorn und sein Bestreben, ländliche Regionen als lebenswerte Räume zu bewahren und zu gestalten.«

Der Preisträger sei aber nicht nur Wissenschaftler, er sei als Vorsitzender des Heimatvereins Hagedorn überzeugter Ehrenamtler und damit Vorbild und leidenschaftlicher Vertreter für den ländlichen Raum. »Er hat den Blick für das Lokale und übernimmt Verantwortung für heute und morgen«, lobte Krahl.

Überzeugter Ehrenamtler

In seiner Dankesrede erklärte Professor Üpping das Prinzip des Querdenkers: »Er kann seine Perspektive wechseln und so Probleme lösen.« Das erfordere Wissen, um sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, sei aber auch mit Zweifel und Selbstkritik verbunden.

»Man braucht dazu aber auch eine Vision, weil man ohne die orientierungslos ist und nicht vom Fleck kommt«, so seine Überzeugung, die in einem flammenden Appell gegen den Klimawandel und für Umweltschutz mündete. »Wir gehen zu verschwenderisch mit unseren Ressourcen um. Deutschland hat am 3. Mai bereits verbraucht, was die Erde für das gesamte Jahr zur Verfügung stellt«, mahnte der Preisträger.

Klimawandel sei längst keine Frage der Meinung, sondern der Ahnung. Die klare Forderung Üppings: »Wir brauchen Veränderungen – auch wenn das Geld kostet.«

Die Folgen des Klimawandels wären aber viel teurer. Wenn wir nämlich so weitermachten, sei der Temperaturanstieg nicht zu begrenzen oder das Insektensterben zu verhindern. Die Politik forderte er auf, einen echten Preis für CO 2 festzusetzen und mehr Windkraft zuzulassen. Mit dem verabschiedeten Klimapaket werde man die gesteckten Ziele nicht erreichen. Für die Gesellschaft laute die Konsequenz: »Wir müssen unseren Komfortbereich verlassen und den Wandel als Chance begreifen. Wir brachen nicht ein Mehr, sondern ein Besser.«

Ende mit Höhenfeuerwerk

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde der Verleihung vom Theotmalli Trio. Der Reinecciusmarkt in Steinheim ging am Sonntag mit einem gut besuchten Konzert der Gruppe Gegenwind in der Pfarrkirche St. Marien und einem imposanten Höhenfeuerwerk zu Ende.

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