Im Vorfeld des Firmenjubiläums setzt Firma Spier auf ein anspruchsvolles Projekt
Azubis bauen »historische Flotte« auf

Steinheim (WB). Die lange Erfolgsgeschichte des Fahrzeugwerkes Spier bekommt ein neues Glanzlicht: Wie das WESTFALEN-BLATT exklusiv erfahren hat, beteiligen sich im Vorfeld des 150-jährigen Jubiläums die Auszubildenden des Bergheimer Unternehmens an einer besonderen »Schatzsuche«. Alle wirken mit Eifer daran mit.

Mittwoch, 04.09.2019, 16:14 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 17:08 Uhr
Mirco Schmidt (19, drittes Lehrjahr) arbeitet an einem Spier-Anhänger von 1966.

Nach der Eröffnung des Werkes 3 mit den zwei neuen Hallen 9 und 10 (zusammen etwa 2800 Quadratmeter) in der Heinrich-Spier-Straße 24 im Sommer dieses Jahres, stellt sich die Firmenleitung bereits der nächsten Herausforderung. Dazu sagte Geschäftsführer Jürgen Spier dieser Zeitung: »Unser Credo heißt ›Zukunft kommt von Herkunft‹. Daher haben wir uns entschlossen, im Vorfeld des Jubeljahres in 2022 schon jetzt mit dem Aufbau einer kleinen historischen Fahrzeugflotte zu beginnen – dabei stammen alle Modelle aus unserer ehemaligen Produktion!«

Damit vor allem die Nachwuchskräfte des mittelständischen Familienunternehmens (375 Mitarbeiter plus Saisonkräfte) eine starke Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufbauen können, dürfen jetzt die Lehrlinge die Firmenphilosophie (»Um die Zukunft zu gestalten, musst Du auch nach hinten schauen«) direkt durch ihr Tun umsetzen. So arbeiten in diesen Tagen die Auszubildenden an einem alten »Drehschemel-Anhänger« aus dem Jahre 1966.

Aktuell beschäftigt das Steinheimer Unternehmen Spier 35 Auszubildende – rechts Geschäftsführer Jürgen Spier.

Aktuell beschäftigt das Steinheimer Unternehmen Spier 35 Auszubildende – rechts Geschäftsführer Jürgen Spier. Foto: Firma Spier

Die Spiers sind einem weiteren »Schatz« auf der Spur. In Brandenburg haben Ausbildungschef Steffen Brand und Kollegen ein historisches Pullmann-Fahrzeug entdeckt und unter die Lupe genommen. »Wenn es klappt, dann wird der Pullmann mit Großkabine, der seinerzeit vom Landestheater Detmold genutzt wurde und von dem bei uns in dieser Art nur vier Exemplare gebaut worden sind, seinen Weg zurück ins Werk finden. Die Vorfreude ist groß«, so Jürgen Spieß. Der Clou: Hinter dem Fahrerplatz gab es mehrere Sitze – für das Ensemble.

Bei dem langen Bestehen des Unternehmens müsse man auch immer wieder den Blick zurück wagen, was im Laufe der fast 15 Jahrzehnte entwickelt und hergestellt worden ist. Dazu zählt auch ein Prototyp für YPS (Transport). Spier sagte dieser Zeitung: »Den haben wir nach 430.000 Kilometern zurückgekauft und wieder aufbereitet. Das sind echte Meilensteine der Firmengeschichte.«

»Vergangenheit ist zum Greifen nah«

Durch das neue Projekt bekomme man die Vergangenheit im wahrsten Sinn des Wortes »zum Greifen nah«. Bis zum Jubeljahr (150 Jahre) würde zwar noch einige Zeit vergehen – aber mit jedem neuen »Fund« aus der Vergangenheit würde das Projekt wachsen und entsprechend Zeit in Anspruch nehmen. »Dass unsere Auszubildenden mit so großer Freude dabei sind, das macht uns alle glücklich und stolz.«

Duales Studium als Karrieresprung

Ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Karriere auf dem zweiten Bildungsweg ist der Dringenberger Benedikt Uhe. Nach dem Realschulabschluss begann er in Bergheim zunächst eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum »Metallbauer, Fachrichtung Nutzfahrzeugbau.« Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Geselle, bis der heute 28-Jährige eine Meisterausbildung abschloss. »Aber ich wollte noch mehr ins technische Detail gehen und über den Tellerrand schauen«, verrät Uhe. Also begann er bei Spier ein »Duales Studium« mit Fachsemestern in Hamburg und Praxiseinheiten in der Firma während der Ferien. Jetzt ist Uhe geprüfter »Bachelor of Engineering« und kann sich als Ingenieur im Team einbringen.

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