Steinheimer planen Aufklärungsaktion zum Thema »Demenz«
Die Angst vor dem Vergessen

Steinheim (WB). Berührungsängste und Verständnislosigkeit isolieren Demente und ihre Angehörigen. In der Stadt Steinheim versuchen nun Verantwortliche aus der Selbsthilfe und der Altenpflege, das Thema »Demenz« aus der Tabuzone zu holen. Ein nächster Schritt ist ein Info-Stand beim »Steinheimer Wochenmarkt« am Donnerstag, 11. April.

Freitag, 05.04.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 06:50 Uhr
Sie informieren in der nächsten Woche über das Tabuthema ­»Demenz« (von links): Antje Hölscher (Selbsthilfegruppe für Angehörige), Bernadette Linhoff (Leiterin des St.-Rochus-Seniorenhauses) und Gemeinwesenarbeiterin Karola Schmidt. Foto: Ralf Brakemeier

Der Arbeitskreis »Demenz in Steinheim« besteht aus zahlreichen Teilnehmern. Dazu gehören auch die Verantwortlichen der beiden großen Seniorenhäuser in der Emmerstadt, St. Rochus und Helene-Schweitzer.

Sie informieren und helfen seit langer Zeit nicht nur in ihren Einrichtungen. Mit verschiedenen Veranstaltungen, unter anderem mit der regelmäßigen Teilnahme am weltweiten »Move for Dementia«, versuchen sie das Thema dahin zu holen, wo es hingehört: In die Mitte der Gesellschaft.

Demenz isoliert Betroffene und Angehörige

»Der Anteil an Demenzkranken liegt in unseren Seniorenhäusern sicher bei etwa 75 Prozent«, berichtet Bernadette Linhoff, Leiterin des St.-Rochus-Seniorenhauses, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Die meisten Dementen würden aber auch in Steinheim im häuslichen Umfeld betreut und gepflegt. Und hier würden auch die Problemfelder liegen. Denn: Demenz isoliert noch immer, nicht nur die direkt Betroffenen, auch ihre Angehörigen.

»Die Erkrankten sind in der Regel recht gut versorgt, aber die Angehörigen, und viele von ihnen sind ja selbst oft schon recht betagt, nehmen viel zu selten und auch viel zu spät Hilfe in Anspruch«, sagt Karola Schmidt. Sie ist Gemeinwesenarbeiterin in Steinheim und seit mehr als 35 Jahren in der Pflege tätig.

Sie weiß: »Demenz führt zu sozialer Abgeschiedenheit und macht Angst. Wir wollen auch am 11. April in der Zeit von 15 bis 17 Uhr auf dem Marktplatz in Steinheim zeigen, dass Demenz jeden treffen kann – aber dass das Leben auch nach der Diagnose weiter geht. Wir wollen allen Betroffenen, an Demenz Erkrankten und Angehörigen, Mut machen.«

»Mit der richtigen Hilfe ist ein Leben mit Demenz lebenswert«

Am Stand werden Schmidt und Linhoff, gemeinsam mit Antje Hölscher von der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken sowie Annette Wennrich, Leiterin des Helene-Schweitzer- Zentrums, über das Thema ausführlich informieren, werden Hilfsangebote machen und auf bereits bestehende, wie Sprechstunden und Pflegekurse, hinweisen.

Beim so genannten Demenz­Simulator können nicht Betroffene selbst einmal ausprobieren, wie sich Demenzkranke fühlen, wenn sie scheinbar einfache Handgriffe nicht mehr ausführen können. »Es geht darum, sich auch einmal in die Lage des anderen zu versetzen, Verständnis aufzubauen«, sagt Antje Hölscher, die bis zum Tod von Mutter und Schwiegermutter selbst jahrelang als Angehörige betroffen war.

Demenz sollte unbedingt rechtzeitig erkannt werden, um schnell handeln zu können. Angehörige sollten sich in Pflegekursen für den richtigen Umgang schulen lassen, sich aber auch Auszeiten gönnen und sich nicht mit ihrem dementen Partner aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. »Mit der richtigen Hilfe ist ein Leben mit Demenz durchaus lebenswert – für Betroffene und Angehörige«, sagt Karola Schmidt.

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