Tatort Campingplatz Lügde: Steinheimer unter den Verdächtigen – mit Video Festnahme schockiert Bekannte: »Er war lieb und hilfsbereit«

Lügde/Steinheim (WB). Mario S. (33) aus Steinheim (Kreis Höxter) ist einer der Männer, die auf einem Campingplatz in Lügde Kinder missbraucht haben sollen . Seine Mutter, sein privates Umfeld – alle scheinen ratlos.

Von Christian Althoff
Mario S. aus Steinheim (rechts) ist einer der beiden Männer, die auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen Kinder missbraucht haben sollen. Seine Mutter hält das für ausgeschlossen.
Mario S. aus Steinheim (rechts) ist einer der beiden Männer, die auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen Kinder missbraucht haben sollen. Seine Mutter hält das für ausgeschlossen. Foto: Althoff

Am 11. Januar tauchten Polizisten auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde-Elbrinxen auf und nahmen Mario S. fest. Seitdem sitzt der 33-Jährige hinter Gittern. »Ich glaube nicht, dass er das gemacht hat, was man ihm vorwirft«, sagt seine Mutter (68).

Seit vier Jahren habe ihr Sohn den Wohnwagen, erzählt die Frau. »Er läuft auf seinen Namen, aber mein Mann und ich bezahlen den Stellplatz, und wir sind an den Wochenenden meistens mit der ganzen Familie dort.« Die Parzelle sei weit von der des Hauptverdächtigen Andreas V. entfernt.

»Ganz am anderen Ende des Platzes. Wir kennen den Mann doch gar nicht.« Wenn die Polizei von einem Tatzeitraum von zehn Jahren spräche, könne das ihren Sohn doch gar nicht betreffen. »So lange sind wir ja noch nicht auf dem Campingplatz.«

Leben steht Kopf

Am 11. Januar tauchten Polizisten auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde-Elbrinxen auf und nahmen Mario S. fest. Seitdem sitzt der 33-Jährige hinter Gittern.

Ihr Sohn sei immer ein »lieber Junge« und hilfsbereit gewesen, sagt die Mutter und zeigt ein Kindheitsfoto, auf dem ein dunkelblonder Junge in die Kamera lacht. Jetzt steht das Leben der 68-Jährigen auf dem Kopf – der Sohn in Haft, der Ehemann seit letzter Woche schwerkrank im Krankenhaus.

Camper haben die Frau angerufen und ihr gesagt, dass die Kripo den Wohnwagen versiegelt habe, und bei ihr in Steinheim haben Polizisten Wohnung und Keller durchsucht. Denn Mario S., der eine Sonderschule besucht haben soll und arbeitslos war, lebte mit in der elterlichen Wohnung.

20 Computer mitgenommen

»Bestimmt 20 Computer« hätten die Polizisten mitgenommen, schätzt Özkan Yilanci (33) von der Pizzeria »Bella Riva«, die im Erdgeschoss des Hauses liegt. »Ich bin mit Mario großgeworden. Wir haben zusammen auf dem Spielplatz gespielt. Keiner von den Nachbarn hätte gedacht, dass er mal in so einen Verdacht gerät«, sagt der Vater zweier Töchter.

Özkan Yilanci kennt Mario S.

Er könne nur Gutes über den 33-Jährigen sagen: »Mario ist handwerklich sehr begabt und kann viele Sachen. Er hat beim Karneval und beim Schützenfest immer beim Aufbauen geholfen und sich so ein paar Euro dazuverdient.« Lieb sei er gewesen und hilfsbereit.

»Deshalb können wir ja nicht fassen, dass er so etwas Schlimmes getan haben soll.« Allerdings habe ihm ein Kollege erzählt, dass er mehrmals gesehen habe, wie Mario S. einen Jungen mit ins Haus genommen habe. »Das kam ihm schon komisch vor. Ich selbst habe aber nichts beobachtet.«

Unter den sichergestellten Computern, die zum Teil im Keller standen, sollen sich etliche nicht mehr benutzte Altgeräte befinden.

»Mädchen mit kleinen Brüsten« angepriesen

Mario S. wird offenbar deutlich weniger vorgeworfen als dem Haupttäter Andreas V., der im Internet »Mädchen mit kleinen Brüsten« angepriesen haben soll. So soll der dritte Beschuldigte, ein 48-Jähriger aus Stade, ausgesagt haben, er habe über das Internet ausschließlich Kontakt zu Andreas V. gehabt, der dort unter einem Pseudonym unterwegs gewesen sei.

Mario S. kenne er nicht. 2010 und 2011 sei er bei zwei Gelegenheiten mit Andreas V. im Videochat verbunden gewesen, wo er V. und ein Mädchen gesehen habe. Strafverteidiger Jann Popkes aus Schlangen, der den Beschuldigten aus Stade vertritt: »Mein Mandant wendet sich entschieden gegen die Darstellung, er habe bei diesen Videochats Regieanweisungen für den Missbrauch gegeben. Er will nur zugesehen haben.«

Kontakt beendet?

Andreas V. soll den Niedersachsen auch auf den Campingplatz nach Lügde eingeladen haben, was dem aber »zu heiß« gewesen sei, sagt Poppkes. »Er hat ihn nach eigenen Angaben aus seiner Liste mit Facebookkontakten gelöscht und den Kontakt beendet.«

Das Polizeipräsidium Bielefeld hat Freitag die Ermittlungen an sich gezogen und will eine neue Ermittlungskommission zusammenstellen, der weiterhin Polizisten aus Lippe angehören sollen. Die Kripo Detmold hatte seit November ermittelt und so viele Beweise zusammengetragen, dass die drei Hauptbeschuldigten in U-Haft genommen werden konnten.

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