Kabarett: Harald Meves und Lüder Wohlenberg begeistern Publikum in Ottenhausen »Es läuft gut auch ohne Regierung«

Steinheim (WB). Harald Meves kennt seine Ostwestfalen ganz genau. Er ist schließlich selbst einer, der weiß, wie die Menschen in dieser Region ticken, wie sie sprechen, wie sie fühlen. Und das beweist der Kabarettist bei seinen Auftritten im Dorfgemeinschaftshaus Ottenhausen (Stadt Steinheim).

Von Heinz Wilfert
Harald Meves kennt seine Ostwestfalen und weiß wie dieser Menschenschlag tickt, wie er spricht und fühlt. Die Ostwestfälin zeigt das mit ihrer Einkaufstasche.
Harald Meves kennt seine Ostwestfalen und weiß wie dieser Menschenschlag tickt, wie er spricht und fühlt. Die Ostwestfälin zeigt das mit ihrer Einkaufstasche. Foto: Heinz Wilfert

Bereits zum achten Mal hatte der Heimatverein am Wochenende eingeladen. Beide Veranstaltungen am Samstag und Sonntag mit Meves sowie dem aus Köln stammenden Notarzt Lüder Wohlenberg waren ausverkauft. Beide standen abwechselnd auf der Bühne. »Tach auch« – so lautete die kurze wie präzise Begrüßung von Meves, der gleich mit Vorurteilen vom sturen und schweigsamen Ostwestfalen aufräumte. »Er ruht in sich und spricht eben nur, wenn es nötig ist«, so seine vergnügliche Definition des »homo westfalicus«, um eine Anleihe beim Kabarettisten Hüsch zu nehmen. »Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären - der typische Lehrer eben. Beim Ostwestfalen heißt es dagegen ›Ich sach´ nichts‹ – und das muss genügen.« Der Wortschatz des Ostwestfalen sei nicht immer leicht zu verstehen. Das zeigt sich im unumstößlichen Wahrheitsbeweis »Iss so«, was einer zusammenfassenden und abschließenden Betrachtung gleichkommt.

In der Kürze liegt die Unterhaltung des Ostwestfalen

In der Kürze liegt auch die Unterhaltung des Ostwestfalen, so der Bildungsreferent und Sozialpädagoge Meves. »Und?«, »Muss!« heißt es bei einem solchen Gespräch, selbst in der erweiterten Form »Und wie is es?«, »Muss ja« ist wirklich alles gesagt, was sich auch in der typisch ostwestfälischen Grundhaltung ausdrückt: Arme vor der Brust verschränkt, muffig dreinschauen und nichts sagen. Wenn er sich nicht äußern will, sagt der Ostwestfale »Ach, das iss ne lange Geschichte.« Doch das ist nur die kühle Fassade des Ostwestfalen, dahinter steckt meist ein großes, warmes Herz.

»Beruf Arzt, Profession Kabarettist« – so lautet die Charakterisierung von Lüder (friesische Form von Lothar) Wohlenberg, der als Facharzt für Radiologie sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Er fühlt sich als Arzt, Patient und Kabarettist und hat schon berufsbedingt den nötigen Durchblick nach Ottenhausen mitgebracht hat. »Wird schon wieder!« heißt sein aktuelles Programm, das in einer kurzweiligen und satirischen Überlebenshilfe mündet. Beim Kölner Wohlenberg, der sich selbst einen »Rheinländer mit hanseatischem Migrationshintergrund« nennt, werden Alltag, Politik oder Gesundheit ebenso wirkungsvoll behandelt wie Darm, Schnupfen und Rücken.

Bissige Ironie

Wenn der Zwei-Meter-Mann mit bissiger Ironie spottet »90 Prozent aller Erkrankungen heilen von alleine. Kaum eine andere Berufsgruppe hat eine solche Erfolgsquote. Der Arzt muss es nur schaffen, die Finger vom Patienten zu lassen«, erzeugt er beim Publikum größte Heiterkeit.

Das Schlimmste für jeden Mediziner sei es, von einem Kollegen operiert zu werden, den man aus der Mensa mit seinem Umgang mit Messer und Gabel kenne. In seinem Kabarettprogramm beschäftigt sich der Arzt auch mit der Politik und findet die gegenwärtige Lage in Berlin gar nicht so schlecht: »Es läuft gut auch ohne Regierung.« Wohlenberg schlüpft in die Rolle des Patienten »Raderscheid« und philosophiert über das Gesundheitswesen. »Wir haben so viele Krankheiten, die jeder noch irgendwann bekommen muss. Die Angst davor nennt sich Vorsorge.« Bei diesem Kabarettisten geht es wirklich ums Überleben und das Publikum ist hautnah dabei. Es lässt sich dabei gerne von Wohlenbergs Humor und ­Optimismus infizieren.

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