Mehr als 200 Spier-Mitarbeiter streiken für höhere Vergütung
Produktion steht still

Steinheim (WB). »Tun Sie was für Ihre Branche und Ihre Beschäftigten, indem Sie sie ordentlich entlohnen«, fordert Carmelo Zanghi, Geschäftsführer der IG Metall Paderborn, die Arbeitgeber bei seiner Ansprache vor mehr als 200 Beschäftigten des Spier-Fahrzeugwerks in Bergheim auf. Dort hat es Dienstag einen Warnstreik im Schlosserhandwerk gegeben.

Dienstag, 01.10.2019, 17:04 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 17:06 Uhr
Große Resonanz beim Warnstreik: Mehr als 200 Beschäftigte des Steinheimer Unternehmens Spier haben am Dienstag ihre Arbeit niedergelegt. Für eine Stunde war der Warnstreik des Schlosserhandwerks geplant. Foto: Angelina Zander

Eine Anhebung der Vergütung um sechs Prozent sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 80 Euro in jedem Jahr: Das fordert die IG Metall NRW. Das Gegenangebot der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde sah Mitte September eine Erhöhung um 2,3 Prozent in den ersten zwölf Monaten sowie eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent in den darauffolgenden zwölf Monaten vor. »Damit sind wir insgesamt auf einem niedrigeren Level als die Metall- und Elektroindustrie«, kritisierte Zanghi. Deshalb hatte die IG-Metall-Tarifkommission zu Warnstreiks im Schlosserhandwerk aufgerufen. Eine zentrale Veranstaltung wurde in Emsdetten organisiert. Die Friedenspflicht war in der Nacht von Montag auf Dienstag zu Ende gegangen. Insgesamt sind laut IG Metall NRW 58.000 Beschäftigte im Schlosserhandwerk in NRW tätig.

Eine Stunde im Ausstand

Im Steinheimer Unternehmen Spier stand aufgrund des Warnstreiks die Produktion still, erklärten Zanghi und der Betriebsratsvorsitzende Thomas Beineke, der auch Mitglied der Tarifkommission ist. Der Streik sollte etwa eine Stunde dauern. Vertriebs- und Marketingleiter Andreas Fast erklärte, dass ein großer Teil der Produktionsmitarbeiter gestreikt habe. Aus Sicherheitsgründen musste deshalb die Produktion gestoppt werden. Er zeigte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT Verständnis für die Warnstreiks, sagte aber auch: »Auf der einen Seite brauchen Arbeitnehmer ein Sprachrohr, um Forderungen stellen zu können. Wir haben aber eigene Lohn- und Gehaltstarifverträge, die am Schlosserhandwerk orientiert sind, und stehen in einem sehr konstruktivem Austausch mit dem Betriebsrat.« Fast sagte, dass der Warnstreik zwar bei Spier ausgetragen wurde, aber nicht in direktem Zusammenhang mit dem Unternehmen stehe, sondern die Tarifverhandlungen im Schlosserhandwerk insgesamt betreffe. Dass sich mehr als 200 Mitarbeiter an dem Streik beteiligten, ist für Zanghi ein deutliches Zeichen: »Die Beschäftigten stehen hinter der Forderung.« Man wolle eine »Entscheidungshilfe für Arbeitgeber« geben. Das Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde spiegele nicht die Attraktivität der Branche wider.

Mehr Kollegen als gedacht beteiligt

Thomas Beineke war mit der Beteiligung seiner Kollegen sehr zufrieden. »Es sind mehr als gedacht«, stellte er fest. »Wir haben auch eine sehr gute Beteiligung aus dem Angestelltenbereich.« Neben den Mitarbeitern aus der Produktion hätten auch Mitarbeiter aus der Verwaltung aus Solidarität am Warnstreik teilgenommen. »Es sind nicht nur die Produktionshallen, die leer sind, sondern auch die Büros«, so Zanghi.

Die Tarifverhandlungen gehen am Freitag, 4. Oktober, in die dritte Runde. Zanghi stellte bereits in Aussicht, dass, sollte das Ergebnis nicht den Vorstellungen der Gewerkschaft entsprechen, entweder ein weiterer Warnstreik oder aber ein unbefristeter Streik folgen könnte. Beineke betonte darüber hinaus, dass man durchaus bereit sei, die Streiks zu beenden. Doch das aktuelle Angebot sei noch weit entfernt von den Vorstellungen der Gewerkschaft. Carmelo Zanghi sieht in der Erhöhung der Vergütungen ein Zeichen für mehr Wertschätzung für das Schlosserhandwerk.

Fachkräftesicherung im Handwerk

Patrick Loos, Verhandlungsführer der IG Metall NRW, stellt in einer Pressemitteilung heraus: »Eine deutliche Erhöhung der Entgelte und Auszubildendenvergütungen wäre auch ein wichtiges Signal, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen. Im Wettbewerb um Fachkräfte ist eine gute Bezahlung das beste Argument.« Auch Zanghi sieht höhere Chancen, Fachkräfte für das Handwerk zu gewinnen, wenn die Bezahlung angepasst würde.

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